Cold Wave à la française: Mathieu Peudupin, geb. 1978, sang erst bei der Band Asyl, nun nennt er sich Lescop. Auf seinem Album sind auch Songs über Tokio, Paris und Los Angeles.
„Ljubljana“. Es ist schon seltsam mit dem französischen Pop: Er ist oft auf eine rührende Art anachronistisch, unschuldig retro sozusagen. Dieser Herr mit dem streng existenzialistischen Gesichtsausdruck z.B. träumt die düsteren Träume des Postpunk à la Joy Division, als ob sie noch keiner geträumt hätte. In diesem Song wandert er mit seiner Geliebten, „zwei Seelen in der Nacht“, durch eine „tote Stadt“, was ja zur einschlägigen Bildwelt gehört. Nur ist die Stadt hier keine englische Industriestadt (oder, wie einst für David Bowie, Berlin), sondern Ljubljana.
Aber die slowenische Hauptstadt ist doch gar nicht tot oder kalt? Egal. Lescop hat wohl das geheimnisvolle Ljubljana der Achtziger im Kopf, oder es ist ihm gleich, er kann sich in jeder Stadt verloren fühlen... Und solange ihn (und seine Liebe) ein trockener Bass begleitet, kann er im Refrain sogar hemmungslos romantisch werden, unser nächtlicher Spaziergänger. Wie gesagt: rührend.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2013)