Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Star Wars: Das unendliche Märchen

Star Wars Celebration Europe in Essen.(c) Presse Digital
  • Drucken

20.000 Fans der Sci-Fi-Saga zelebrierten am Wochenende im deutschen Essen das Kult-Franchise. Ab 2015 wird eine weitere Kinotrilogie aus dem Boden gestampft.

Guten Morgen, nicht zu warm unter der Stormtrooper-Rüstung?“ – „Und selbst?“ Frühstücksgespräche wie dieses zwischen deutschen Mitgliedern der Fanvereinigung „501st Legion“ waren am vergangenen Wochenende in Essen keine Seltenheit. Die Faszination für die von George Lucas 1977 kreierte „Star Wars“-Kinosaga ist auch 36 Jahre später ungebrochen, die Breite der Zielgruppen scheint sogar noch gewachsen zu sein.

20.000 Anhänger des Fantasy-Märchens versammelten sich in Essen für die sogenannte „Star Wars Celebration“. Bei dieser Fanveranstaltung, die alle zwei Jahre stattfindet, trafen Fans der ersten Sternenkrieg-Stunde auf jugendliche und jüngste Aficionados. Schließlich wird das Star-Wars-Franchise permanent verlängert: Ob mit den drei Prequel-Filmen (1999–2005) oder kindgerechten Produkten, etwa der Zeichentrickserie „Clone Wars“ oder „Lego Star Wars“-Bausätzen. Für 115 Euro – so viel kostete ein Drei-Tages-Ticket – durften Besucher in den Geek-Himmel eintauchen, das Paradies für begeisterte Fans samt Kinovorführungen, Paneels und einer gigantischen Messe. Der Besuch einer Freiluftvorstellung von „Star Wars: Episode VI“ war indes kostenlos.

 

Kostspielige Devotionalien für Fans

Wer sich die Jedis, Sith Lords und Konsorten nicht nur in Form einer Actionfigur (Preis: zehn bis 200 Euro) nach Hause holen wollte, musste tiefer in die Tasche greifen: Für Autogramme von Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill oder von Antagonist Ian McDiarmid, berappten Gäste mehr als 100 Euro – die Garantie für ein gemeinsames Foto exklusive. Auch die spezifischen Kostüme lassen sich die frenetischen Anhänger einiges kosten: Ein imperialer Helm, die Kopfbedeckung des Stromtroopers, wird für 350 Euro verkauft. Für eine komplette Rüstung muss man mehr als 1000 Euro investieren.

Bevor das Fanfest seine Tore öffnete, standen die Star-Wars-Mimen den Medienvertretern Rede und Antwort. Der 61-jährige Mark Hamill, mittlerweile ein beliebter Synchronsprecher für Animationsserien und Videospiele, sowie Carrie Fisher – wenn man so will: die Headliner des Wochenendes – taten dies ganze sechs Minuten. Fisher, die einst als Prinzessin Leia junge Männerherzen eroberte, hat schwierige Zeiten hinter sich. Ihre Drogen- und Alkoholsucht hat sie in der Biografie „Wishful Drinking“ verarbeitet. Nach wie vor spielt sie mit ihrem Image. „War ich dort? Ich weiß es nicht mehr“, antwortet die 56-Jährige auf die Frage, ob sie sich an eine Convention erinnere.

Redefreudiger präsentierten sich Charaktere aus der zweiten Reihe wie Anthony Daniels (C-3PO), Warwick Davis (Wicket), Jeremy Bulloch (Boba Fett) und Peter Mayhew (Chewbacca). Letzterer bewundert „die Treue der Fans, die lieber zu Veranstaltungen wie dieser fahren und dafür auf einen echten Urlaub verzichten“. Der 2,21 Meter große Mime hatte nur mit großer Mühe – ihm steht eine Operation bevor – die Bühne betreten: „Star Wars hat mir ermöglicht, Plätze zu bereisen, die ich wohl nie gesehen hätte. Und ich habe eine Million Flugmeilen gesammelt.“ Anthony Daniels, der als Übersetzungsroboter in allen sechs Filmen mitwirkte, lebt auf den Celebration-Events nicht nur auf, sondern verdient sich dadurch auch seinen Lebensunterhalt. Das gilt ebenso für Bulloch: „Ich werde wöchentlich von Leuten angerufen, denen ich eine Rolle in den neuen „Star Wars“-Filmen beschaffen soll“, seufzt der Darsteller des populären Kopfgeldjägers.

Im Mai 2015 soll „Episode VII“ in den Kinos anlaufen, die erste von zumindest drei neuen unter der Obhut von Disney. Der Unterhaltungsriese hat im Vorjahr die Produktionsfirma Lucasfilm um 4,05 Milliarden Dollar gekauft. Informationen betreffend Besetzung und Story der Filme sind streng geheim. Auch Produzentin Kathleen Kennedy, die sich 1981 mit dem ersten „Indiana Jones“-Streifen ihre Sporen verdient hat, verrät während des Wochenendes wenig darüber. Ihr zufolge wird es „neben der Einführung von neuen Figuren ein Wiedersehen mit altbekannten Charakteren“ geben.

 

Neue Filmepisoden mit Harrison Ford?

Kennedy spielt damit auf die kolportierten (Cameo-)Auftritte von Mark Hamill, Carrie Fisher und Harrison Ford (Han Solo), der in Essen mit Abwesenheit glänzte, an. Alle drei Hauptdarsteller der originären Trilogie haben in jüngerer Vergangenheit ihr Interesse bekundet. Bestätigt ist hingegen seit Kurzem, dass John Williams, der einst den so charakteristischen Score komponierte, für die Filmmusik wieder zur Verfügung stehen wird. Mit der neuen Trilogie, chronologisch nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ angesetzt, ist noch lange nicht Schluss: Im Rahmen der Convention wurden erste Bilder einer weiteren Animationsserie („Rebels“) enthüllt. Darüber hinaus soll an Spin-off-Filmen gearbeitet werden. Ein Ende des (Disney-)Märchens ist nicht abzusehen. Die Macht ist mit diesem Franchise.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2013)

Mehr erfahren