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Bawag–Linz: Brisante Telefonate

Bawag Linz Brisante Telefonate
Bawag Linz Brisante Telefonate(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Im Prozess zwischen Bawag und Linz beginnen nächste Woche die Einvernahmen. Dabei spielen Telefonate zwischen den Streitparteien eine wichtige Rolle.

Wien. Am 26. Juli starten im Zivilprozess der Bawag gegen die Stadt Linz die Einvernahmen. Für diesen Termin sind gleich der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) und Bawag-Chef Byron Haynes geladen. Bei dem Verfahren geht es um ein Wertpapiergeschäft (Franken-Swap), das die Stadt Linz bei der Bawag abgeschlossen hatte und einen Schaden von 417,8 Millionen Euro verursachte. Um ihren Standpunkt zu untermauern, hat die Bawag dem Gericht nun einen umfangreichen Schriftsatz mit Tondateien vorgelegt.

Denn die Stadt Linz betonte in der Vergangenheit mehrmals, dass man das mit der Bawag abgeschlossene Geschäft nicht recht verstanden habe. Mit den Tondateien möchte die Bawag das Gegenteil beweisen. Die Bank hat die Gespräche mit dem früheren Linzer Finanzdirektor Werner Penn und der zuständigen Bawag-Mitarbeiterin S. aufgezeichnet.

 

Tondateien rekonstruiert

In dem Schriftsatz der Bawag an das Wiener Handelsgericht heißt es, dass der Aufwand zur Rekonstruktion dieser Tondateien enorm gewesen sei. Denn bei der Bawag seien damals veraltete Aufnahmegeräte im Einsatz gewesen. Die Bank musste daher sprichwörtlich nach der „Stecknadel im Heuhaufen“ suchen. Die Bawag will anhand der Telefonprotokolle zeigen, dass der damalige Linzer Finanzdirektor Penn das umstrittene Wertpapiergeschäft sehr wohl verstanden habe, weil er mit der Bawag-Mitarbeitern S. über die Konditionen feilschte.

Es wurde ausführlich über den sogenannten Strike-Preis verhandelt. Vereinfacht ausgedrückt, handelt es sich bei dem Geschäft um eine Wette auf den künftigen Euro/Franken-Kurs. Der Strike ist ein wichtiger Schwellenwert für die Berechnung der Kosten, die auf die Stadt Linz zukommen können.

 

„Ein grauslicher Zinssatz“

Der „Presse“ liegen die Protokolle der vielen Telefonate vor. Anbei einige Auszüge:

Am 1. Februar 2007 rief die Bawag-Mitarbeiterin S. bei Penn an und fragte, wie ihm das Angebot gefallen habe. „Ja, gefällt mir sehr gut“, antwortete der damalige Linzer Direktor. „Es ist eigentlich recht attraktiv ... und auf einem Niveau, glaub ich, wo man schon schwach werden könnte“, sagte die Bawag-Mitarbeiterin. Penn meinte aber, bei einem sogenannten Strike-Preis von 1,46 komme „ein grauslicher Zinssatz raus“. Aber sonst gefalle ihm das Angebot recht gut. „Nun muss ich mal mit dem Chef reden drüber“, so Penn.

Wenig später wies die Bawag-Mitarbeiterin ihren Gesprächspartner auf das Risiko hin: „Ich mein, das Einzige, auf was ich, sag ich einmal, hinweisen muss, ist natürlich wenn die Euro Schweiz [sic!] runtergeht“, dann würde es auch „ins Minus gehen“. Die Bawag-Mitarbeiterin sprach von einem „doppelten Risiko“. Doch Penn zeigte sich unbeeindruckt: „Ja, ja, na, bei der Stadt ist das unproblematisch.“ Die Bawag-Mitarbeitern war erleichtert: „Ja, na passt.“

In der Folge wurde über weitere Details verhandelt. Penn sagte, ihm wäre ein Strike-Preis von 1,51 lieber.

 

Penn verhandelte intensiv

Gleich am nächsten Tag, am 2. Februar 2007, gab es ein weiteres Telefonat. „Griaß Ihna“, begrüßte Penn die Bawag-Mitarbeiterin. Er fragte sie, ob es viel Arbeit sei, wenn die Bawag auch andere Strike-Werte ausrechnete.

Penn sprach dann wie ein Börsianer: „Wenn es unter den Strike geht... dann hat man dann einen Abschlag von 6/10.“ Er, Penn, wolle dem Chef jedenfalls „ein paar Varianten anbieten“.

Einige Tage später, am 8. Februar, erklärte Penn, er müsse auch Angebote von der Konkurrenz einholen: „Es hängt an euch und an Bank Austria.“ Penn sagte, er liebäugelte mit einem „Strike von 1,54“ und habe das auf zehn Jahre zurückgerechnet. Denn das sehe für ihn am vernünftigsten aus. Nach längerem Hin und Her meinte die Bawag-Mitarbeiterin: „Mach ma, passt.“

Am 12. Februar 2007 wurde ausführlich über die Fälligkeit des Geschäfts diskutiert: „Und das mit der Fälligkeit ist Ihnen wurscht“, fragte die Bawag-Mitarbeiterin. Penn verneinte: „April und Oktober brauch ich.“ Die Bawag-Mitarbeitern fragte erstaunt nach: „April und Oktober brauchen Sie schon?“ Penn blieb dabei, und die Bawag schickte dann eine weitere Berechnung per E-Mail.

Der Anwalt von Penn meint dazu, sein Mandant habe die Formel, bei der es in dem Geschäft gegangen sei, sehr wohl verstanden. Aber Penn habe beim Abschluss des Geschäfts im Jahr 2007 nicht die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise vorhersehen können. Erst im Zug der Krise sei das Geschäft aus dem Ruder gelaufen.

Auf einen Blick

Im Zivilprozess zwischen der Bawag und der Stadt Linz werden nächste Woche Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) und Bawag-Chef Byron Haynes einvernommen. Der Richter drängte die Streitparteien auf einen Vergleich. Doch alle diesbezüglichen Gespräche sind gescheitert. Bei dem Konflikt geht es um ein Wertpapiergeschäft (Franken-Swap) mit einem Schaden von 417,8 Mio. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2013)