Bis Freitag muss die Handelskette nicht nur konkrete Investoren präsentieren. Diese müssen auch eine Bankgarantie über 1,15 Millionen Euro vorweisen. Sonst wird Dayli geschlossen.
Wien. Seit mehr als zwei Monaten wird um die Zukunft der insolventen Handelskette Dayli gerungen. Immer wieder wurden mögliche Investoren in Aussicht gestellt und Fristen verlängert. Doch damit ist nun Schluss. Anfang der Woche informierte Masseverwalter Rudolf Mitterlehner das Unternehmen darüber, dass die neueste Berechnung der kurzfristigen Fortführung des Geschäftsbetriebs zu einem negativen Ergebnis geführt hat. Die Folge: Das Unternehmen müsse geschlossen werden, wie aus dem bereits erstellten „Antrag auf Schließung“ hervorgeht, der der „Presse“ vorliegt.
Die Vertreter von Dayli verwiesen in der Folge jedoch neuerdings auf Gespräche mit interessierten Investoren, heißt es in dem Antrag weiter. Diese sollten im Laufe dieser Woche zu einer Entscheidung kommen, ob sie in Dayli investieren wollen oder nicht. „Ein solcher Investor würde allerdings bis 16.8. 2013 benötigen, ein Konzept, dessen Finanzierung und den Beleg der Finanzierung vorzulegen.“
1,15 Mio. Verlust in einer Woche
Masseverwalter Mitterlehner gab Dayli daher eine allerletzte Frist. Bis heute, Donnerstag, müssen konkrete Investoren genannt werden. Diese müssen bis Freitag zwölf Uhr auch eine Bankgarantie über 1,15 Mio. Euro vorlegen. Der Betrag errechnet sich aus dem durch die Fortführung entstehendem Verlust zwischen 8. und 16.August, bis zu dem laut Dayli ein endgültiges Konzept vorliegen könne. Darüber hinaus müssen sich die Investoren aber auch verpflichten, jegliche Kosten, die über die errechneten 1,15 Mio. Euro anfallen, direkt oder per Bankgarantie zu decken. Bei Zuwiderhandlung gegen einen dieser Punkte werde Dayli sonst unverzüglich geschlossen. Die Information, ob ein Investor gefunden wurde, wolle er aber nicht vor Montag veröffentlichen, so Mitterlehner zur „Presse“.
Die Frist für Dayli läuft somit eine Woche früher ab als bisher geplant. Ende Juli wollte Mitterlehner dem Unternehmen noch bis Mitte August Zeit geben, um konkrete Investoren zu nennen. Die Zeit bis dahin sollte mit einer Rabattaktion finanziert werden. So verkauft Dayli seit Anfang August sämtliche noch vorhandenen Produkte mit minus 40 Prozent. Die erwarteten Einnahmen in Höhe von 3,5 Mio. Euro sollten die laufenden Kosten für Personal und Mieten decken, so der Plan.
Mit knapp 1,5 Mio. Euro wurde durch die Rabattaktion jedoch um rund 60 Prozent weniger Umsatz erzielt als von Dayli angenommen. Dieses Geld reicht laut den Berechnungen des Masseverwalters nicht aus, das Unternehmen kurzfristig fortzuführen, ohne weitere Schulden anzuhäufen. Daher müsse sich das Schicksal des Unternehmens noch in dieser Woche entscheiden.
Hoffnung auf frisches Geld
Von Dayli-Eigentümer Martin Zieger gab es dazu am Mittwoch keinen Kommentar. Er werde sich erst Freitagmittag mit einer Stellungnahme zu Wort melden, hieß es auf Anfrage der „Presse“. Dass er selbst Geld einschießen könne, wird von Gläubigervertretern nicht erwartet.
Dass sich nach den wochenlang hinziehenden Gesprächen nun schlussendlich doch noch ein Investor finden lässt, der die für eine Sanierung prognostizierten 40Mio. Euro investieren kann und will, dürfte jedoch eher fraglich sein. „Es gibt allerdings Interessenten, die das Unternehmen komplett kaufen wollen“, sagt Mitterlehner. Dies wäre jedoch erst im Rahmen der Verwertung möglich, nachdem Dayli am Freitag geschlossen wird.
Die verbliebenen 2200 Mitarbeiter wurden daher bereits Ende Juli vorsorglich beim AMS zur Kündigung angemeldet. 1261 Mitarbeiter verloren bereits im Juli ihren Job.
Auf einen Blick
Bis Freitag zwölf Uhr muss die insolvente Handelskette Dayli einen Investor präsentieren, der eine Bankgarantie über 1,15 Mio. Euro vorlegt. Sonst beantragt Masseverwalter Rudolf Mitterlehner die Schließung des Unternehmens. Dayli hofft weiterhin auf externe Investoren. Diese müssten für eine Sanierung jedoch rund 40 Mio. Euro lockermachen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2013)