Ab 2014 dreht Bernie Ecclestones Motorsportserie wieder in Spielberg ihre Runden. Die Vereinbarung mit Dietrich Mateschitz läuft bis 2020, der Steirer finanziert das Ereignis selbst. Nur eine Sondergenehmigung fehlt noch.
Fuschl/Wien. „Wir vom Red-Bull-Team haben ja noch keinen echten Heim-Grand-Prix. Noch . . .“ Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hatte sich im Rahmen einer Pressekonferenz vor dem Rennen in Silverstone Ende Juni „versprochen“. Trotz bohrender Fragen wollte der Deutsche partout nicht mehr auf seine Aussage eingehen. Zurück blieb nach schon im Vorjahr aufkeimenden Spekulationen über die Formel-1-Rückkehr nach Österreich erneut ein Rätselraten.
Seit Dienstag ist es offiziell: Die Formel 1 wird im nächsten Jahr erstmals seit 2003 wieder in Österreich Station machen. Mit einem schlichten E-Mail, einer überaus kurzen Mitteilung des Energy-Drink-Herstellers, wurde das Comeback bekannt gegeben: „Dietrich Mateschitz und Bernie Ecclestone haben Übereinstimmung dahingehend erzielt, dass die Formel 1 2014 zurück in die Steiermark kommt, nach Spielberg auf den Red-Bull-Ring.“
Der zweite Absatz macht allerdings hellhörig. Es scheint doch noch einen Haken zu geben: „Alle für den Ring erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorausgesetzt, ist als Termin der 6. Juli 2014 vorgesehen.“
Die endgültige Bestätigung steht also noch aus. Seit dem Neubau der Rennstrecke und deren Eröffnung im Mai 2011 sind überaus heikle Umweltauflagen zu erfüllen und Anrainer einzubinden, was Anzahl von Veranstaltungstagen, Besucherzahlen sowie die maximale Lärmbelästigung betrifft. Ein Event zu promoten, ohne alle Genehmigungen parat zu haben, dient für gewöhnlich auch einem Zweck: Es ist ein Druckmittel.
Geschäft und Freundschaftspreis
Schon im Vorjahr wurde über die Rückkehr nach Spielberg spekuliert. Der von Chefvermarkter Bernie Ecclestone groß angekündigte Grand Prix in New Jersey war ausgefallen, die Strecke ist auch jetzt noch nicht fertig. Damals erteilte der Brite, 82, allen Anfragen aber letztlich eine Absage: In Spielberg gäbe es doch zu wenige Hotels . . . Daran hat sich in der Obersteiermark nicht viel verändert. Es gibt kaum neue, große Hotels, noch wurden Ausbauten vorgenommen. Auch war – trotz aller Euphorie – unklar bis schwer umstritten, wer die „Teilnahmegebühr“ von mehr als 20 Millionen Euro pro Jahr bezahlen würde. Woher rührt dieser plötzliche Sinneswandel?
Die Rennstrecke in Spielberg wurde 1969 als Österreichring eröffnet und hieß von 1997 bis 2003 A1-Ring. Nach dem Rückzug der Formel 1 wurde der Kurs nach langem Tauziehen und gescheiterten Projekten generalsaniert und umgebaut. (c) APA/ANDREAS PESSENLEHNER (ANDREAS PESSENLEHNER)
Ursprünglich kaufte Dietrich Mateschitz mit seiner Red Bull GmbH das Gelände und wollte es zu einer Motorsport- und Flugakademie ausbauen - das Projekt scheiterte jedoch. Auch ein Teststrecken-Projekt für die Industrie scheiterte. GEPA pictures/ Markus Oberlaender
Im April 2008 wurde bekannt, dass Red Bull die bereits abgerissene Rennstrecke wieder aufbauen wollte. Die offizielle Eröffnung des "Red Bull Rings" erfolgte am 15. Mai 2011 in Form eines Tags der offenen Tür. (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Patrick Leuk)
Die Streckenlänge des "Red-Bull-Rings" beträgt 4318 Meter. Der Ring hat sechs Rechts- und zwei Linkskurven: (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Patrick Leuk)
Castrol Edge (Scharfer Rechtsknick nach dem Start, bergauf führend), Remus (Spitzkehre nach der langen Bergaufgeraden, bester Punkt zum Überholen – die Autos müssen von über 320 km/h auf 70 km/h herunterbremsen), Schlossgold (Rechtskurve, bergab), die beiden schnellen Linkskurven im Infield (Audi Ultra- und Lauda-Kurve) und die beiden Zielkurven (Rindt, Red Bull Mobile). (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Wolfgang Grebien)
