Börse: Aufstand der Conwert-Aktionäre

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Boerse Aufstand ConwertAktionaere(c) APA (ROLAND SCHLAGER)
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In der Causa Meinl setzte sich "Börsenrebell" Alexander Proschofsky durch. Nun rührt er bei Conwert um. Die Firma machte 2012 einen Vorsteuerverlust von 154 Millionen Euro.

Wien. Alexander Proschofsky ist ein „Börsenrebell“ mit Dreadlocks und Flinserl. Über die Investmentfirma Cube Invest kauft er Aktien von Firmen, die sich im Umbau befinden. Er hofft dabei auf Gewinne. Legendär ist sein Kampf gegen das Management von Meinl-Firmen, wo sich Proschofsky mit Hedgefonds zusammentat. Nun probt er bei der Immobilienfirma Conwert den Aufstand.

Das Immobilien-Portfolio der Firma ist 2,9 Milliarden Euro schwer. Größter Einzelaktionär ist mit 24,4Prozent die Familien-Privatstiftung des früheren Strabag-Chefs Hans-Peter Haselsteiner. Die Haselsteiner-Stiftung hat mit Conwert-Verwaltungsratschef Johannes Meran einen Beratungsvertrag abgeschlossen.

Rückzug von Meran gefordert

Nun schießt sich Proschofsky auf Meran ein. In einem Brief an den Conwert-Verwaltungsrat fordert er den „umgehenden und vollständigen Rückzug“ von Meran. Das Schreiben liegt der „Presse“ exklusiv vor. Laut Proschofsky gibt es bei Conwert seit zwei Jahren keinen formellen Geschäftsführer. Dafür übe Meran interimistisch die Funktion des Schattengeschäftsführers aus.

„Meran fehlen die Ausbildung und die Berufserfahrung im Immobilienbereich“, sagt Proschofsky. Zudem kontrolliere er als Verwaltungsratsvorsitzender seine operative Arbeit selbst. Außerdem kritisiert Proschofsky die Beratungstätigkeit von Meran für die Haselsteiner-Stiftung: Es sei in Österreich nicht üblich, dass Aufsichtsräte börsenotierter ATX-Gesellschaften von einem einzelnen Aktionär bezahlt werden.

Seitdem es bei Conwert keinen formellen Geschäftsführer gebe, „wurde durch den Kursverfall der Conwert-Aktie mehr als ein Drittel und seit Jahresbeginn fast ein Viertel des Aktionärsvermögens vernichtet“.

Besonders empört ist Proschofsky über die sogenannten „Friends and Family“-Geschäfte. „Seit Kurzem gibt es einen neuen Regionalleiter von Conwert. Dieser ist mit Meran verwandt“, so Proschofsky. 2011 habe das Unternehmen ein Immobilien-Portfolio veräußert. „Käufer war eine Firma, in der ein Verwandter von Meran tätig ist.“

Umstrittene Geschäfte

Das sei laut Proschofsky aber nicht alles. Bei einem Immobilien-Deal in Deutschland wurde Conwert von der Gesellschaft Currus Capital beraten. „Wirtschaftlich Berechtigter bei Currus Capital ist ein früherer Geschäftspartner von Meran“, so Proschofsky. Er verlangt neben dem Rücktritt von Meran auch die Rückzahlung des an Currus Capital bezahlten Honorars sowie die Einstellung aller „Friends and Family“-Geschäfte.

Weiters soll ein Geschäftsführer „mit ausgewiesener Immobilienerfahrung“ eingesetzt werden. Denn derzeit sei keine glaubwürdige Strategie zur baldigen und nachhaltigen Wertsteigerung für die Aktionäre erkennbar.

Conwert bestreitet Vorwürfe

Conwert weist die Anschuldigungen zurück. Zum Vorwurf der „Friends and Family“-Geschäfte heißt es in einer Stellungnahme: „Die Mandatierung von Beratern erfolgt lediglich nach leistungsbezogenen Kriterien und wird kontinuierlich auf Drittvergleichsfähigkeit geprüft.“ Verwandschaftsverhältnisse von einzelnen Verwaltungsratsmitgliedern seien dabei irrelevant. Auch beim Honorar für Currus Capital sei alles in Ordnung gewesen.

Bestätigt wird die Beratungstätigkeit von Meran für die Haselsteiner Familien-Privatstiftung. „Herr Meran hat schon in der letzten Hauptversammlung ausdrücklich bestätigt, dass die Erfüllung der gesetzlichen Pflichten zur Wahrung der Interessen von Conwert als Verwaltungsratsvorsitzenden unbedingten Vorrang gegenüber seinen Beraterpflichten hat.“ Zudem weist Conwert darauf hin, dass Meran bei der jüngsten Hauptversammlung mit 93,62Prozent der Stimmen gewählt beziehungsweise entlastet wurde.

Proschofsky gibt sich mit diesen Antworten nicht zufrieden. Er will weitere Conwert-Aktionäre für die Ablöse von Meran gewinnen: „Bei der deutschen GSW Immobilien gibt es ja ein gutes Beispiel, was passieren kann, wenn gegen die Aktionäre regiert wird.“

Bei der GSW Immobilien schlossen sich große Aktionärsgruppen gegen den Vorstandschef und den Chefaufseher zusammen. Beide müssen Ende Juli ihre Posten räumen.

Auf einen Blick

Conwert ist neben Österreich auch in Deutschland, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Luxemburg und der Ukraine tätig. Der Gesamtwert des Immobilien-Portfolios beläuft sich laut Firmen-Homepage auf rund 2,9 Milliarden Euro. 2012 verbuchte die Firma einen Vorsteuerverlust von 154,6 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2013 gab es einen Gewinn vor Steuern von 12,3 Millionen Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2013)

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