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Wiener Sängerknaben vor der Pleite - theoretisch

Wiener Saengerknaben Pleite theoretisch
Wiener Saengerknaben(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Der Bund verlangt nun 200.000 Euro Miete von den Sängerknaben, was sich diese kaum leisten können. Das Problem kommt nicht unerwartet, wird aber gelöst werden.

Gehen die Wiener Sängerknaben in Konkurs? Droht das Ende der kulturellen Botschafter Österreichs? Zumindest stellt das Walter Nettig, Präsident der Wiener Sängerknaben, in den Raum.

Der Grund: Seit 1947 residiert der Verein in einem Palais im Wiener Augarten. Und seit 1947 haben die Sängerknaben keine Miete dafür bezahlt. Nun verlangt die Burghauptmannschaft, die das Gebäude für die Republik verwaltet, jährlich rund 200.000 Euro Miete – was sich die Sängerknaben laut Nettig nicht leisten können.

Die Situation ist verfahren, hat sich aber seit Jahren abgezeichnet. Denn die Sängerknaben haben bisher keine Miete bezahlt, weil sie 1947 das Palais auf eigene Kosten saniert haben. Diese Kosten wurden mit der Miete gegengerechnet. 2008 stand dieser Saldo auf null, die Sängerknaben ließen aber weitere Investitionen (dank Sponsoren) in die Palais-Erhaltung mit der Miete gegenrechnen.

Nun ist dieser Saldo wieder auf null. Die Burghauptmannschaft ist gesetzlich verpflichtet, jetzt eine angemessene Miete einzufordern (was auch der Rechnungshof verlangt). Reagiert die Burghauptmannschaft nicht, macht sie sich strafbar – selbst wenn es sich um eine Kulturinstitution wie die Sängerknaben handelt. Nur: Diese können sich diese Miete nur schwer leisten. Der laufende Betrieb kostet jährlich 2,8 Millionen Euro, etwa 65 Prozent sind durch Einnahmen gedeckt. Der Rest, rund 1,2 Millionen, muss jedes Jahr durch Unterstützer neu aufgestellt werden.

Dass die Sängerknaben in Konkurs gehen, wird trotzdem nicht passieren. Derzeit wird ein gesetzeskonformes Konstrukt gesucht, mit dem alle Akteure leben können. Denn die Sängerknaben als Botschafter Österreichs können nicht mit einem gewinnorientierten privaten Mieter verglichen werden – was allen Beteiligten klar ist. Deshalb hat auch Bürgermeister Michael Häupl, der traditionell einen sehr guten Draht zu Nettig hat, seine Unterstützung zugesagt – selbst wenn es (kompetenzmäßig) nicht die Stadt betrifft. Auch die Burghauptmannschaft will eine Lösung zugunsten der Sängerknaben, ist zu hören. Walter Nettig wird also wohl bald wieder durchatmen können.

 

E-Mails: martin.stuhlpfarrer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2013)