Theater: Holocaust und Vogelgezwitscher

Vergangenheitsbewältigung light: "Liebe in dunklen Zeiten" von Joshua Sobol - uraufgeführt im Theater Drachengasse.

Zum Schluss Vogelgezwitscher, Familienidylle, Gute-Nacht-Geschichtchen: "Der eine Spatz hat den anderen . . . gefragt, wie die Nacht gewesen ist. Jetzt erzählt er ihm seinen seltsamen Traum . . ." Am Ende des Zweipersonen-Rührstücks "Liebe in dunklen Zeiten" ist dem Trauma der deutschen Journalistin Petra das "a" abhanden gekommen. Das verdankt sie der Begegnung mit der 78-jährigen Jüdin Anda Stein. Petra sucht in Israel nach der Wahrheit über ihren Vater, einen ehemaligen SS-Offizier - und findet heraus, dass er nicht nur das judenmordende Monster war, für das sie ihn hielt: Im Krieg hat er der jungen Anda, seiner Geliebten, das Leben gerettet.

Der israelische Erfolgsautor Joshua Sobol wird bald auch in Linz mit einer Uraufführung zum NS-Regime - "Augenzeuge. Der Fall Jägerstätter" - vertreten sein. In "Liebe in dunklen Zeiten" zeigt er Vergangenheitsbewältigung light: im Wohnzimmer, auf hartem Boden und weicher Couch, richtig behaglich zwischendurch. Alexandra Timmel überzeugt dabei drahtig-enerviert als wütende Nachgeborene, Christa Schwertsik als lebenserfahrene Ersatzmutti. Die spürbare Sympathie und wachsende Intimität der beiden sorgt für berührende Momente - teilweise trotz Regie (Günter Treptow): Die passt zum Stück - ein wenig plakativ, zu sehr in Richtung Psychologie-Stunde.

"Wichtig ist nur, was geschieht, wenn Menschen einander begegnen", sagt Anda. Das könnte für die Aufführung gelten. So viel Freundschaft verströmt am Ende Gemütlichkeit wie ein Märchenbuch oder eine US-Familien-Sitcom. Ende gut, alles gut, samt Holocaust? Schön wär's - schön war's. Im Theater.


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