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Haben syrische Rebellen Croissants verboten?

Haben syrische Rebellen Croissants
Symbolbild
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Internationale Medien berichten, ein religiöses Gericht in Aleppo habe das gebogene Backwerk als "unislamisch" identifiziert. Die Meldung könnte aber auch ein Fake sein.

Sie mögen harmlos wirken und einen durchschnittlichen Betrachter nur an ein wohlmundendes Frühstück denken lassen. Doch ein Scharia-Gericht im syrischen Aleppo soll nun Croissants - und damit auch Kipferl - als Feind identifiziert haben: Das Gericht habe die Speise per Fatwa - einem religiösen Rechtsgutachten - verboten. Mit der Begründung, Croissants verherrlichten den "europäischen Sieg über die Muslime". Was demnach gegen das gebogene Gebäck spricht: Es sei von den französischen Kolonialherren nach Syrien importiert worden. Und es sei ursprünglich - als Kipferl - von den Europäern erfunden worden, um die Abwehr der Osmanen zu feiern.

Die Meldung von der Anti-Kipferl-Fatwa ging um die Welt, nachdem der arabische Nachrichtensender al-Arabiya darüber berichtet hatte. Al Arabiya zitiert die Zeitung Asharq al-Awsat. Und die wiederum bezieht sich auf "soziale Medien". Für die Internet-Seite World Bulletin ist die Meldung ein Fake: Auf der Website des religiösen Kommittes von Aleppo oder auf anderen Homepages der syrischen Opposition finde sich nichts zu einem derartigen Rechtsgutachten.

"Rechtsprechung" nach Gutdünken

Das Gerücht vom "Croissant-Verbot" mag tatsächlich eine bizarre Erfindung sein. Zuletzt schossen in Syrien jedenfalls zahlreiche lokale Scharia-Gerichte aus dem Boden, in denen Angehörige kleiner Rebellengruppen nach ihren ganz eigenen Vorstellungen "Recht" sprechen - ohne jedoch über das nötige juristische oder religiöse Wissen zu verfügen. Dabei werden auch immer wieder Todesurteile gegen missliebige Personen verhängt.

In der heftig umkämpften Stadt Aleppo haben sich auf der Seite der Aufständischen auch extreme Gruppen festgesetzt, die der Terrororganisation al-Qaida nahestehen. Die Bevölkerung Aleppos gerät bei den Kämpfen immer wieder zwischen die Fronten und unter den Artillerie-Beschuss durch die Regime-Truppen. Die Nahrungsmittel werden knapp. Croissants sind wohl kaum noch zu erhalten - und auch nicht wirklich ein Thema.

(Red.)