UniCredit

Bank Austria baut wieder um

Robert Zadrazil UniCredit Bank Austria (Archivbild).
Robert Zadrazil UniCredit Bank Austria (Archivbild). Michael Indra via www.imago-images.de
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Diesmal sind der Technik-Bereich und das Beschaffungswesen betroffen. Die
Betriebsräte befürchten einen Jobabbau und schickten eine Resolution an den Vorstand, Verhandlungen folgen.

Die Belegschaft der Bank Austria kommt nicht zur Ruhe. Bei der Österreich-Tochter der italienischen UniCredit steht erneut ein organisatorischer Umbau an - diesmal sind die Bereiche Technik sowie Beschaffungswesen betroffen, wie „Der Standard“ (Montagsausgabe) berichtet. Der Betriebsrat sei lange nicht in die Pläne eingebunden worden und befürchte Stellenstreichungen. Die Arbeitnehmervertreter hätten sich in einer „geharnischten Resolution“ an den Vorstand gewandt.

Die Pläne des Managements, in der Bank Austria Umstrukturierungen beziehungsweise Verlagerungen im Bereich des Einkaufs und bei der Unicredit Services GmbH vorzunehmen, hätten zu einer heftigen Reaktion aller Betriebsräte der Unicredit-Tochter geführt, so die Zeitung. Sie warnten vor „mutmaßlich massiven Auswirkungen“ auf die Belegschaft.

Von den geplanten Umstrukturierungen der italienischen Mutter beziehungsweise des Managements der Bank Austria unter Robert Zadrazil sollen vor allem der Einkauf („Procurement“) der Bank Austria und die Service-Tochter Unicredit Services GmbH (UCS) betroffen sein. Der Einkauf könnte völlig umorganisiert und nach Mailand verlagert werden, ist der Zeitung zufolge aus der Bank zu hören. Die UCS könnte aufgedröselt werden, ein Teil ihrer Aufgaben in die Bank Austria, ein anderer nach Italien wandern.

Die UCS ist eine Tochter der Mailänder Unicredit Services und kümmert sich unter anderem um die IT- und Kommunikationslösungen des Instituts. Es gehe bei alldem um Standortfragen - viele Aufgaben werden ohnedies bereits im Ausland erledigt, ein IT-Center gibt es etwa in Rumänien - und auch um „neue Rollenbilder“ für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Dem Zeitungsbericht zufolge hatte die UCS - 2021 - ein negatives Eigenkapital von 7,3 Millionen Euro. Es sei aber keine Überschuldung im insolvenzrechtlichen Sinne vorgelegen. Die UCS-Mutter habe Patronatserklärungen von bis zu 150 Millionen Euro gegenüber der Bank Austria abgegeben - sie sorge also dafür, dass die UCS ihren Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen könne.

Bereits erfolgte Verlagerungen in der Bank hätten teils „zu komplexeren und teureren Strukturen geführt“, gibt indes die Belegschaftsvertretung zu bedenken. Das Institut biete Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer wieder Trennungspakete samt einer Art Abschlagszahlung an, das jüngste Programm läuft unter dem Namen „Front-Loading“.

Belegschaft lange nicht informiert

Aus dem Geschäftsbericht 2022 geht dem „Standard“ zufolge hervor, dass für den bis 2024 beschlossenen Strategieplan „Unicredit unlocked“ 280 Millionen Euro rückgestellt wurden: Es gehe da um die Vorsorge für die Aufwendungen, die „für den vorzeitigen Austritt (von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Anm.) auf freiwilliger Basis mit Überbrückungshilfe bis zum Erreichen des gesetzlichen Pensionsalters“ nötig seien.

Die Belegschaftsvertreter der Bank Austria seien von den jüngsten Umstrukturierungsplänen jedenfalls lange nicht informiert und hätten sich daher im Juni mit einer Resolution an Bank-Austria-Chef Zadrazil, die im Vorstand für „People and Culture“ zuständige Georgiana Lazar und den für den Geschäftsbetrieb zuständigen COO, Emilio Manca, gewendet. Absender sind laut Zeitung die Vorsitzenden aller Betriebsräte der diversen Banktöchter und der Bank Austria selbst.

In der Resolution heiße es, man spreche sich entschieden dagegen aus, dass in Österreich Arbeitsplätze „überschießend und permanent abgebaut und in andere Länder oder an andere Unternehmen aufgrund von Kosteneinsparungen verlagert werden“. Bereits erfolgte Verlagerungen zeigten, dass diese „bei weitem nicht immer erfolgreich“ seien und, „im Gegenteil, zu komplexeren und aufwendigen und teureren Strukturen“ geführt hätten.

Die Betriebsräte gehen davon aus, dass die „avisierten Umstrukturierungen, insbesondere der Tätigkeitsverlagerungen im Procurement“, aber auch „im Tech-Bereich“ in Österreich „mutmaßlich massive Auswirkungen auf die Mitarbeiter“ haben werden und auf die von ihnen erbrachten Dienstleistungen für die Bank. Der Vorstand möge die geplante Umstrukturierung „qualitativ und in aller Tiefe evaluieren“ und Verlagerungen beziehungsweise Zentralisierungen überdenken - nicht nur im Sinne der Beleg- und Kundschaft, sondern auch mit Blick auf das Rekordergebnis der Bank. Diese habe ihren Gewinn im ersten Halbjahr fast verdoppelt, das Vorjahr hätte ein Rekordergebnis gebracht.

In der Resolution gefordert werden der Erhalt und Ausbau dieser „qualitativ hochwertigen“ Arbeitsplätze in Wien und Österreich sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Inzwischen habe der Vorstand reagiert, es gebe Gespräche mit den Betriebsräten, so „Der Standard“. Die Bank suche „ständig nach Möglichkeiten, ihre Prozesse und Arbeitsabläufe weiter zu optimieren und zu verbessern, so die Bank Austria laut Zeitung zu den geplanten Umstrukturierungen und dem Protest der Betriebsräte. Im Mittelpunkt stehe dabei immer ein “enger und konstruktiver Dialog mit unseren Arbeitnehmervertreterinnen, um sicherzustellen, dass alle getroffenen Entscheidungen effektiv und für alle Beteiligten tragbar sind„. Eine Entscheidung, wie es nun mit dem Einkauf und in der Unicredit Services GmbH weitergehen wird, soll demnächst fallen. (APA)

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