Räumliche Flexibilität kann erblich sein

Raeumliche Flexibilitaet kann erblich
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In Wien soll eine neue Haustypologie der nächsten Generation Nutzungsoffenheit hinterlassen.

Was man erbt, kann man sich nicht aussuchen. Da kann man nur hoffen, dass etwas dabei ist, was man für sich gut nutzen kann. Die Gründerzeithäuser in Wien etwa, die picken sich die meisten aber gerne aus dem städtischen Nachlass, die Immobilienunternehmen genauso wie die Mieter. Denn: Die Räume, die Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurden, um die Welle der einströmenden Menschen zu schlucken, haben besondere Qualitäten hinterlassen. Etwa die Offenheit, was mit den Räumen später passiert, hoch und flexibel genug sind sie dafür. Im Gegensatz zu den meisten Raumressourcen, die gegenwärtig gebaut werden, die vererben hauptsächlich Kopfzerbrechen, weil sie die weitere Nutzung diktieren. „Das neue Stadthaus“ soll dagegen alles offen lassen, was in ihm passiert, welche Lebens- und Arbeitsstile dereinst in ihm einziehen werden. Als Forschungsprojekt an der TU, im Auftrag von IFA, Institut für Anlageberatung, begann die Arbeit an einem Prototypen, gemeinsam mit der Projektgemeinschaft raith nonconform Architektur. „Durch das neue Stadthaus soll Nutzungsoffenheit für die nächste Generation entstehen“, sagt Karen Ohrhallinger von nonconform Architektur. Statt den Menschen, die morgen in den Städten leben, schon heute vorzuschreiben, was sie mit den Immobilien anfangen sollen.

Lebensmodelle von morgen. Seit der Gründerzeit hat sich doch einiges verbessert, Arbeit und Leben auf durchschnittlich vier Quadratmeter pro Person waren doch recht enge Nachbarn, neben dem Kopfpolster stampften die Maschinen. Heute leben die Menschen auf durchschnittlich 40 Quadratmeter pro Kopf. Doch was sie mehr einengt, sind die unflexiblen Grundrisse etwa. „Das neue Stadthaus“ hingegen hat „innerhalb des Grundrisses keine tragenden Strukturen“, erzählt Architekt Erich Raith, der in einer Projektgemeinschaft mit nonconform das erste Exemplar der neuen Gebäudetypologie in Wien-Favoriten in der Jagdgasse realisiert. Die Raumhöhen werden 3 Meter betragen, im Sockelgeschoß sogar 4 Meter 80, das spendet großzügiges Raumgefühl und repräsentative Flächen für die wichtige Erdgeschoßzone. Alle möglichen Biographien, Lebensmodelle, Arbeitskonzepte und individuelle Wünsche sollen im „Neuen Stadthaus“ Platz finden.

Nutzungs- offen

Das Neue Stadthausist das Ergebnis eines Forschungsprojektes zum Thema „Die Stadt 2020“, das von der Projektgemeinschaft raith nonconform architektur vor ort gemeinsam mit der TU Wien, Fachbereich Städtebau, durchgeführt wurde.

www.ifa.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2013)

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