Der neue Direktor setzt einen Stern aufs Dach und lädt zum Diskutieren in die "Rote Bar" ein.
Alles rot, samtig, halbseiden: die abgenutzten Sessel; die mittig platzierte Tafel mit den lauschige Morbidität vermittelnden Kerzenständern; die neue Minibühne, die eine der früheren Barfronten ersetzt hat; die rot leuchtende, schlangenförmige Theke; und die Schiebetore: Sie trennen außerhalb der Vorstellungen die von der Straße aus direkt zugängliche "Rote Bar" samt Zugang von den Theater-Räumen ab. Damit wird aus der ehemals bloßen Pausenbar ein (ab 22 Uhr geöffnetes) unabhängiges Etablissement. Den versteckten Eingang verrät draußen eine Leuchtschrift im "Gürtel-Stil".
Theater müsse "auch ein Puff sein", und am liebsten wäre ihm, dass hier "Kinder gezeugt werden": Der neue Direktor Michael Schottenberg hat schon vor Wochen Neugier auf das Herzstück der architektonischen Veränderungen im Volkstheater geweckt. Dabei war das Rot - auch wenn es gleichfalls, nur knalliger, auf dem neuen Theater-Logo, dem fünfzackigen Stern am Theater-Dach prangt - nicht Programm, sondern Pragmatik: So stammt das gesamte Mobiliar der "Roten Bar" aus dem Theater-Fundus. Das eigentlich Sensationelle nicht nur am neuen "Puff" des Volkstheaters, sondern am gesamten Umbau ist nämlich das logistische Kunststück, welches das junge Architektenpaar Peter Achhorner und Kristof Jarder mit einem fast lächerlichen Budget - 450.000 Euro - vollbracht hat.
"Wir hatten sieben Wochen Bau-, drei Monate Planungszeit", erzählt Achhorner, "davon rund 300 Stunden allein Behörden-Kontakte" (und -Streitigkeiten, etwa mit den Wiener Linien wegen des neuen programmverkündenden Grafik-Displays auf dem U-Bahn-Eingang vor dem Theater). Das alte Bücher-Eck im Foyer ist jetzt eine Sektbar, dank der Versetzung der Akustik-Lamellen im Zuschauerraum gibt es neuen Raum, der mit Fauteuils und Tischen bestückt ist. Im Rauchsalon, hausintern in "Weißer Salon" umgetauft, sollen zum Beispiel Lesungen stattfinden. Der rote Stern auf dem Dach wird abends blinken. Pulsieren wird auch das rote Herz des "neuen Volkstheaters": Erstens natürlich als Pausentreff für die Theaterbesucher. Zweitens, nach und außerhalb der Vorstellungen, als Szene-Treff, nicht zuletzt für Publikum und Schauspieler. Und drittens als Veranstaltungsraum.
So viel Zweck auf so kleinem Raum: Das geht nur mit "IKEA"-Kreativität: Jeder Kubikzentimeter ist genutzt. Die Tischplatten und Beine der Tafel lassen sich in zwei Minuten unter der Treppe zur Minibühne verstauen. Die Theatergarderobe wird dank Vorhang im Nu zur Minigarderobe für den Barbetrieb, zugleich versteckt sie die Künstlertreppe zur Minibühne. Und wenn nebenan, auf der großen Bühne, der Vorhang gefallen ist, geht er hinter der Theke der "Roten Bar" auf: für das während der Vorstellungen nicht erlaubte Hochprozentige.