Helmut Kohl verteidigt Aussage zu Türken

Helmut Kohl verteidigt Aussage
Helmut Kohl verteidigt Aussage(c) EPA (Michael Kappeler)

Der deutsche Altbundeskanzler bestätigt, dass er vor 30 Jahren forderte, die Zahl der in Deutschland lebenden Türken zu halbieren.

[BERLIN/APA/DPA] Der deutsche Altbundeskanzler Helmut Kohl hat seine 30 Jahre alten Äußerungen zu türkischen Migranten (DiePresse.com berichtete) verteidigt. Seine damalige Aussage, er wolle die Zahl der in Deutschland lebenden Türken halbieren, sei damals auch in Deutschland bereits „Teil einer hinreichend und breit geführten Debatte zur Ausländerpolitik“ gewesen, heißt in einer am Freitag von seinem Berliner Büro verbreiteten Erklärung.

„Spiegel Online“ hatte zuvor unter Berufung auf britische Geheimprotokolle berichtet, Kohl habe kurz nach seiner Amtsübernahme im Jahr 1982 die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken nach Hause schicken wollen. In einem Gespräch mit der damaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher habe er gesagt, es sei unmöglich, die Türken in ihrer gegenwärtigen Zahl zu assimilieren. Der Erklärung seines Büros zufolge ist Kohls damalige Position in dem britischen Papier korrekt wiedergegeben. Ob er auch heute noch zu seiner damaligen Meinung steht, blieb jedoch offen. „Herr Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl wird sich in der aktuellen Debatte nicht weiter äußern“, hieß es.

Zuwanderer in Deutschland reagierten auf die Enthüllungen gelassen. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, sagte der „Berliner Zeitung“: „Heute kann sich die politische Klasse so etwas nicht mehr leisten. Das ist ein Fortschritt.“

Zuspruch erhielt er hingegen von Berlins Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin. „Heute sind die Integrationsprobleme eines großen Teils der muslimischen Migranten in Europa zwar in aller Munde, werden aber von der Politik gerne weiter öffentlich geleugnet oder verniedlicht“, so der streitbare Sarrazin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2013)