Verhafteter Drogenboss Z-40: "Größter Sadist von allen"

Miguel Angel Trevino Morales alias
Miguel Angel Trevino Morales alias "Z-40" wurde verhaftet.(c) Reuters

Nach der Festnahme des mächtigen "Los Zetas"-Chefs warnen Experten vor einer Gewalteskalation durch mexikanische Drogenkartelle.

Der Chef des berüchtigsten mexikanischen Drogenkartells "Los Zetas" ist bei einem spektakulären Einsatz mit einem Armeehubschrauber festgenommen worden. Im Wagen des 40-jährigen Miguel Angel Trevino Morales alias "Z-40" seien am Montag überdies zwei Millionen Dollar Bargeld und acht Waffen gefunden worden, teilte das Innenministerium mit. Es ist der bisher größte Erfolg der Regierung des neuen Präsidenten Enrique Pena Nieto im Kampf gegen die Drogenmafia.

Der Armeehubschrauber landete am frühen Morgen direkt vor Trevinos Wagen, wie der Sprecher des Innenministeriums, Eduardo Sanchez, schilderte. Mit dem Drogenboss wurden zwei weitere Männer festgenommen, bei denen es sich um einen Leibwächter und einen Finanzexperten des Kartells handeln soll. "Nicht ein Schuss wurde abgegeben", lobte Sanchez den Einsatz, dem eine monatelange Beobachtung des Drogenbosses vorausgegangen war.

Boss des gewalttätigsten Drogenkartells

Die Festnahme erfolgte auf einer unbefestigten Straße in der Nähe von Nuevo Laredo, einer Stadt im Nordosten Mexikos, die an den US-Bundesstaat Texas grenzt. Nach dem erfolgreichen Einsatz veröffentlichte das Innenministerium Polizeifotos von Trevino. Darauf hat der 40-Jährige eine blutige Unterlippe und einen Kratzer auf seiner Wange. Der Zetas-Chef wurde später nach Mexiko-Stadt verlegt. Ihm werden Morde, Drogenhandel, Folter und Geldwäsche zur Last gelegt.

Hintergrund: "Los Zetas"

Die kriminelle Organisation entstand als bewaffneter Arm des Golf-Kartells. In ihren Anfängen in den 1990er Jahren rekrutierten sie vor allem Deserteure aus Armee und Polizei. 2010 lösten sich die Zetas von ihrer "Mutterorganisation" und sind seitdem selbständig.

Gegenüber Beamten verfolgen die "Los Zetas" die Politik "Geld oder Blei": Entweder man lässt sich auf die Korruption ein oder wird ermordet.

Das Zentrum für Strategische Studien des Pentagons vergleicht die Zetas mit anderen globalen Handelsorganisationen, die auf jede Herausforderung flexibel und effektiv reagieren können.

Quelle: NarcoZones, Verlag Assoziation A


Los Zetas gilt als das gewalttätigste Drogenkartell in Mexiko, gegründet wurde es von ehemaligen Elitesoldaten. Es kämpft nicht nur gegen die mexikanischen Sicherheitskräfte, sondern liefert sich auch mit dem Sinaloa-Kartell, das von Mexikos meistgesuchten Mann Joaquin "El Chapo" Guzman angeführt wird, einen blutigen Machtkampf um die lukrativen Drogenschmuggelrouten in die USA. Neben dem Drogenhandel gehören Menschenhandel, Erpressung und das illegale Anzapfen von Öl-Pipelines zu den Einnahmequellen von Los Zetas. Auch Trevinos Bruder Omar alias "Z-42" gehört dem Kartell an. Experten zufolge ist aber unklar, ob er nun zum neuen Chef aufrückt.

Tötungstechnik des "Schmorbratens"

Trevinos Vorgänger Heriberto Lazcano wurde bei einem Militäreinsatz im Oktober 2012 getötet. Die Leiche wurde anschließend von Bewaffneten im nördlichen mexikanischen Bundesstaat Coahuila geraubt und tauchte nicht wieder auf. Die Zetas brachten in den vergangenen Jahren große Teile des Nordens und des Ostens von Mexiko unter ihre Kontrolle und bauten ihre Position in Zentralamerika aus. Das Kartell ist berüchtigt dafür, dass es seine Feinde köpft und zerstückelt.

Trevino soll unter anderem für den Mord an 72 Einwanderern aus Zentralamerika im Jahr 2010 und 193 weiteren Entführungsopfern verantwortlich sein. Die Zetas sollen auch einen Brandanschlag verübt haben, bei dem im August 2011 in Monterrey am helllichten Tage in einem Casino 52 Menschen starben. "Er ist der größte Sadist von allen", sagte der Zetas-Experte George W. Grayson der Nachrichtenagentur Reuters. "Es macht ihm Lust, Menschen teuflische Schmerzen zuzufügen." Eine seiner Techniken wird "Schmorbraten" genannt: Dabei werden Feinde in ein 208-Liter-Fass gestellt und dann bei lebendigem Leib verbrannt.

70.000 Tote im mexikanischen Drogenkrieg

Auf Hinweise für die Ergreifung Trevinos hatte das US-Außenministerium fünf Millionen Dollar als Prämie ausgesetzt, Mexiko weitere 2,3 Millionen Dollar. Trevino ist der mächtigste Drogenboss, der seit dem Amtsantritt von Staatschef Pena Nieto im Dezember gefasst wurde. Der Präsident hatte eine neue Strategie im Kampf gegen die Drogenkartelle angekündigt, um die Zahl der Gewalttaten zu verringern. Dazu gehören ein Präventionsprogramm und das Vorhaben, eine neue Militärpolizei zu schaffen.

Sein Amtsvorgänger Felipe Calderon hatte Ende 2006 eine Offensive gegen den Drogenhandel mit tausenden Soldaten gestartet. Während seiner Präsidentschaft gelang es den Sicherheitskräften zwar, etwa zwei Dutzend der 37 meistgesuchten Drogenbosse festzunehmen oder zu töten. Die Morde im Zusammenhang mit dem Drogenkrieg nahmen aber deutlich zu: Von Ende 2006 bis 2012 starben etwa 70.000 Menschen.

Nun drohen Machtkämpfe

Fachleute warnen davor, dass die Festnahme von Drogenbossen wegen der dadurch ausgelösten Machtkämpfe oft zu einer Gewalteskalation führen. Die Zetas-Rivalen würden nun wahrscheinlich diesen "Moment der Schwäche" nutzen, um dem Kartell seine Herrschaftsgebiete streitig zu machen, erklärte die texanische Sicherheitsberatungsfirma Stratfor.

Der Einflussbereich der Drogenkartelle
Der Einflussbereich der DrogenkartelleAPA

(APA/AFP/Reuters)