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Mariahilfer Straße: Nun sind die Autos verschwunden

Mariahilfer Strasse sind Autos
Mariahilfer Strasse sind Autos(c) Photographer: Philipp Splechtna
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Seit Freitag ist die Einkaufsmeile verkehrsberuhigt. Die letzten Bodenmarkierungen und Schilder sind angebracht. Doch die Menschen sind noch verwirrt.

Nichts ist mehr wie gewohnt. Am heutigen Freitag um sechs Uhr früh war der Umbau der Mariahilfer Straße vollzogen. Zwischen Kirchengasse und Andreasgasse ist sie eine Fußgängerzone, flankiert bis zur Kaiserstraße in der einen, bis zum Getreidemarkt in der anderen Richtung, von Begegnungszonen – hier sind Autos, Radfahrer und Fußgänger gleichberechtigt. Und nun?

Es ist verwirrend. Das lässt sich schon am Mittwochabend an den Gesichtern der Menschen ablesen, als kurz nach 20 Uhr die Fahrbahn mit Balken gesperrt wird, die verbliebenen Autos in Seitengassen abgelenkt werden. „Aber das ist doch eine Wohnstraße“, ruft ein Anrainer in der Andreasgasse verzweifelt, als ein Auto nach dem anderen an ihm vorbeifährt. Und hinter den Sperren, da wird bereits der Boden bearbeitet. Weiße Linien als Markierung, die zeigen, wo die Fußgängerzone verläuft. In der Nacht auf Donnerstag wird schließlich eine ganze Spur mit rotem Bodenbelag versehen.

Neo-Fußgängerzonentourismus

Der Geruch von frischer Farbe liegt am Donnerstagmorgen in der Luft, als Dutzende Menschen schauen, wie sich die Straße über Nacht verändert hat. Zwischen Neubaugasse und Kirchengasse bedeckt ein roter Streifen den Asphalt: die neue Busspur des 13A. Bauarbeiter montieren Schilder, tragen Bänke ab, erneuern Bodenmarkierungen. Passanten schauen ungläubig, machen Fotos. Einige verlassen den Gehsteig, begeben sich in die Straßenmitte und schlendern entlang der Busspur – verbotenerweise. Nur wissen sie das noch nicht.

Fußgänger haben auf der Busspur nichts verloren, nur Queren ist erlaubt. Als eine Art roten Teppich für die Fußgängerzone darf man das Band nicht missverstehen. Außer Radfahrer – sie dürfen die rund 210 Meter lange und vier Meter breite Busspur befahren, wenn auch nur stadteinwärts. Bei den Wiener Linien hatte man bereits im Vorhinein Bedenken, dass es zu Vorfällen auf der Busspur kommen könnte. Allerdings: „Bisher hatten wir keine Störungen“, sagt Sprecherin Anna-Maria Reich. „Soweit verläuft alles gut.“ Was auch mit daran liegt, dass Feiertag ist. Und nicht allzu viele Menschen im Einkaufsstress über die Straße marschieren.

Karl Nowak beobachtet das Spektakel von einer Bank aus. Er wohnt direkt auf der Mariahilfer Straße. Gefallen am autofreien Konzept kann er keinen finden. „Schon Kaiser Franz Josef ist mit seiner Kutsche durch die Mariahilfer Straße gefahren. Das ist doch alles Kasperltheater“, sagt er. Den Anrainer hätten die Autos hier nie gestört. Ganz im Gegenteil. „Wie sollen die Leute jetzt etwas Größeres vom Geschäft nach Hause transportieren? Bald sind hier nur noch Radfahrer unterwegs. Die werden zu einer noch größeren Plage“, sagt er. Während einige Anrainer über den Umbau klagen, freuen sich aber einige andere über die Veränderung. Radfahrer, zum Beispiel.

 

Chaos für die Autofahrer

„Es ist immer angenehmer, ohne Verkehr mit dem Rad zu fahren“, erzählt eine junge Frau, die mit ihrem Rad die Mariahilfer Straße entlang fährt. Was für Radfahrer ein Spaß ist, bedeutet für einige Autofahrer Chaos. Unsicher biegen sie in die neue Fußgängerzone ab – und werden gleich von Polizisten auf das Fahrverbot aufmerksam gemacht. Wo wer wann fahren oder gehen darf, ist vielen noch unklar. „Das neue Konzept ist noch etwas verwirrend, aber sobald man sich direkt auf der Mariahilfer Straße befindet, ergibt alles einen Sinn“, sagt Jana Schneider. Sie sitzt mit ihrer Familie auf einer der neuen Sitzbänke in der Begegnungszone. „Wir gehen oft hier spazieren. Mit Kinderwagen ist das manchmal problematisch, besonders wenn viel los ist. Jetzt haben wir mehr Platz.“

Es schwingt noch viel Unsicherheit mit bei den Menschen, die am Donnerstag hier gehen oder fahren. Wo darf ich was? Was mache ich, wenn ich nicht mehr darf? Im Zweifel bleiben viele einfach stehen – und schauen, was andere machen. Aber, erzählen einige Passanten, das ist doch sowieso nur ein Test. „Ab Montag“, meint eine von ihnen „ist eh alles wieder wie vorher.“ Nicht ganz. Der Testbetrieb ist auf mehrere Monate ausgelegt. Einige Details können sich auch noch ändern. Doch so viel gilt als sicher: An der Verkehrsberuhigung wird nicht mehr gerüttelt. Es bleibt also dabei: Nichts ist mehr wie gewohnt.

Link: Mariahilfer Straße neu - Was Sie wissen müssen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2013)