Warum die 40-Grad-Marke auch für Handyakkus wichtig ist, Eisverkäufer ein frühes Ende des Hochsommers herbeisehnen, und was Soldaten Polizisten bei Hitze voraushaben.
Wien. Es war eine kurze Pause, die Gewitter Sonntagnacht gebracht haben: Der Montag war, trotz sengender Hitze, wohl der kühlste Tag der Woche. Bis Donnerstag dürfte die Hitzewelle anhalten, im Osten sogar bis Freitag. Der Höhepunkt ist für Donnerstag angesetzt, dann könnte sogar der jüngste Hitzerekord von 39,9 Grad fallen: Das Kärntner Dellach (schon wieder!), das burgenländischen Andau oder das Marchfeld seien jene Orte, an denen es mehr als 40 Grad heiß werden könnte, prognostiziert der Wetterdienst Ubimet. Die 40er-Marke könnte aber auch in Wien erreicht werden. Warum sich stets dieselben Orte am stärksten aufheizen und Antworten auf andere Fragen, die nur die Hitze stellt:
1 Warum sinkt der Umsatz in Eissalons an den heißesten Tagen?
Man möchte meinen, Eisverkäufer gehörten zu den wenigen, die sich über jedes Grad mehr jenseits der 35er-Marke noch freuen. Aber der Umsatz der Wiener Eissalons sinkt an den heißesten Tagen. Am besten, heißt es etwa bei Bortolotti, laufe das Geschäft bei 20 bis 25 Grad. Da sind die Wiener unterwegs, freuen sich über die Sonne und genießen ein Eis. Dieser Tage ist die Stadt tagsüber leer, Eis wird vielleicht in den Bädern, nicht aber in Salons verkauft. Auch der Appetit auf Süßes schwindet mit der Hitze, und erst am Abend, wenn es langsam kühler wird, laufe das Geschäft wieder. Um den verlorenen Umsatz der heißen Stunden aufzuholen, reiche das aber nicht.
2 Wie viel Hitze halten Handys aus? Wer zahlt, wenn Akkus schmelzen?
Ob im Schwimmbad oder auf der Terrasse: Auch Handys sind dieser Tage der brütenden Hitze ausgesetzt. Dass technischen Geräten das nicht guttut, ist kein Geheimnis. Hitze betrifft in erster Linie den Akku. Wird dieser zu heiß, kommt es zu schnellerem Stromverbrauch, die Leistung des Akkus lässt nach, im Inneren entsteht ein Hitzestau. Bei aufgeheiztem Akku ist es am besten, das Handy auszuschalten und abkühlen zu lassen. Einige Smartphones schalten sich bei Überhitzung selbst aus. Besonders die prognostizierten 40 Grad plus sind für Handys kritisch: Rechtlich gesehen fällt dann ein Hitzeschaden nicht mehr unter die Gewährleistungspflicht.
3 Müssen Polizisten selbst bei 40 Grad lange Hosen tragen?
Neben Straßen- oder Bauarbeitern gehören sie zu jenen Menschen, die selbst der prallen Mittagshitze der Stadt nicht entkommen können. Aber für Polizisten auf Streife gibt es Anweisungen zur „Diensterleichterung“: Ab 25 Grad im Schatten dürfen sie kurze Ärmel tragen, alle drei Stunden im Außendienst gibt es dann eine halbe Stunde Pause extra. Lange Hosen und Kappen müssen aber sein. Beim Bundesheer geht es da lockerer zu: Ist es heiß, dürfen Soldaten – nach entsprechendem Befehl – das Oberteil ihrer Uniform mitunter ablegen.
4 Warum ist gerade Dellach immer wieder Hitzepol Österreichs?
Zum zweiten Mal seit 1983 wurden am Samstag in Dellach 39,9 Grad gemessen. Warum gerade dort die Temperatur immer wieder Rekordwerte erreicht, liegt an drei Faktoren: subtropische Temperaturen, staubtrockener Boden und wenig Luftvolumen. Da die kleine Gemeinde direkt im schmalen Drautal am Nordrand Kärntens liegt, ist das Luftvolumen sehr niedrig. Durch die West-Ost-Lage des Tals fällt kaum Schatten auf Dellach, so kommt es zur hohen Anzahl an Sonnenstunden.
Dass es im Süden und Osten Österreichs stets am heißesten ist, liegt im Burgenland an der geringen Meereshöhe, im höheren Kärnten an den engen Tälern und dem damit geringen Luftvolumen. Die südlichere Lage, erklären Meteorologen, mache innerhalb Österreichs kaum einen Unterschied.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2013)