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Goldmans Finger im Alu-Markt: Fünf Mrd. Dollar Schaden?

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Goldmans(c) REUTERS (BRENDAN MCDERMID)

Statt Aluminium zu verkaufen, fuhr eine Goldman-Firma damit durch die Stadt. Der Preis wurde so getrieben, bis Coca-Cola sich beschwerte.

Wien/New york/Jil. Kaum ein Tag vergeht derzeit, ohne dass eine Marktmanipulation aufgedeckt wird. Meist stehen die immergleichen „Superbanken“ im Mittelpunkt und diesmal die Überbank schlechthin: Goldman Sachs. Niemand Geringerer als die „New York Times“ hat die Geschäfte der Goldman-Tochter Metro International Trade Services untersucht und festgestellt: Durch geschickte, wenn auch etwas unoriginelle Marktmanipulation soll die Goldman-Firma den Preis von Aluminium in die Höhe getrieben haben.

Und weil Aluminium so breiten Einsatz findet (vom Auto bis zur Cola-Dose), betrifft das jeden Amerikaner – bzw. fast jeden Menschen. Durch die Marktmanipulation soll Goldman einen Schaden von rund fünf Mrd. Dollar angerichtet haben, und zwar mit – wohlgemerkt – komplett legalen Praktiken.

Was Metro International Trade Services veranstaltet hat, bezeichnet ein ehemaliger Mitarbeiter gegenüber der „Times“ als „Alu-Ringelspiel“. Metro betreibt 27 Rohstofflagerhäuser in der Gegend von Detroit. Dort waren 2008 nur rund 50.000 Tonnen Alu gelagert. Dann kam Goldman, kaufte Metro und begann, den Kunden (Tradern, die ihr Alu bei Metro lagern) höhere „Prämien“ auszuzahlen, wenn sie mehr Metall bei Metro verstauten. Der Alu-Berg wuchs von 50.000 auf 850.000Tonnen (2010) und 1,5 Mio. Tonnen (heute). Aber damit nicht genug.

Tatsächlich war die London Metals Exchange, die den Alu-Handel weltweit reguliert, auf solche Ideen vorbereitet. So sind die Warenhäuser seit jeher verpflichtet, täglich mindestens 1500 Tonnen Aluminium zu „bewegen“. Die LME scheint in der naiven Annahme gewesen zu sein, das würde zu mehr Verkäufen und einem offeneren Markt führen.

 

Die Fed überprüft

Aber nicht mit Goldman. Nach der Übernahme von Metro behalf man sich mit einem erschreckend einfachen Trick. Man bewegte zwar die erforderliche Menge (die inzwischen auf 3000 Tonnen täglich angehoben wurde). Aber eben nur von einem Warenhaus ins andere. Die „New York Times“ beschreibt diese Methode als äußerst schädlich für den Aluminiummarkt und mutmaßt, dass ähnliche Praktiken von Banken auch zu Verzerrungen auf anderen Rohstoffmärkten führen könnten: Die Märkte für Öl und Nahrungsmittel werden genannt.

Der „Times“-Artikel kommt zu einem interessanten Zeitpunkt. Tatsächlich dürfen Banken erst seit 2003 überhaupt mit physischen Rohstoffen handeln. Jetzt will die US-Notenbank Federal Reserve diese Erlaubnis „überprüfen“, wie sie Ende vergangener Woche verlautbaren ließ. Aufgeflogen ist die Goldman-Manipulation, nachdem Coca-Cola sich beschwert hat, die Bank würde den Alu-Preis in die Höhe treiben. Goldman bestreitet die Vorwürfe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2013)