Österreichs Reiche sind vorsichtig

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THEMENBILD: OeSTERREICHISCHE NATIONALBANKAPA/HERBERT PFARRHOFER
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Heimische Privatbanken haben hohe Zuflüsse. Doch wer ihnen sein Geld anvertraut, will mitreden. Und zieht konservative Veranlagung vor.

Wien. Laut Oesterreichischer Nationalbank haben die heimischen Haushalte Geldvermögen von 484 Milliarden Euro. Ungefähr 90 bis 100 Mrd. werden von Privatbanken verwaltet, schätzt McKinsey-Partner Jens Hagel, einer der Autoren des „Private Banking Survey 2013“. Die Unternehmensberatung hat dazu mehr als 160 Banken in Europa, Nordamerika, Asien, Lateinamerika und dem Mittleren Osten befragt.

Dabei zeigte sich: Hierzulande haben Privatbanken noch Aufholbedarf. „In Österreich legt erst die Hälfte der HNWI (High Net Worth Individuals sind Personen mit einem verfügbaren Anlagevermögen von mehr als einer Million Dollar) bei Privatbanken an“, erklärt Hagel. Der Rest begnügt sich mit den Dienstleistungen von Retailbanken oder stellt als Selbstständiger sein Vermögen dem eigenen Unternehmen zur Verfügung (etwa als Sicherheit für Kredite). International ist die Durchdringung mit Privatbanken höher.

Österreicher sitzen auf viel Cash

Doch holen die heimischen Institute auf: Das im Private Banking verwaltete Vermögen stieg im Vorjahr um zehn Prozent und damit stärker als in Europa insgesamt (acht Prozent). Sechs Prozentpunkte des österreichischen Zuwachses stammen aus Mittelzuflüssen und nur vier aus Kursgewinnen. In Europa sind zwei Prozentpunkte auf Neuzuflüsse und sechs auf Kursgewinne zurückzuführen. Hauptgrund für die relativ starken Mittelzuflüsse in Österreich sei neben dem Nachholbedarf, dass es der heimischen Wirtschaft im europäischen Vergleich relativ gut gehe, meint Hagel. Bei einem Teil des neu veranlagten Vermögens handelt es sich auch um Rückflüsse (aus Steueroasen) oder Zuflüsse von Ausländern.

Die hierzulande geringeren Kursgewinne erklärt Hagel mit dem hohen Anteil an Cash-Beständen und liquiden Mitteln. Das und die niedrigen Zinsen bremsen einen stärkeren Anstieg der Erträge aus. Hintergrund ist, dass in Österreich ein überdurchschnittlich hoher Anteil – zwei Drittel des Vermögens, das von Privatbanken verwaltet wird – Execution-only-Vermögen ist, also Geld, das der Kunde allein verwaltet und wofür er der Bank lediglich Orders erteilt. Bei 24 Prozent des Vermögens hat die Bank ein Beratungsmandat, der Kunde trifft die Letztentscheidung. Nur zehn Prozent werden zur Gänze von der Bank verwaltet. In ganz Europa ist der Anteil mit 22Prozent deutlich größer. „Die Aktienquote ist meist höher, wenn die Bank das Vermögen verwaltet“, stellt Hagel fest. Die Kunden selbst würden nach den schlechten Erfahrungen während der Finanzkrise vorsichtiger agieren – und dabei auf Rendite verzichten.

Doch trotz hoher Mittelzuflüsse ist das Umfeld für die Privatbanken schwierig: „Die Profitabilität liegt um ein Drittel unter dem Wert von 2008“, sagt Hagel. Vor allem kleinen Banken mache die zusätzliche Kostenbelastung in den Bereichen Risikomanagement und Compliance zu schaffen, die durch die strengeren Anforderungen anfällt.

Reichtum wächst in Schwellenländern

Europäische Privatbankkunden veranlagen im Schnitt eine Million Euro bei einer Privatbank. Sie haben aber oft mehrere Bankbeziehungen. Weltweit gibt es zwölf Millionen Menschen mit einem frei verfügbaren Finanzvermögen von mehr als einer Million Dollar. Bis 2016 dürfte ihre Zahl auf 16 Millionen gestiegen sein, und sie werden in Summe 80 Billionen Dollar haben – doppelt so viel wie nach der Finanzkrise. Ein großes Betätigungsfeld für Privatbanken. Dabei dürfte es bei Vermögen von mehr als 30 Mio. Dollar die stärksten Zuwachsraten geben, bei den „ärmeren“ Millionären (mit einer bis zehn Millionen Dollar) die geringsten.

Hagel erklärt das damit, dass der Reichtum vor allem in Schwellenländern wächst: Dort seien die Vermögen ungleicher verteilt als in den entwickelten Ländern. Erholt sich die Wirtschaft, profitierten die Superreichen am stärksten. Auch sei bei den ganz Reichen der Anteil der Barreserve, auf die man jederzeit zugreifen kann, in Relation zum Gesamtvermögen geringer. Und eine hohe Barreserve drückt ebenfalls auf die Rendite.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2013)

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