Trotz Formel 1-Absenz in den letzten zehn Jahren werden in immer kürzerem Takt Rennen auf dem Ring ausgetragen: Die nächsten Rennen sind vom 9. bis 11. August die ADAC GT Masters - die "Liga der Supersportwagen" mit mehr als 500 PS starken Boliden. (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ M. Oberlaender)
Seit 2011 gastiert die DTM, die Deutsche Tourenwagen Masters in Spielberg. (c) GEPA (Oberlaender)
Auch die FIA European Formula 3 Championship ist am Red Bull Ring vertreten. Das Bild zeigt Raffaele Marciello. GEPA pictures/ Markus Oberlaender
Die Renault World Series machten ebenso Halt in Spielberg: Die ELMS European Le Mans Series vom Red Bull Ring. Das Bild zeigt einen Boxenstopp von Simon Dolan und Oliver Turve. GEPA pictures/ Patrick Leuk
Die Show darf bei Red Bull natürlich nicht zu kurz kommen: Hannes Arch, Andreas Meklau und Thomas Morgenstern bei der 'Battle of Champions'. APA-FOTO: EXPA/ Mario Kuhnke
Bald kehren die "Boxenluder" der Formel 1 wieder zurück nach Spielberg, bei den DTM wurde bereits dafür geprobt. GEPA pictures/ Wolfgang Grebien
In Spielberg werden auch persönliche "Fahrerlebnisse" angeboten: Im Juni gab es beispielsweise einen zweitägigen Rennfahrerlehrgang mit Tipps, Tricks und exklusiven Einblicken von Ex-Formel-1-Legende David Coulthard. GEPA pictures/ Markus Oberlaender
Und was wäre der Red Bull-Ring ohne Testfahrten der Formel 1-Boliden aus dem eigenen Stall? (c) APA/ANDREAS PESSENLEHNER (ANDREAS PESSENLEHNER)
Spielbergs Rennstrecke im neuen Glanz
Als Sebastian Vettel nach dem Gewinn des dritten WM-Titels im Vorjahr in Graz aufgetreten ist, soll bei Mateschitz und seinem Berater Helmut Marko aufgrund der Begeisterung der Fans der Entschluss endgültig gereift sein, die Formel 1 tatsächlich nach Spielberg zurückzubringen. Gespräche unter Geschäftsleuten führten mit Ecclestone zu einer Einigung – wohl mit einem „Freundschaftspreis“.
Schwierig gestaltet sich weiterhin nur die Kommunikation mit dem Veranstalter selbst. Vonseiten der Rennstrecke „Projekt Spielberg“ oder deren PR-Abteilung gibt es zu diesem Coup „keinen Kommentar“. Anfragen bei Red Bull laufen zu diesem Thema ausnahmslos per E-Mail ab. „Lose Gespräche gab es schon lange und immer wieder, konkret darüber gesprochen wurde heuer“, schreibt der National-Communication-Manager auf „Presse“-Anfrage. „Wir bitten um Verständnis, dass wir zu Summen grundsätzlich keine Angaben machen. Wir haben nicht vor, öffentliche Gelder in Anspruch zu nehmen.“
Insgesamt 29 Formel-1-Rennen fanden seit 1964 in Zeltweg bzw. Spielberg statt.DiePresse.com wirft einen Blick zurück auf die letzten zehn Formel-1-Rennen auf österreichischem Boden. (c) APA (Harald Schneider)
1985 gab es eine Massenkarambolage am Start, daraufhin wurde das Rennen abgebrochen. Nach dem Neustart gewann Alain Prost vor Ayrton Senna, weil in Niki Laudas McLaren der Turbolader streikte. Ein Startopfer war Gerhard Berger. Lauda gab seinen Rücktritt per Saisonende bekannt. (c) APA (Georges Schneider)
Gerhard Berger hätte wohl gewonnen, verlor aber beim Batteriewechsel in der Box vier Runden. Aus Frust fuhr er anschließend die schnellste Runde. So kam es zum dritten Prost-Sieg (McLaren). Die Turbos hatten damals bereits über 1200 PS. (c) APA (Georges Schneider)
Zwei Startkollisionen verursachten einen Millionenschaden. Nigel Mansell und Nelson Piquet sorgten für einen Williams-Doppelsieg, Berger schied im Ferrari mit Motorschaden aus.Danach verabschiedete sich die Formel 1 aus Österreich. Die Strecke war nicht mehr zeitgemäß. (c) APA (Rubra)
Es dauerte zehn Jahre, ehe Formel-1-Boss Bernie Ecclestone (rechts, neben der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Klasnic) überzeugt werden konnte und der Formel-1-Zirkus wieder nach Spielberg zurückkehrte. Der Kurs hieß nun A1-Ring. (c) APA (Christian Jungwirth)
Die Strecke war modernisiert worden. Es gab nun Auslaufzonen, die auf der alten Strecke gefehlt hatten. Die Strecke war breiter und langsamer. Die "Mutkurven" fehlten: Statt 242 km/h im Schnitt - der Österreichring war neben Silverstone die Hochgeschwindigkeitsstrecke - fuhr man nun nur mehr 216 km/h. (c) APA (Georges Schneider)
