Leute, die der U-Bahn in Superzeitlupe nachlaufen

Leute UBahn Superzeitlupe nachlaufen
Leute UBahn Superzeitlupe nachlaufen(c) Clemens Fabry

„Bitte steigen Sie nicht mehr ein“: der lange Weg von der Rolltreppe bis zu den U-Bahn-Türen.

 

Vielleicht ist es Bosheit. Jener Moment nämlich, in dem man wünschte, eine „Universum“-Dokumentation drehen zu können. Dass man sich, ausgerüstet mit der neuesten Technik, auf die Lauer legen und beobachten könnte. Irgendwo auf dem Mittelstreifen des U3-Bahnsteigs in der Station Volkstheater würde man dann seine Highspeed-Kamera positionieren, die 1200 Frames pro Sekunde aufnehmen kann. Und das Objektiv auf all jene Menschen richten, die von der Rolltreppe kommend den kurzen Gang entlangzulaufen beginnen, um noch die U-Bahn zu erwischen, die gerade ihre Türen geöffnet hat.

In extremer Zeitlupe ließe sich dann beobachten, wie der Blick eines Menschen plötzlich starr wird, wie aus dem gemütlichen Stehen auf der Rolltreppe plötzlich in den Beschleunigungsmodus gewechselt wird. Wie er ein Bein vor das andere setzt, erst im schnellen Trab, dann im Galopp mit beiden Beinen in der Höhe. Wie in einem Computerspiel weicht der Laufende all den Entgegenkommenden aus, die aus der U-Bahn ausgestiegen sind und Richtung Ausgang strömen. „Bitte steigen Sie nicht mehr ein“, dröhnt es aus dem Lautsprecher. Noch gibt der Laufende nicht auf, hastet an der Rolltreppe vorbei, nur noch wenige Meter fehlen. Die Türen schließen. In diesem Moment zoomt die Kamera genau auf das Gesicht, fängt die rollenden Augen ein, den enttäuschten Blick. Vielleicht auch noch die flache Hand, die auf den bereits losfahrenden Zug schlägt. Ja, vielleicht ist es Bosheit, all die armen Läufer wie die Protagonisten einer Naturdokumentation zu betrachten. Und ja, vielleicht ist genau das der Grund, warum die Motivation, der U-Bahn nachzulaufen, ziemlich niedrig ist – vielleicht hatte ja auch schon jemand anderer die Idee mit der Highspeed-Kamera.

 

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