Der Hyundai Genesis ist hierzulande so exklusiv wie ein Aston Martin. Das ist keineswegs gewollt, und auch nicht wirklich verdient. Aber doch auch verständlich.
Im vergangenen Jahr weilte man in einem Hyundai Genesis Coupé ebenso exklusiv wie in einem Aston Martin, der im Schnitt das Vier-, eher das Fünffache oder mehr kostet: Exakt jeweils zehn Exemplare wurden laut Zulassungsstatistik bei uns zum Verkehr angemeldet. Nachdem der Genesis im Frühjahr ein optisches Facelift und ein technisches Update bekommen hat, man gemeinhin also vom neuen Modell spricht, mag der Verkauf in diesem Jahr zulegen, ein seltener Anblick auf unseren Straßen wird er dennoch bleiben. Das hat seine Gründe.
Um es gleich vorwegzunehmen: Das Auto kann am wenigsten dafür. Hyundai weiß, dass man in dieser Kategorie – namentlich des lustbetonten Sportcoupés – unter strenger Beobachtung steht und sich leicht blamieren kann.
Mit einem Lächeln
Wie sich der koreanische Hersteller insgesamt und all seine Modelle über die Jahre gemausert haben, so war schon das ausgelaufene Genesis Coupé durchaus eine Überraschung: ein Auto, dem man sich skeptisch näherte, und das man mit einem Lächeln wieder verließ.
Und das man freilich nie im Leben kaufen würde. Für einen Hyundai zahlt man einfach keine Summe, für die man einen Porsche 911 (oder zumindest Boxster) aus zweiter Hand bekäme. Man würde ja doch nur als Möchtegern dastehen, geradezu peinlich würden viele die Idee eines aufgebrezelten Hyundai finden.
Was sind die Fakten? Auch das neue Genesis Coupé gibt es wahlweise mit 2,0-Liter-Turbo (275 PS) und 3,8-Liter-V6. Wir hatten das Vergnügen in Letzterem, mit nicht weniger als 347 PS und Achtgang-Automatik. Das soll ein Hyundai sein, die Marke des rein Kosten-Nutzen-orientierten Smart Buyers? Rechnete man streng PS pro Euro, würde die Rechnung sogar stimmen. Ein Motor dieser Größe, der bei uns zugegebenermaßen als schwer vermittelbar gilt, ist nirgendwo sonst um das Geld zu bekommen. (Nachdem sich Hyundai dem Trend zum Downsizing verwehrt, bekommt der V6-Genesis für 10,0 Liter laut Normverbrauch prompt 14 Prozent NoVA umgehängt.) Das Gefühl im Auto selbst ist merkwürdig. Man spürt, dass man im Straßengeschehen nicht für voll genommen wird.
Durchaus Substanz
Der Genesis sieht schnell aus, ist aber kein Porsche und kein BMW. Nur ein Hyundai. 50.000 Euro, wie erklärt man das den Nachbarn? Es hilft wenig, dass durchaus Substanz vorhanden ist. Das Coupé sieht irritierend gut aus. (Irritierend aber auch deshalb, weil es ein wenig zu glatt und anonym geraten ist. Der Hersteller hat keine Ahnenfolge vorzuweisen, an die man anknüpfen könnte.)
Die Ausstattung ist komplett. Das Türgeräusch etwas blechern. Die Lenkung schwergängig: Sportwagen-Mimikry. Der Innenraum ist für ein Coupé einigermaßen geräumig, hinten könnten zur Not zwei Erwachsene eine Zeit lang sitzen. Das ESP lässt sich zweistufig deaktivieren, so kann man bei jeder Drift-Meisterschaft antreten. Der Motor vermag erst bei hohen Drehzahlen zu beißen. Zur Ehrenrettung: Im Rennstreckentest des Fachmagazins „Sport Auto“ ließ der Genesis einen gleich starken und viel teureren BMW Z4 stehen.
Auf einen Blick
Hyundai Genesis Coupé 3.8 AT
Maße: L/B/H: 4630/1865/1385 mm. Radstand: 2820 mm. Leergewicht: 1566 kg. Heckantrieb.
Motor: V6-Otto, 3778 ccm. 255 kW (347 PS) bei 6400 /min, 400 Nm bei 5300/min. Achtgang-Autom.
0–100 in 6,0 sec., Vmax 240 km/h.
Testverbrauch 12,0 l/100 km.
Preis: 49.990 Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2013)