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Biden will Indien wirtschaftlichen Öffnung verschreiben

Biden Indien
Biden Indien(c) REUTERS (VIVEK PRAKASH)
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Die USA wollten Indien als Gegenpol zu China aufbauen. Doch die drittgrößte Wirtschaftsmacht Asiens schwächelt.

Bangkok/Delhi. Dass sich der zweitmächtigste Mann der USA so viel Zeit für ein einziges Land nimmt, ist ungewöhnlich: Vier Tage wird Vizepräsident Joe Biden in Indien verbringen und damit die verstärkte Zuwendung der USA zu Asien unterstreichen.

Und die Agenda ist prall gefüllt. Ganz oben stehen die Wiederbelebung der politischen Beziehungen und die Wirtschaft. Bei einer Rede vor indischen Wirtschaftsführern sagte Biden am Mittwoch, der Handel, der derzeit etwa 100 Milliarden US-Dollar im Jahr ausmacht, solle sich in den kommenden Jahren verfünffachen. Hierfür solle Delhi ausländischen Konzernen den Zugang zum indischen Markt erleichtern. Darauf pochen die USA seit Langem. Bidens Botschaft an die versammelte Wirtschaftselite: „Es ist ein wenig so, wie meine Mutter immer sagte: Um gesund zu bleiben, muss man seine Medizin nehmen.“

In der Tat sieht Indien derzeit ein wenig angeschlagen aus. Noch vor wenigen Jahren wurde das Land als zweites China gehandelt. Vor allem die USA versuchen – einmal mehr, einmal weniger offen –, Indien als Gegenpol zu China aufzubauen. Das gilt insbesondere, seit US-Präsident Barack Obama ein verstärktes Engagement seines Landes in Asien ausgerufen hat. Nicht ohne Grund sagte Biden am Dienstag, als er sich in Delhi mit einigen der führenden Politiker des Landes traf, Indiens zunehmend ostwärts ausgerichtete Politik und der Schwenk der USA in Richtung Asien ergänzten sich.

 

Wachstum auf fünf Prozent abgestürzt

Doch die Tage zweistelligen Wachstums sind in Indien vorbei. Zwar ist das Land aufgrund seiner schieren Größe noch immer die drittgrößte Wirtschaftsmacht Asiens. Doch das Wachstum ist im vergangenen Jahr auf gerade einmal fünf Prozent abgestürzt. Die indische Rupie hat erst kürzlich einen historischen Tiefststand gegenüber dem Dollar erreicht. Ausländische Investitionen sind im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel eingebrochen.

Und gerade in Sachen Wirtschaft stehen die Dinge zwischen den USA und Indien nicht gut. Die USA sind über den laxen indischen Umgang mit Patenten – gerade im Bereich Pharmaindustrie – nicht erfreut. Auch im Waffengeschäft langt Indien, derzeit einer der größten Rüstungsimporteure der Welt, weitaus weniger bei US-Konzernen zu, als es Washington recht wäre.

 

Erhofftes Geschäft mit AKW blieb aus

Seit Jahren gibt es auch kaum Entwicklungen in Sachen Atomkraft. Der damalige US-Präsident, George W. Bush, hat 2008 gegen große Widerstände durchgedrückt, dass Indien, das rechtlich gesehen eine illegitime Atommacht ist, weltweit zivile Atomtechnologie und nuklearen Brennstoff einkaufen darf. US-Konzerne haben auf das ganz große Geschäft gehofft: Schließlich möchte Indien in den kommenden Jahren Dutzende Atommeiler bauen. Jedoch sieht die Rechtslage momentan so aus, dass Hersteller von AKW praktisch unbegrenzt haften müssen, falls es zu Unfällen kommt. Daher machen US-Konzerne, die solche Reaktoren liefern könnten, einen weiten Bogen um Indien.

Ein weiterer Knackpunkt ist Afghanistan. Zwar haben sich nach wochenlangem Gerangel die Regierungen in Kabul und Washington zur Unterzeichnung eines Abkommens durchgerungen, das den Verbleib einiger ausländischer Soldaten in Afghanistan auch nach dem geplanten großen Abzug regelt. Jedoch ist Delhi in Sorge, dass das Land dann wieder in weiten Teilen an die Taliban fallen könnte – und so unter stärkeren Einfluss Pakistans geraten würde. Seit Jahrzehnten kämpfen Delhi und Islamabad darum, wer in Afghanistan das Sagen hat. Biden versuchte, diese Sorge zu lindern: Die Beziehungen zwischen den USA und Indien seien „nicht nur entscheidend für die beiden Länder, sondern für die gesamte Region“, sagte er zu Indiens Präsident, Pranab Mukherjee: Für keine anderen Länder stehe so viel auf dem Spiel wie für die USA und Indien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2013)