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OMV: Zukunft liegt im hohen Norden

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Niedrigere Ölpreise und Produktionsausfälle schmälern den OMV-Gewinn. Der Verkauf von Ölreserven beschert dem Konzern dennoch volle Taschen für die Expansion in Norwegen.

Wien/Auer. „Man muss sich auch Wachstum erst verdienen“, sagt OMV-Chef Gerhard Roiss. Und in den ersten sechs Monaten des Jahres ist das dem heimischen Mineralölkonzern anscheinend ganz gut gelungen. Die Kriegskasse der OMV ist so gut gefüllt und die Schulden sind so niedrig wie schon lange nicht mehr. Trotz niedrigeren Rohölpreises und schwächeren Absatzes verdiente der Konzern im ersten Halbjahr mit 1,29 Milliarden Euro netto fast ein Drittel mehr als vor einem Jahr.

Diese Rechnung stimmt allerdings nur dann, wenn man alle einmaligen Effekte mit einrechnet: Der Verkauf des Tankstellengeschäfts in Kroatien und Bosnien-Herzegowina, die Trennung vom heimischen Schmiermittelgeschäft und vor allem der Verkauf strategischer Ölreserven haben in Summe 783 Millionen Euro extra gebracht. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 21,3 Mrd. Euro. Ohne Sondereffekte setzte es für das Unternehmen beim bereinigten Gewinn ein Minus von fünf Prozent.

 

1,6 Mrd. Euro zur freien Verfügung

Die Aktionäre reagierten dennoch positiv auf die Zahlen. Denn erstens liegt die OMV auch mit dem leichten Rückgang beim bereinigten Gewinn klar über dem Branchenschnitt, und zweitens hat das Unternehmen im ersten Halbjahr einen freien Cashflow von 1,6 Mrd. Euro erwirtschaftet. Geld, das nun für Investitionen frei ist. Pläne gibt es genug: In der Pipeline liegen Förderprojekte mit einem Volumen von einer Milliarde Fass Öl (à 159Liter). Allein heuer will Gerhard Roiss über zwei Drittel der geplanten Gesamtinvestitionen von 2,8 Mrd. Euro dazu verwenden, die Exploration und Produktion von Öl und Gas in Europa voranzutreiben. Im ersten Halbjahr verdiente die Sparte 1,25 Mrd. Euro und blieb damit der Goldesel des Konzerns.

Nur in der geografischen Ausrichtung gibt es leichte Anpassungen: Lag bisher der Fokus der OMV auf alten Feldern in Österreich und Rumänien, so blickt der Konzern nun vor allem in den Norden des Kontinents. „In Zukunft wird Norwegen wichtiger sein“, sagt Produktionsvorstand Jaap Huijskes. Einerseits ist das Land politisch viel stabiler als etwa Libyen, wo die OMV im ersten Halbjahr aufgrund der Unruhen erneut die Produktion vorübergehend einstellen musste. Andererseits ist der Konzern mit drei aktuellen Bohrungen und 23 Explorationslizenzen in der Barentsee und in der Norwegischen See in der Region so gut aufgestellt wie kein anderes Unternehmen außer der norwegischen Statoil. Die OMV will 800 Mio. Euro investieren, um 2017 mit der Produktion beginnen zu können.

 

Vor Einigung mit Gazprom?

Und mehr eigenes Öl und Gas kann das Unternehmen gut gebrauchen. Denn während die Explorationssparte weiter gute Gewinne schreibt, kommt das Gas- und Stromgeschäft zunehmend unter Druck. Das Betriebsergebnis vor Sondereffekten sank um 41Prozent. Der Grund ist wohlbekannt: Aufgrund langfristiger Gaslieferverträge mit der russischen Gazprom (bis 2027) und der norwegischen Statoil bezahlt die OMV derzeit so viel für importiertes Erdgas, dass mit dem Weiterverkauf kaum Geld zu machen ist. Mehr eigenes Gas würde das lindern.

Die OMV steht mit dem Problem nicht allein da. Doch während etwa die deutsche RWE vor ein Schiedsgericht zog, um bei der Gazprom niedrigere Preise durchzusetzen, gibt sich die OMV zurückhaltender: Es gebe Verhandlungen, sagt Gas-Vorstand Hans-Peter Floren. „Wir haben in diesem Jahr das Recht, die Preise anzupassen.“ Um wie viel, sagt er nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2013)