Grawe-Chef gegen Abgesang auf Garantie-Lebensversicherungen

Zinsniveau. Die heimischen Versicherer wollen dem Beispiel der deutschen Allianz nicht sofort folgen und Lebensversicherungen ohne Garantiezins anbieten.

Wien/Graz. Othmar Ederer, Generaldirektor der Grazer Wechselseitigen Versicherung (Grawe), hält es für verfrüht, das Ende für Lebensversicherungen mit Garantiezins einzuläuten. "Ich sehe das derzeitige Niedrigzinsumfeld durchaus herausfordernd, aber eine Änderung der Zinsen kann sich schnell wieder einstellen", sagte Ederer am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz.
Ederer geht nicht davon aus, dass sich in der Eurozone eine ähnliche Situation wie in Japan ergeben wird, wo seit 20 Jahren ein Niedrigzinsumfeld anhält. "Man darf die Dinge aber nicht kleinreden, das Niedrigzinsumfeld ist für die Versicherungen eine Herausforderung", betonte Ederer.

Wie berichtet bietet die deutsche Allianz-Versicherung erstmals Lebensversicherungen ohne Garantiezins an. Experten gehen davon aus, dass die Versicherer in Österreich folgen werden, berichtet die "Presse" am Dienstag. Sie könnten dies laut Finanzmarktaufsicht jederzeit machen.

Versicherungen warten ab - noch

Die UNIQA beobachtet laut Medienberichten derzeit den Markt und will sich im kommenden Jahr entscheiden. Die Wiener Städtische und die Generali sehen derzeit keinen Bedarf, ihre Produktpalette zu ändern. Der VKI kritisierte, dass klassische Lebensversicherungen immer mehr zum Verlustgeschäft würden. Wenn der Garantiezins auch noch falle, bleibe keine Sicherheit mehr für den Verbraucher, so VKI-Expertin Gabi Kreindl im ORF.

Sicherheit vor Rendite

Deutschlands größter Lebensversicherer Allianz erhofft sich für seine neue Produktlinie mit eingeschränkten Garantien rasch einen beträchtlichen Anteil am Neugeschäft. Die "Perspektive" genannte Produktlinie bietet den Kunden eine um 0,3 Prozentpunkte höhere jährliche Überschussbeteiligung als bei klassischen Lebensversicherungen, aber in der Ansparphase nur noch eine Garantie auf den Erhalt der eingezahlten Beiträge und eine Mindestpension. Die Gewinnbeteiligung wird jährlich neu festgelegt und kann daher schwanken. Die Sicherheit der Beiträge sei den Kunden wichtiger als ein garantierter Zins von nur 1,75 Prozent, so die Allianz.

(APA)

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