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Vorarlberg: US-Team sucht "Nazi-Schatz"

Vorarlberg: US-Schatzsucher suchen
Symbolbild - GoldbarrenEPA
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SS-Männer sollen 1945 vier Kisten mit Goldbarren und Juwelen am Ufer des Lünersees vergraben haben. Die Firma "Global Explorations" will Ende August mit der Suche beginnen.

Ein Team von Schatzsuchern will ab Ende August am Lünersee in Vorarlberg nach "Nazi-Gold" suchen. Das Projekt wird von der Firma "Global Explorations" des US-Amerikaners Norman Scott betrieben, berichten die "Vorarlberger Nachrichten".

SS-Männer aus dem Konzentrationslager Dachau sollen 1945 in den letzten Tages des Zweiten Weltkrieges Juwelen, seltene Briefmarken und Goldbarren - allesamt geraubte Güter von KZ-Häftlingen - in vier Munitionskisten gepackt haben. Diese schafften sie, so heißt es, über München und den Arlbergpass bis an den 1970 Meter hoch gelegenen Lünersee unterhalb der Schesaplana (2965 Meter). Dort vergruben die Männer die Kisten und flohen mit dem Plan, sich den Schatz in einigen Jahren zu holen.

Diese Geschichte soll einer der angeblichen Beteiligten, ein zum Tode verurteilter SS-Mann, dem Arzt Wilhelm Gross erzählt haben. Gross berichtete das dem US-Geheimdienstmann Edward G. Greger weiter, gemeinsam wollten sie den Schatz heben. Doch Gross soll bald darauf auf geheimnisvolle Art verschwunden sein. Greger schrieb ein Buch über das "Nazi-Gold".

Grundeigentümer erlauben Schatzsuche

1956 errichteten die Illwerke einen Staudamm an dem See. Der Wasserspiegel stieg deutlich, die Ufer wurden geflutet.

2010 stellte Scotts Team eine erste Anfrage an die Illwerke als Grundeigentümer. Diese gaben ihre Zustimmung, wie Christof Burtscher von der Kommunikationsabteilung des Energieversorgers am Donnerstag erklärte. Man habe die Schatzsucher darauf hingewiesen, dasss auch eine Bewilligung des Bundesdenkmalamts nötig sei und dass eine Reihe von Auflagen einzuhalten seien - so darf etwa nur händisch gegraben werden. Außerdem habe man die Schatzsucher darauf hingewiesen, dass nach österreichischem Recht Funde je zur Hälfte dem Grundeigentümer und dem Finder gehörten. Die Hälfte der Illwerke würde jedenfalls an Holocaust-Opfer gehen, betonte Burtscher.

2011 wurde dann eine erste Suche im felsigen Untergrund  aufgrund ungeeigneter Geräte abgebrochen. Nun sieht Scott offenbar seine Chance gekommen: Wegen Instandhaltungsarbeiten wurde das Wasser des Lünersees abgesenkt. Scotts Team hat sich daher bei den Illwerken für Ende August/ Anfang September angekündigt. "An der tiefsten Stelle misst der See aber noch immer 50 Meter", erklärte Burtscher. Zudem beginne man langsam wieder damit, den See zu befüllen. Das Zeitfenster für eine Suche wäre also klein.

Außerdem fehlt noch eine Bewilligung des Bundesdenkmalamts. Man habe noch keinen entsprechenden Antrag erhalten, sagte Bernhard Hebert, Leiter der Abteilung Archäologie des Amts. Nötig seien dazu unter anderem eine genaue Projektbeschreibung, und das Ansuchen müsse von einem Archäologen kommen, der das Projekt begleite. Es sei "schwer vorstellbar, dass bis dahin alles geklärt sein wird", so Hebert. Im Fall eines Fundes sieht Hebert jedenfalls viele Probleme: "Wenn das Güter sind, die Häftlingen im KZ abgenommen wurden, gibt es Rechtsnachfolger - das dürfte eine ziemlich verzwickte Angelegenheit werden."

Scotts Team hatte übrigens vor einigen Jahren bereits den Toplitzsee erfolglos nach Schätzen abgesucht.

(APA)