Lewis Hamilton gewinnt zum vierten Mal den Grand Prix von Ungarn. WM-Leader Sebastian Vettel wurde hinter Kimi Räikkönen Dritter. Für Aufregung sorgt ein Transfergerücht: Alonso bietet sich Red Bull an.
Fernando Alonso wechselt von Ferrari zu Red Bull – als dieses Gerücht vor dem Start des Formel-1-Grand-Prix von Ungarn die Runde machte, spielte das Rennen kurzerhand keine Rolle mehr. Alonso und Vettel, das wäre eine Schlagerpaarung. Zwei Alphatiere und Weltmeister im gleichen Rennstall, das klang verrückt, eigentlich unvorstellbar. Zudem ist der Spanier doch noch bei Ferrari bis 2014 unter Vertrag, Red Bull müsste ihn also um viel Geld aus seinem Kontrakt herauskaufen.
Was zuerst als Spekulation abgehandelt wurde, erhielt später Gewicht. Alonsos Manager Luis García soll am Freitag Kontakt zu Teamchef Christian Horner aufgenommen haben. Der Brite reagierte auf Fragen anfangs zögerlich, bestätigte aber das Vorsprechen des Agenten. Ansonst ließ er sich nicht in die Karten blicken. „Tja, wir haben einen Platz frei. Alonso ist ein toller Fahrer, das ist Räikkönen aber auch. Ricciardo macht ebenfalls einen fantastischen Job. Wir werden also nichts übereilen.“
Red Bull statt Ferrari?
Warum aber sollte Alonso Ferrari verlassen? Bei der Scuderia ist er die unangefochtene Nummer eins, der 31-Jährige beteuerte auch zuletzt immer wieder, wie zufrieden er mit der Entwicklung und dem Fortschritt des Rennwagens sei.
An Red Bull gebe es kaum ein Vorbeikommen, das sagte zuletzt sogar der Brite Lewis Hamilton, der selbst einmal mit einem Engagement beim österreichisch-britischen Rennstall kokettiert hatte, aber seit seinem Wechsel von McLaren zu Mercedes ein Hoch erlebt. „Sie haben das beste Paket, ein tolles Team. Sie fahren auch in dieser Saison dem Titel entgegen.“ Daran dürften auch Hamiltons Pole-Position und sein Sieg in Budapest nichts ändern.
Das ist wohl auch der Grund für Alonso – er will den Titel gewinnen, mit Ferrari scheint es schwierig zu sein. Vonseiten der Italiener gab es dazu keinen Kommentar. Den Transfer zu Red Bull bereits abgeschrieben haben dürfte Kimi Räikkönen. Manager Steve Robertson bestätigte „vertiefte Gespräche“ mit Lotus.
Der Hamilton-Faktor
Dem Rennen drückte schließlich Hamilton seinen Stempel auf. Er nützte die Gunst der Hitzeschlacht (Temperaturen bis zu 65 Grad im Cockpit), um in dem vermeintlich unterlegenen Silberpfeil seinem vierten Sieg in Budapest entgegenzufahren. Hinter ihm lieferten sich Räikkönen und Vettel ein Duell um Platz zwei, das der Finne für sich entscheiden konnte. „Das war der Hamilton-Faktor“, jubelte Motorsportchef Toto Wolff. Hamilton, 28, habe das „Maximum“ herausgeholt. Für Hamilton war es der 22. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere, nach 2007, 2009 und 2012 der vierte in Ungarn und gleichzeitig sein Premierenerfolg für Mercedes.
Aber was genau ist er nun, dieser Hamilton-Faktor? „Es ist ihm ein besonderes Talent in die Wiege gelegt worden“, fügt Wolff hinzu. „Er ist fähig, das Auto auf einer Runde auf einem ganz schmalen Grat zu balancieren.“ Angst kenne der Weltmeister von 2008 nicht, sein Fokus ist zur rechten Zeit am rechten Ort. Wolff: „Er ist fähig, in diesem einen Moment das absolute Limit herauszuholen. Das können nicht viele.“
Der Blick auf die Statistik belegt es. Für Hamilton war es die dritte Pole-Position (die 30. seiner Karriere) in Serie, für sein Team die siebente im zehnten Saisonrennen. Der dritte Saisonsieg ist auch eine besondere Form der Selbstbestätigung für die Silberpfeile. Nach den anhaltenden Querelen um die Tests in Barcelona durften sie nicht wie alle anderen in Silverstone die neue Reifen testen. Auch galt der Mercedes als nicht „hitzebeständig“. Dies wurde nun eindrucksvoll widerlegt.
Ungarn – neuer Vertrag bis 2021
Der Ungarn-GP sorgte einmal mehr für Wohlgefallen. Daher war es für Bernie Ecclestone leicht, sein „Lieblingsrennen“ im Kalender zu behalten. Der Chefvermarkter und Ungarns Entwicklungsministerin Laszlone Nemeth unterschrieben eine fünfjährige Verlängerung des Vertrages, er ist bis 2021 gültig.
Der GP von Ungarn wird seit 1986 jedes Jahr ausgetragen. Am Sonntag strömten trotz großer Hitze mehr als 70.000 Fans auf den Ring. Am Dienstag wurde Spielbergs Rückkehr in den F1-Kalender von 2014 bis 2020 bekannt gegeben, im nächsten Jahr sollen auch Sotschi und der GP von New Jersey stattfinden. Geplant sind aber weiterhin nur 20 Rennen.
Ergebnis, GP von Budapest
1. Lewis Hamilton (GB) Mercedes 1:42:29,445
2. Kimi Räikkonen (FIN) Lotus 10,938 Sek. zurück
3. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 12,459
Weiters, 4. Webber (AUS) Red Bull 18,044 5. Alonso (ESP) Ferrari 31,411 6. Grosjean (FRA) Lotus 32,295 7. Button (GB) McLaren 53,819 8. Massa (BRA) Ferrari 56,447 9. Pérez (MEX) McLaren 10. Maldonado (VEN) Williams je 1 Runde.
Fahrer-WM: 1. Vettel 172 2. Raikkonen 134 3. Alonso 133 4. Hamilton 124 5. Webber 105.
Konstrukteurs-WM: 1. Red Bull 277 2. Mercedes 208 3. Ferrari 194 4. Lotus 183 5. Force India 59.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2013)