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Literarischer Segeltörn

(c) EPA (AXEL HEIMKEN)
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Ulla Hahn, Hans-Ulrich Treichel, Leif Randt, Ulrike Draesner, Roger Willemsen und viele mehr erzählen Geschichten mit Salzwasser.

Vielleicht liegt es an dem Titel, den Herausgeber Jan Christophersen gewählt hat: „Ein extraherrlicher Meersommerabend“ (eine Wortfolge, die in der verspielt geschriebenen Geschichte von Ulla Hahn vorkommt) – da schwingt bereits einiges mit: blaue Stunde, sanfteres Licht, kühlere Luft. Der Abend am Meer hat immer auch etwas Melancholisches, schließlich neigt sich wieder ein wunderschöner Tag dem Ende zu. Auch die achtzehn Geschichten in dem Mare-Band haben Großteils etwas Melancholisches.

Es geht darin um die zarte Sehnsucht eines jungen Mannes nach einer viel älteren, sterbenskranken Frau. Es geht um ein junges, segelbegeistertes Paar, das, gerade frisch verliebt, verunglückt. Es geht um einen Schwimmer, der sich selbst bei Minusgraden in die Fluten der Ostsee wirft und sich trotz Eiseskälte am meisten um den einsamen Mann sorgt, der besessen im Sand nach etwas gräbt. In einem der berührendsten Texte reist ein älterer Herr nach Kanada, um erstmals seinen erwachsenen Sohn zu besuchen. Nur der Leser weiß, dass er nicht mehr lange leben, der Besuch ein Abschied wird.

Es sind Geschichten über das Stranden, das Ankommen und – natürlich – immer wieder über das Schwimmen. Das Meer ist, wie im Leben, einmal bedrohlich und im nächsten Moment wieder spiegelglatt und wunderschön. In manchen Texten spielt das Meer gar keine Rolle, dient nur als Kulisse im Kopf. Insgesamt kein Lesemuss, aber als kurzweilige Strandlektüre dient es allemal. awa

Jan Christophersen (Hrsg.): „Ein extraherrlicher Meersommerabend“, Mare, 320 S., 18,90 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2013)