Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Nicht umsonst ein Königskraut

Basilikum
BasilikumUte Woltron
  • Drucken

Basilikum. Zwischenzeitlich hat sich herumgesprochen, dass es Basilikum in zahllosen Sorten gibt, doch erst wenige kennen das heilige Kraut unter ihnen: das von Hindus verehrte Tulsi.

In mancher Hinsicht war Österreich vor noch nicht allzu langer Zeit ein Entwicklungsland. Nicht, dass in allen Belangen mittlerweile gelernt wurde, was zu lernen wäre – denn vor allem das Lehren selbst scheint in diesem schönen Land eines der am schwierigsten zu bewältigenden Probleme zu sein. Doch die Vorwahlzeit lehrt uns, vieles im rosigen Schillerlicht optimistischer Weltvergessenheit zu betrachten. So darf beispielsweise die nur geringe Verschlechterung der Leseleistung der Volksschüler in den vergangenen Jahren begrüßt werden: Dank fürsorglicher Bemühung der Volksschullehrerschaft gelingt es immerhin, drei von vier Kindern das sinnerfassende Lesen beizubringen. Es könnten ja auch noch ein paar Prozent weniger sein!

Gesellschaftspolitisch nicht relevant, doch kulinarisch umso erfreulicher ist die privatgärtnerische Aufholjagd in Sachen Kräuterkunde. Wir wechseln jetzt nämlich sicherheitshalber das Thema, um des besagten Optimismus nicht verlustig zu gehen. Also Kräuter: Insbesondere das noch vor wenigen Jahrzehnten hierzulande kaum je gezogene Basilikum ist in der Gunst der Balkon- und Küchengärtner gestiegen. Auch hat sich herumgesprochen, dass Basilikum nicht gleich Basilikum ist, sondern in zahllosen Sorten zur Verfügung steht, die große Geschmacks- und Aromaunterschiede aufweisen.

Das Basilikum ist ohne Zweifel eines der allerbesten Kräuter: Hocharomatisch, vielfach verwendbar, in Topf und Garten ein Wucherant besonderer Güte. Es trägt Blüten, die von den Bienen besonders geschätzt werden. Es ist schön. Es ist einfach zu ziehen. Deshalb heißt es auch Königskraut: Basilikum leitet sich vom altgriechischen Basileus ab. Waren die großblättrigen italienischen Sorten in der jüngeren Vergangenheit eine Art Einstiegsdroge, so hat nun eine deutliche Diversifizierung im Kräuterbeet stattgefunden, denn es gibt viele Alternativen: Sorten mit lila Blättern und Anisgeschmack, das feine Zitronenbasilikum, das besonders gute Thaibasilikum, das französische, das russische, das griechische Basilikum und zig andere. Jedes ein Geschmackserlebnis mit persönlicher Note.

 

Tulsi: Süßer als andere Sorten

Doch eines, das hierzulande noch fast unbekannt geblieben ist, stammt aus Indien und heißt Tulsi: das heilige Basilikum Ocimum Sanctum. Das wird von den Hindus verehrt, ist in jedem indischen Vorgärtchen und Hof zu finden und soll die Gegenwart des Göttlichen, des Glücks und der Harmonie verkörpern. Das Tulsi ist – und das ist ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen Basilikumarten – ein Strauchbasilikum. Das bedeutet, dass es mehrjährig ist und winters tadellos im Topf auf der Fensterbank weiterleben kann. Es schmeckt süßer als alle anderen Sorten und eignet sich daher ausgezeichnet für die Verfeinerung von Naschereien wie Milchreis und Apfelauflauf.

 

Viel Licht, viel Wasser, viel Wärme

Das Tulsi ist in der Tat eine Besonderheit. Wer mit den Händen zärtlich über den wuscheligen kleinen Strauch streift, wird mit einem Duftschwall belohnt. Besonders an warmen Tagen verströmt die ganze Pflanze ein bezauberndes Aroma. Das macht sie sehr sympathisch für Balkone und andere gemütliche Orte, an denen man sich gern zum Zwecke des Müßiggangs aufhält.

Alle Basilikumsorten und -arten brauchen drei Zutaten, um zu gedeihen und Aroma zu entwickeln: viel Licht, jedoch keine pralle Mittagssonne, erstaunliche Mengen Wasser und ausreichend Dünger und so viel Wärme, wie die Pflanzen nur kriegen können. Bei Temperaturen unter zwölf Grad stellt das Basilikum das Wachstum ein. Apropos: Wer es bis jetzt noch nicht versucht hat, sollte sich neben den einjährigen Sorten auch das eine oder andere Strauchbasilikum zulegen. Die Pflanzen werden ziemlich groß und können praktischerweise einige Jahre alt werden, wenn man sie regelmäßig schneidet. Immer knapp über einer Blattachsel, denn dort verzweigt sich die Pflanze wieder. Sollte sie dünn und kraftlos werden, steckt man einfach einen abgeschnittenen Zweig in die Erde und zieht daraus eine neue Pflanze. Wer Basilikum aus Samen anbauen will, muss beachten, dass die Pflanzen Lichtkeimer sind, also Samen nur aufstreuen und nicht mit Erde bedecken.

Das einjährige Basilikum muss, um buschig und dicht zu bleiben, ebenfalls regelmäßig geschnitten werden. Das bedauern zwar die Bienen, die dadurch einer ihrer Blütenlieblingsspeisen verlustig gehen, doch wir sind schließlich auch noch da.

Aus einer Gärtnerei

Ein reichhaltiges Sortiment von Basilikum – in Form von Samen, aber auch Pflanzen – bietet der deutsche Kräuterexperte Daniel Rühlemann. An die 70 Varietäten hat er in seiner zwischen Hamburg und Bremen gelegenen Kräuter- und Duftpflanzengärtnerei zusammengetragen. Beachtlich auch das restliche Sortiment: www.kraeuter-und-duftpflanzen.de

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2013)