Die Spezialeinheiten Cobra und Wega und 100 Polizisten befreiten zwei Dutzend Frauen aus der Zwangsprostitution.
Wien/Apa/Red. Die Polizei hat am Freitag einen Menschenhändlerring in Wien gesprengt und dabei 21 Frauen befreit, die zur Prostitution gezwungen worden sind. Acht Männer wurden verhaftet, fünf weitere befinden sich noch auf der Flucht.
Begonnen hatte die „Operation Haskovo“ um 7.30 Uhr. Die Polizei stürmte zeitgleich 15 verschiedene Wohnungen im Großraum Wien. Mehr als 100 Beamte waren im Einsatz, unterstützt wurden sie von den Sondereinheiten Wega und Cobra sowie von Beamten der Bereitschaftseinheit, Diensthunden und Ermittlern aus Niederösterreich.
Sowohl Verdächtige als auch Opfer stammen aus der südbulgarischen Region Haskovo. Die Frauen wurden legal nach Österreich gebracht und waren in Wien als angemeldete Prostituierte auf dem Straßenstrich im Stuwerviertel tätig. „Sie wurden mit Schlägen gefügig gemacht“, sagte Gerhard Haimeder vom Landeskriminalamt Wien. Der Verdienst sei den Frauen „fast zur Gänze“ abgenommen worden.
Ausbeutung in Buch dokumentiert
Bei den Hausdurchsuchungen in der Leopoldstadt, in Neubau, Brigittenau und hauptsächlich Rudolfsheim und Ottakring wurden auch rund 3000 Euro Bargeld, Sparbücher mit Einlagen bis zu 13.000 Euro, Handys und Laptops sichergestellt. Auch ein Buch wurde gefunden, in dem „die Ausbeutung dokumentiert ist“, so Haimeder.
Seit Ende 2012 liefen die Ermittlungen, die laut Haimeder auch in Richtung des Mafia-Paragrafen 278a (Bildung einer kriminellen Vereinigung) gehen: Für eine dahingehende Anklage sehe es „gut aus“. Insbesondere das gefundene Buch enthalte detaillierte Informationen über die Ausbeutung der Frauen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es noch weitere Opfer gibt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2013)