Das Comeback-Rennen gewann der kanadische Williams-Pilot Jacques Villeneuve. Für Gerhard Berger endete der Heim-GP mit einer großen Enttäuschung: Der Tiroler kam vor 125.000 Fans nach einer Pannenserie nicht über Platz zehn hinaus. Ende der Saison trat er zurück. (c) APA (Hans Klaus Techt)
Der spätere Weltmeister Mika Häkkinen feierte im McLaren-Mercedes einen souveränen Start-Ziel-Sieg vor seinem Teamkollegen David Coulthard. Alexander Wurz (Benetton) musste sich dagegen bei seiner Heimpremiere vor 77.000 Zuschauern mit Rang neun begnügen. (c) APA (Hans Klaus Techt)
McLaren-Pilot Häkkinen startete aus der Pole Position, wurde aber gleich in der zweiten Kurve nach dem Start von seinem Teamkollegen Coulthard von der Strecke geboxt und nach einer tollen Aufholjagd vom letzten Platz aus noch Dritter.Der Sieg ging vor 110.000 Zuschauern an den Nordiren Eddie Irvine im Ferrari. Wurz holte als Fünfter im Heim-GP als erster Österreicher seit Niki Lauda (im Jahr 1984) Punkte. (c) Reuters
Der Deutsche Michael Schumacher (Ferrari) schied bereits in der ersten Kurve aus, nachdem ihm Ricardo Zonta ins Heck gekracht war. Damit war der Weg frei für Pole-Mann Häkkinen, der vor seinem McLaren-Mercedes-Teamkollegen Coulthard siegte. (c) Gepa
Nach vier zweiten Plätzen in Serie in Österreich feierte Coulthard im "Silberpfeil" den ersten Triumph auf dem A1-Ring. In einem wahren Motorsport-Krimi setzte sich der Schotte dank perfekter Boxen-Strategie vor den beiden Ferraris von Michael Schumacher und Rubens Barrichello durch, der in der letzten Runde der Teamorder Folge leistete und den Weltmeister passieren ließ. (c) Reuters
Der WM-Lauf endete mit einem umstrittenen Zieleinlauf. Barrichello hatte vom Start an geführt, leistete aber dem Befehl aus der Box Folge und ließ seinen Ferrari-Kollegen Schumacher unmittelbar vor der Ziellinie vorbei. Es kam zu einem gellenden Pfeifkonzert.Das bescherte Ferrari und den beiden Fahrern eine Geldstrafe von einer Million Dollar. Nach Saisonende wurde die Stallorder verboten. (c) Reuters (Leonhard Foeger)
Den bisher letzten Grand Prix von Österreich holte ebenfalls Michael Schumacher vor mehr als 100.000 Zuschauern. Der Deutsche gewann vor dem Finnen Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes und Teamkollegen Rubens Barrichello. (c) EPA (Gero Breloer)
Für die österreichischen Formel-1-Fans hieß es Abschied nehmen. Es sollten erneut zehn Jahre vergehen, ehe nun bekanntgegeben wurde, dass 2014 die Formel 1 nach Spielberg zurückkehren wird. (C) Gepa
Bei der Rückkehr der Formel-1 nach Spielberg gewann Nico Rosberg, es war der Auftakt einer Siegesserie der Silberpfeile. Denn... (c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
...auch 2015 ließ Rosberg den Champagner spritzen... (c) APA/EPA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
2016 fand Lewis Hamilton den schnellsten Weg durch das rot-weiß-rote Fahnenmeer, Pardon: Streckenlabyrinth (c) REUTERS (� Leonhard Foeger / Reuters)
Die Formel 1 in Österreich
Vertrag bis 2020 ausverhandelt
Mateschitz, der seit 1995 auf Formel-1-Autos für sein Produkt wirbt, bezahlt die Motorsportveranstaltung also selbst. Das Projekt sei kein einmaliges Event, sondern langfristig geplant – daher wurde die Vereinbarung bis 2020 abgeschlossen. Zusätzliche Sitzplätze stellen kein Problem dar, mehr als 50.000 Zuschauer fänden am Ring sicherlich Platz. Zwei überdachte Tribünen werden neu gebaut.
Mit der Formel 1 ist die Strecke trotz aller Veränderungen vertraut. Von 1997 bis 2003 fanden hier Rennen statt, doch nach dem Umbau, Streitereien und Umweltverträglichkeitsprüfungen herrschte lange Stillstand. Erst seit Mai 2011 sind DTM, Motorrad- und Lkw-Rennen wieder zu Gast. Nun kehrt auch die Königsklasse zurück.
Mit der Rückkehr der Königsklasse nach Österreich steigen Wertschöpfung und Steuereinnahmen, zu denen der F-1-Inhaber CVC einen ganz besonderen Zugang hat.
Sebastian Vettel gilt auch für den GP von Budapest als Favorit. Der Dreifach-Champion freut sich auch auf Spielberg. Bernie Ecclestone outet sich als Österreich-Fan.