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Das Internet rettet die Musikindustrie

Musik Netz bringt Geld
Musik Netz bringt Geld(c) www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
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Die Musikwirtschaft war eine der ersten Branchen, die wegen der Digitalisierung in eine schwere Krise geriet. Doch den Unternehmen ist es gelungen, sich im Internetzeitalter neu zu erfinden.

Die Popikone David Bowie sagte vor zehn Jahren den Zusammenbruch der Musikindustrie durch das Internet voraus. „Musik ist mittlerweile so zugänglich wie Wasser und Strom“, so Bowie. „Wir erleben massive Veränderungen durch das Internet.“ Die Fans laden sich „im Netz etwas herunter, mixen es neu, verschicken es weiter.“

Die Musikwirtschaft gehörte zu den ersten Branchen, die wegen der Digitalisierung in einer Krise steckte. Dabei ging es mit ihr noch in den 1980er- und 1990er-Jahren steil bergauf. Die Erlöse schossen in die Höhe, als die CD die Langspielplatte ablöste. Doch seit der Jahrtausendwende ist alles anders. Schuld daran sind Online-Tauschbörsen, in denen Songs kostenlos heruntergeladen werden können.


Steve Jobs als Retter. Die Musikindustrie reagierte mit Klagen. Das brachte wenig. Die Rettung kam mit Apple-Chef Steve Jobs, der 2003 den iTunes Music Store gründete. Jobs schaffte es, die zerstrittenen Musikkonzerne auf einen gemeinsamen Weg einzuschwören. Der Apple-Store war eine der ersten legalen Alternativen zu den Tauschbörsen. Für einen Song zahlt man nicht einmal einen Euro. Heute ist Apple mit 500 Millionen Kunden der größte Musikhändler weltweit. Doch der Konkurrenzkampf wird härter. Denn die Musikindustrie hat neue Einnahmequellen entdeckt.

Der letzte Schrei sind Streaming-Dienste. Dabei können Musikfans aus einem Pool von mehreren Millionen Songs auswählen und die Musik auf verschiedenen Geräten wie auf dem Handy, Tablet, Laptop oder Computer abspielen. „Streaming ist bei Musikfans ganz klar im Aufwind, und das Abo-Modell scheint sich durchzusetzen“, so Franz Medwenitsch, Geschäftsführer von IFPI Austria, dem Verband der österreichischen Musikwirtschaft. Zur Auswahl stehen viele Anbieter wie Spotify, Simfy, Deezer und Juke.


Google startet in Österreich. Am Donnerstag startete Google mit dem Google Play Music All Access in Österreich. Die Musiksammlung umfasst 20Millionen Titel, auch heimische Künstler sind vertreten, wie Christina Stürmer, Falco, Andreas Gabalier oder die Sofa Surfers. Wer sich bis Mitte September anmeldet, kann den Dienst 30 Tage lang kostenlos nutzen und zahlt danach 7,99 Euro monatlich.

Man muss nicht ständig mit dem Internet verbunden sein. Wer sich im Flugzeug oder in der U-Bahn befindet, kann die Songs zuvor auf sein Handy speichern und dann offline anhören. Es gibt auch personalisierte Radiosender, die auf den Musikgeschmack des Nutzers abgestimmt sind.

Seit Juni ist Napster ebenfalls mit einer Musik-Flatrate in Österreich vertreten. Die Firma war ursprünglich eine illegale Tauschbörse und zahlt jetzt brav Lizenzgebühren. Dank der neuen Angebote hat die Musikbranche im Vorjahr die Trendwende geschafft. Auch wenn die Wachstumsrate winzig ist, gilt sie als Hoffnungszeichen. 2012 stieg der Gesamtumsatz der weltweiten Musikindustrie um 0,3 Prozent auf 16,5Milliarden US-Dollar. Es ist das erste Plus seit dem Jahr 1999. „Die Digitalisierung ist nicht der Tod der Musik. Sie rettet die Musik“, so Edgar Berger, Präsident von Sony Music International.


Langsamer Wandel. In Österreich sind die Erlöse noch rückläufig. „Auf dem österreichischen Markt mit seinem hohen Anteil an Schlager, Volksmusik und Klassik vollzieht sich der digitale Wandel etwas langsamer. Aber die Richtung stimmt: Die Online-Musikangebote – allen voran die Streaming-Services – können den gesamten Musikmarkt langfristig wieder auf Wachstumskurs bringen“, sagt Hannes Eder, Präsident von IFPI Austria.

Im ersten Halbjahr 2013 kletterten die Streaming-Umsätze um 300 Prozent. Mit 2,5 Millionen Euro sind die Erlöse zwar noch niedrig, doch Streaming trug zur Erholung des österreichischen Marktes bei. Im Vorjahr sanken die Erlöse der Musikbranche um acht Prozent. Im ersten Halbjahr 2013 lag das Minus nur noch bei zwei Prozent. Von den Gesamtumsätzen von 54,5 Millionen Euro entfielen 39,5Millionen Euro auf physische Produkte wie CDs, DVDs und Vinyl (minus acht Prozent). Onlinemusik (Downloads und Streaming) legte um 14 Prozent auf 15 Millionen Euro zu.

Als Vorbild gilt Schweden. Im Heimatland von Spotify wuchs die Musikbranche im ersten Halbjahr 2013 um zwölf Prozent. Streaming macht dort bereits 70 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Weltweit zahlen derzeit 20 Millionen Menschen für ein Musik-Abo.

Die Musikbranche hofft, dass die Zahl bis 2018 auf 190 Millionen steigen wird. Vor allem der Ausbau leistungsfähiger Mobilfunknetze soll sich positiv auf das Wachstum auswirken. Denn noch streamen 85 Prozent der Nutzer überwiegend zu Hause.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2013)