Speedy Ortiz, ein Quartett aus Boston, heißt nach einer Figur aus dem Indie-Comic „Locas“: ein Latin Lover, der tragisch endet. Das erste Album der Band heißt „Major Arcana“.
„No Below“. Alles kommt wieder. Jetzt auch der programmatisch unausgeschlafene Indie-Rock der frühen Neunziger, vorgetragen von Sonderlingen, die ihre Schrullen so störrisch zur Schau stellten wie ihre verschwitzten Haare. Speedy Ortiz sehen nicht nur so aus wie Wiedergänger aus dieser drögen Zeit, sie klingen auch so, erinnern bald an Dinosaur Jr., bald an Pavement. Allerdings singt bei ihnen eine Frau, mit zarter, zerbrechlicher Stimme.
Diesfalls über ihre Jugend als Außenseiterin. Wie sie sich das Knie gebrochen hat und als Trost nur hörte: „Better off as being dead.“ Getröstet hat sie nur ein Freund, den sie fast vergessen hat. Aber nun singt sie dieses Lied für einen, der sie an jenen Freund erinnert: „I didn't know you when I was a kid, but swimming with you feels like I did.“ Die Geburt der Liebe aus den gemeinsamen Wunden der Jugend. Und ein vergleichsweise feines Dröhngitarrensolo. Nett.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2013)