Die US-Modemarke Abercrombie & Fitch stellt nur besonders gutaussehende Verkäufer ein. Firmenchef Mike Jeffries will so "schöne Menschen" anziehen.
Weil Abercrombie & Fitch bei der Auswahl seiner Verkäufer offenbar besonderen Wert auf gutes Aussehen legt, ist die bekannte US-Modemarke in Frankreich in das Visier einer Anti-Diskriminierungs-Behörde geraten. Das Label habe eine "ziemlich bizarre" Einstellungspolitik, sagte am Mittwoch ein Vertreter des sogenannten Rechte-Verteidigers Dominique Baudis und seiner Behörde. In dem Beschluss der Behörde, die Auswahl der Verkäufer durch Abercrombie & Fitch unter die Lupe zu nehmen, hießt es, die Rekrutierung scheine auf "diskriminierenden Kriterien, unter anderem dem Aussehen" zu beruhen.
Die Geschäfte der Modemarke sind bekannt dafür, dass dort gut aussehende Verkäufer arbeiten - manchmal auch mit freiem Oberkörper. Firmenchef Mike Jeffries sagte einmal, es würden "schöne Menschen" eingestellt, weil diese "andere schöne Menschen" anziehen würden. Auf seiner Internetseite spricht Abercrombie & Fitch, wie auch die Untermarke Hollister, nicht von Verkäufern, sondern von "Models".
Fusion von Model und Verkäufer
Bei dem so eingestellten Personal handle es sich aber "in Wirklichkeit um Models und Verkäufer zugleich", erklärte der Rechte-Verteidiger. Und während bei Models das Aussehen als Kriterium legitim sein könne, liege der Fall bei Verkäufern anders. Die Behörde hat bei Abercrombie & Fitch bereits eine Stellungnahme angefordert.
Der Rechte-Verteidiger bezeichnet eine seit 2008 in der französischen Verfassung verankerte und 2011 geschaffene Behörde sowie den Behördenleiter. Diese Art Ombudsmann ist unter anderem eine Anlaufstelle für Bürger, die mit staatlichen Stellen im Clinch liegen. Aufgaben sind aber auch die Bekämpfung der Diskriminierung und die Verteidigung von Kinderrechten.
Scharenweise muskulöse Männermodels oben ohne. So kennt man die US-Modekette "Abercrombie & Fitch". Rigoros wird die Markentingstrategie, die auf Sexappeal aufgebaut ist, aber nicht nur im Bezug auf Models verfolgt, sondern auch auf Kundenseite, was nun zu Protesten führte. (c) REUTERS (� Claro Cortes / Reuters)
In einem Interview 2006 mit Salon erklärte Firmenchef Mike Jeffries: "In jeder Schule gibt es coole und populäre Kinder und dann die nicht-so-coolen Kinder. Offen gestanden konzentrieren wir uns auf die coolen Kids. Wir verfolgen die attraktiven All-American-Kids mit einer großartigen Attitüde und vielen Freunden." (c) REUTERS (� Jeff Haynes / Reuters)
Und weiter: "Viele Menschen gehören nicht [in unsere Kleidung] und sie gehören nicht dazu. Ob wir damit jemanden ausschließen? Absolut."
Das Sexappeal-Image ist für den Geschäftsmann alles. "Darum engagieren wir gutaussehende Menschen in unseren Stores. Weil gutaussehende Menschen andere gutaussehende Menschen anziehen und wir wenden uns an die coolen, gutaussehenden Menschen. Wir vertreiben an keine anderen." (c) REUTERS (� Claro Cortes / Reuters)
Für Frauen wird deshalb nur bis Größe L produziert, für Männer aber bis Größe XXL. Schließlich sollen sich auch Footballspieler und Wrestler in der Mode von "Abercrombie & Fitch" zeigen. (c) REUTERS (� Stefano Rellandini / Reuters)
Autor Robin Lewis, der in seinem neuen Buch "New rules of retail" Marketingstrategien aufbereitet, kennt die Hintergründe. Im Interview mit der britischen Zeitung Business Insider erklärte er: "Jeffries möchte nicht, dass fülligere Personen in seinen Läden einkaufen, sondern nur dünne und schöne Menschen." (c) Reuters (BENOIT TESSIER)
Aufgrund dieser Aussage protestierten Teenager und Eltern vor einem Abercrombie & Fitch-Store in Chicago. Initiiert wurde der Protest von der 17-jährigen Schülerin Cali Lindstrom, die sich an Mario Rago vom Prevention Magazin gewendet hat. (c) REUTERS (FRED PROUSER)
"CEO Michael Jeffries hat eindeutig eine verzerrte Wahrnehmung dessen, was schön ist, wenn seine Firma keine Übergrößen verkauft", meint sie im Gespräch mit der Huffington Post. (c) REUTERS (� Shannon Stapleton / Reuters)
Und auch Maria Rago wollte mit dem Protest die Firma wachrütteln und dieses Konzept, das Mobbing verstärkt, ändern. (c) REUTERS (� Paolo Bona / Reuters)
"Es ist schwer genug für Teenager sich durch eine Kultur voll von unrealistischen Werbung zu navigieren die dazu führt, dass man mit seinem Selbstwertgefühl auf Kriegsfuß steht und Abercrombie & Fitch ihnen dann noch sagt, dass sie 'nicht cool' sind, weil sie dick sind. Das ist absolut beleidigend und schwer zu glauben, dass ein Geschäftsmann sein Publikum so entfremdet."
Hinzu kommt, dass Plus Size Mode längst kein Nischenmarkt mehr ist. 67 Prozent der Käufer passen schon in die "Plus Size"-Kleidergrößen. (c) REUTERS (� Shannon Stapleton / Reuters)
Ändern wird sich daran laut Robin Lewis aber nichts. "Abercrombie ist nur an Menschen mit Waschbrettbauch interessiert, die aussehen, als könnten sie jeden Moment auf ihr Surfboard springen."
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