Die Zeiten von „Emergency Room“ und Co. sind vorbei, glaubt Sky-Filmchef Ammon. Fantasy-Stoffe sind weiter gefragt.
Nur echte Serienjunkies wissen, wovon bei „GoT“ oder „HoC“ die Rede ist. Es sind die Abkürzungen der Serien „Game of Thrones“ oder „House of Cards“. Nun drängt eine neue Buchstabenkombination auf den Serienmarkt: „TWQ“ steht für „The White Queen“, die Verfilmung der historischen Romane von Philippa Gregory, die auf wahren Begebenheiten rund um die im 15. Jh. lebende Elizabeth Woodville (gespielt von Rebecca Ferguson) basiert.
Die Geschichte erinnert entfernt an Romeo und Julia, stehen im Mittelpunkt doch die zwei Geschlechter House of York und House of Lancaster. Woodville, in erster Ehe mit einem Lancaster verheiratet, ehelicht nach dessen Tod heimlich King Edward IV. vom verfeindeten York-Clan und wird zur „White Queen“. Marcus Ammon, Programmchef des Pay-TV-Senders Sky, entschied sich für die britische Produktion, die seit Juni auf BBC One läuft. Man will damit offenkundig an den Erfolg der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ anknüpfen. Auch wenn „The White Queen“ das inhaltliche Niveau von „GoT“ nicht halten kann, ist es dank der historischen Bezüge deutlich realistischer und weniger blutrünstig. Ammon glaubt, sie sei damit also „deutlich weiblicher“.
Sky konzentriert sich seit einiger Zeit besonders stark auf Serien; in zwei, drei Jahren will man – ähnlich wie Konkurrent Turner mit „Add a friend“ – die erste eigenproduzierte, deutschsprachige oder paneuropäische Serie zeigen. Größter Erfolg bisher war bei Weitem „Game of Thrones“ mit über einer Million Zugriffe auf den On-Demand-Plattformen des Senders.
Wichtigster Partner für Sky ist der US-Pay-TV-Sender HBO, der mit den „Sopranos“, „Sex and The City“ und „The Wire“ groß wurde und derzeit „Boardwalk Empire“, „Girls“ oder „Newsroom“ produziert. Da die aktuellen Serien so erfolgreich sind, startet HBO in dieser Saison kaum neue.
Seher, die sich im Free-TV nicht wohlfühlen
Weiterer wichtiger Partner für Sky ist die On-Demand-Plattform Netflix, die 2013 mit der Politintrige „House of Cards“ in die Eigenproduktion eingestiegen ist. Sollte sich Netflix entschließen, in den deutschsprachigen Markt einzusteigen, wird es Sky als Seriendistributeur nicht mehr brauchen. Noch aber zeigt Sky Netflix-Produktionen wie „House of Cards“, eine Serie, die es, wie Ammon vermutet, bei kommerziellen Sendern schwer hätte, „weil sie zu kompliziert und vielschichtig ist“. Sky will sich so von den Mitbewerbern absetzen: „Wir finden es wichtig, kleinere Zielgruppen zu bedienen, die sich im Free-TV nicht mehr aufgehoben fühlen, weil ihre Lieblingsserien im Nachtprogramm verschwinden.“ Einen Wandel bemerkt Ammon in der Serienwelt: „Genres wie das Medical Drama (,Emergency Room‘, ,Grey's Anatomy‘) oder Gerichtssaalserien machen momentan eine Pause.“ Ungebrochen sei aber das Interesse an History- und Fantasy-Serien – und blutrünstigen Vampir-Science-Fiction-Plots à la „True Blood“.
„The White Queen“, ab 19.8. auf Sky Anytime, alle zehn Episoden zeitgleich, ab 30.9. auf Sky Atlantic HD Deutsch und Englisch.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2013)