Fed: Janet Yellen trifft die besten Prognosen

(c) EPA (FRANCK ROBICHON)

Teuerung, Wachstum, Arbeitslose: Kein Mitglied der US-Notenbank lag seit 2009 so oft richtig wie ihre mögliche nächste Präsidentin.

Washington. Bekommt die mächtigste Notenbank der Welt erstmals eine Chefin? Oder entscheidet sich Amerikas Präsident doch für den Kandidaten des Netzwerks der Citigroup als neuen Präsidenten des Federal Reserve Board? Die Anhänger der derzeitigen Fed-Vizepräsidentin, Janet Yellen, konnten am Montag auf dem Titelblatt des „Wall Street Journal“ ein starkes Argument für ihre Favoritin finden.

Yellen habe seit 2009 im Vergleich zu ihren Kollegen die künftige Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft am korrektesten vorausgesagt. „Die am wenigsten zutreffenden Prognosen kamen von den ,Falken‘, die befürchteten, dass die Politik der Fed eine steigende Inflation auslösen würde“, schreibt das „Wall Street Journal“, welches klar im Lager besagter „Falken“ ist.

Dieser Befund ist das Ergebnis einer Durchsicht von 700 öffentlichen Ansagen von 14 Mitgliedern der Fed in den Jahren von 2009 bis 2012. Die Zeitung wertete sie nach den Kategorien Arbeitslosigkeit, Wachstum und Inflation. Yellen habe in Summe „durchgehend Aussagen getroffen, die in die richtige Richtung gehen“, lautete das Resümee dieser Bewertung.

 

Niedrigste Inflation seit 1960

Generell schnitten die „Tauben“, also jene Fed-Mitglieder, die dafür sind, dass die Notenbank die Leitzinsen möglichst lange möglichst niedrig hält, um die Konjunktur in Schwung zu bringen, am besten ab. Die „Falken“, die nach der Argumentation des Nobelpreisträgers Milton Friedman Inflation einzig darauf zurückführen, wie viel Geld im Umlauf ist, haben sich dagegen blamiert. Im Dezember 2009 z.B. warnte Charles Plosser, Präsident der Federal Reserve Bank von Philadelphia, davor, dass „die Inflation wahrscheinlich auf ein Niveau steigen wird, das die meisten inakzeptabel finden würden“.

Nichts dergleichen geschah. In den zwölf Monaten seit April 2011 stieg Amerikas Kerninflationsrate (also ohne Treibstoff- und Lebensmittelpreise, auf deren Schwanken die Geldpolitik kaum Einfluss hat) um 1,1 Prozent. Das war der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1960.

„Tauben“ wie Yellen begründen dies damit, dass Arbeitslosigkeit und schwache Auslastung der Betriebe ein Steigen der Preise verhindern. Die Konjunktur sei noch immer zu angeschlagen, um den Arbeitsmarkt und die Nachfrage nach Gütern und Leistungen anzuspornen. Daher sei es geboten, erstens die Leitzinsen niedrig zu halten und zweitens mit dem Kauf von Anleihen im Wert von monatlich 85 Milliarden Dollar (64 Milliarden Euro) weiterzumachen.

 

Citigroups Einfluss auf Obama

Ob Yellens analytische Begabung den amerikanischen Präsidenten beeindruckt, ist fraglich. Im Herbst muss sich Barack Obama entscheiden. Er steht unter starkem Einfluss eines Klüngels gegenwärtiger und ehemaliger Banker der Citigroup. Robert Rubin, die graue Eminenz dieses Netzwerks, war nach seiner Zeit als Bill Clintons Finanzminister Citigroup-Vorsitzender. Rubin protegiert im Rennen um die Nachfolge von Ben Bernanke als Fed-Chef Larry Summers, seinen Nachfolger als Clintons Finanzminister. Der neue Finanzminister Jack Lew ist ebenso ein Citigroup-Mann wie Obamas Chefwirtschaftsberater Gene Sperling.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2013)