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"Befreiungsschlag" für schwule Priester

Der Papst ließ mit seinen Worten über Homosexuelle aufhorchen. Er beantwortete Journalistenfragen auf dem Rückweg von Brasilien.
Der Papst ließ mit seinen Worten über Homosexuelle aufhorchen. Er beantwortete Journalistenfragen auf dem Rückweg von Brasilien.(c) REUTERS
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Die Aktionsplattform "Wir sind Kirche" sieht eine Trendwende. Mit Franziskus schaue die Kirche wieder in die Zukunft.

Die Plattform "Wir sind Kirche" sieht einen "Befreiungsschlag" und eine Trendwende durch die jüngsten Aussagen von Papst Franziskus zum Thema Homosexuelle. Der Vorsitzende der Plattform in Österreich, Hans Peter Hurka, meinte, obwohl auch weiterhin keine kirchliche Segnung homosexueller Partnerschaften oder der Frauenpriesterinnenweihe aus den Aussagen des Heiligen Vaters direkt abgeleitet werden könne, sei es "wie die Umkehr am Absatz".

Der Standplatz "ist noch derselbe. Die Blickrichtung ist eine andere. Mit Franziskus schaut die Kirche wieder in die Zukunft, das gibt Hoffnung".

Veränderte Gesprächskultur

Deutschlands Katholiken zeigten sich ebenfalls zuversichtlich. "Der Papst ist dabei, die Gesprächskultur in der katholischen Kirche zu verändern", sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Im Hinblick auf die Lehre der Kirche habe der Papst nichts revolutionär Neues gesagt, betonte Glück. Aber Franziskus setze andere Akzente. "Dabei geht es nicht nur um Homosexuelle." Er thematisiere auch, dass die Ehe pastoral überarbeitet werden solle. "Das ist in Deutschland ein ganz heiß diskutiertes Thema bei den Menschen, die nach einer Scheidung wieder heiraten, deswegen nicht zu den Sakramenten zugelassen sind und sich von der Kirche abwenden", sagte der frühere CSU-Politiker.

Der 76-jährige Papst kehrte am Montag von seiner ersten Auslandsreise nach Brasilien in den Vatikan zurück. Im Flugzeug beantwortete er rund 80 Minuten lang Fragen mitreisender Journalisten. Dabei kündigte er auch weitere Reformen in der römischen Kurie und in der Vatikan-Skandalbank IOR an. Als großes Problem bezeichnete er die Vatileaks-Affäre um gestohlene Dokumente im Vatikan.

"Kann Befreiungsschlag sein"

Franziskus hatte betont, er wolle über Homosexuelle nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung urteilen. "Dies kann und muss ein Befreiungsschlag für alle Priester sein, die homosexuell sind und dies bisher verbergen mussten", sagte der Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche", Christian Weisner. Bisher hätten schwule Priester oftmals in Angst vor Erpressung oder in Angst vor kirchlichen Sanktionen leben müssen.

Obwohl sich der Papst für eine stärkere Einbindung der Frauen in der Kirche ausspreche, bleibe die "Tür geschlossen", was Frauen als Priester betrifft. Allerdings bezeichnete es Hurka als positiv, dass sich der neue Papst den Menschen zuwende. Er wolle "Frauen nicht auf die Rolle der Mutter reduzieren".

"Die Kirche ist dynamisch", sagt der Papst

Im brasilianischen Fernsehsender "Globo" hatte der Papst Geduld für den Reformprozess der Kirche eingemahnt. Es bedürfe noch mehrere Sitzungen, bevor man eine Reform bemerken werde. Manche in vergangenen Zeiten nützliche Dinge müssten neu geordnet werden. "Die Kirche ist dynamisch und reagiert auf die Dinge des Lebens."

Der Papst appellierte auch für eine schlichtere, einfachere und ärmere Kirche. Weiters müsse sich die katholische Kirche heute um mehr Nähe zu den Menschen bemühen. Die Kirche sei wie eine Mutter, die ihre Kinder liebe. "Wenn sie in tausend Dingen beschäftigt ist und nur noch Dokumente produziert, vernachlässigt sie das Mütterliche. Das ist dann wie eine Mutter, die mit ihren Kindern nur in Briefform kommuniziert."

Eine Verbesserung strebt Papst Franziskus auch im Dialog zwischen den Konfessionen an. Es sei weltweit eine "Kultur der Begegnung" notwendig, die "Nähe und das aus sich Herausgehen" beinhalte, um dadurch die großen Probleme der Gegenwart zu lösen. Die Konfessionen dürften sich untereinander nicht auf Kosten anderer streiten. Zuerst komme der Einsatz für andere, "erst dann sprechen wir über Glaubensthemen und suchen nach gegenseitigem Verständnis."

(APA)