Der Spectrum-Roman in Serie

Lieferdienst Wien: Navi-Ausfall

Teil 30 von 52

… was bisher geschah: Die Autorin des Lieferdienst Wien verzweifelt mit den ­Ridern. Vor allem mit der Sprache! Keine Orientierung, die jungen Leute. Boss Anis hat längst die Kontrolle verloren.

Alle Fragen des Lebens sind mir heute zu viel“, singt Helene Fischer aus dem Smartphone von Alis Frau. Die Kinder schlafen schon. Während Ali, entgegen seiner Gewohnheit als treusorgender Familien­vater, in einem Nachtlokal die Abendstunden zubringt, sitzt und liegt seine Frau mit dem Smartphone in der Hand in einer ­riesigen samtenen Sofalandschaft unter Spiegeln und goldgerahmten Bildern: Alis Frau als junges Mädchen in der Türkei, die Hochzeit von Ali und seiner Frau, die Supermarkteröffnung in Wien, Handshake mit dem türkischen Botschafter vor Ali’s Supermark, dem Markt ohne T.
Das fehlende T gibt einen falschen Eindruck vom Angebot im Inneren, hier gibt es nämlich wirklich alles, was das Herz begehrt: Tee fehlt nicht, auch nicht Kaffee und Dattelsirup. Köfte und Bakhlava. Sonnenblumenkerne und bulgarisches Joghurt in Salzlake. Bloß ein Rezept für die Liebe gibt es hier nicht, aber wo sonst soll man danach suchen? Die freie Marktwirtschaft löst dieses Problem für unsere ­Rider vom Lieferdienst Wien nicht.
Anis steht, mittlerweile mehr winselnd als schreiend, vor einem Turm aus zitronengelber Arbeitskleidung, den Ellis und Hanna vor ihm aufgebaut haben. Taxler Manfred hat sich den beiden jungen Frauen zur Seite gesellt, Herr Stefanov, aus den Armen der Kellnerin sich gelöst habend, ist ihm gefolgt. Byamba wirft Ali vielsagende, gleichermaßen unwissende Blicke zu. Ali beobachtet die Szene stumm, denkt aber gleichzeitig daran, seiner Frau demnächst eine Nachricht schicken zu wollen als ungefähre Vorankündigung seiner womöglich anstehenden Heimkehr. Geografiestudent Moritz schweift gerade ab und denkt an seine Vorlesung morgen, an die Grundlagen und Konzepte der Humangeografie und Raumordnung. Während die anderen so herumstehen im Nachtlokal, ganz ohne Konzept für Humangeografie und Raumordnung.
„Räumt eure Sachen weg und klärt den Liebesscheiß“, sagt jetzt streng die Wirtin in der Tapete. Klärt den Liebesscheiß. So spricht sie. Man hat lange genug auf ein Machtwort gewartet, aber muss es gleich ein Kraftausdruck sein? Die Autorin des Lieferdienst Wien verwendet privat ja höflichere Begriffe: Die Liebesverfahrenheit, die Liebeseinbahnstraße, das Liebespannendreieck.
„Hanna, wir müssen reden“, sagt jetzt, endlich, Byamba. Seine Worte sind wie eine Erlösung, jeder kehrt nun an seinen jeweiligen Platz zurück. Herr Stefanov kann wieder mit der Kellnerin schmusen, die ohnehin wenig Verständnis für den lauen Liebeskakao dieser drei jungen Menschen zeigt. „Entweder du willst, oder du willst nicht“, setzt sie allem Philosophieren ein pragmatisches Ende, „ist es nicht so?“ Taxler Manfred pflichtet ihr bei. Herr Stefanov betrachtet die Sache mehr transluzent als opak, behält diese Sicht aber für sich. Und Boss Anis? Der wird von der Wirtin nach Hause geschickt.
Hanna und Byamba stehen vorm Lokal und rauchen E-Zigarette, diese als Kugelschreiber verkleidete Tschick, an der neuerdings alle nuckeln. Byamba bläst Fragezeichen in die Luft. „Bist du jetzt mit ­Ellis?“, fragt Hanna. „Zusammen?“, will Byamba Zeit gewinnen, um nachzudenken. Hanna nickt. Nach mehreren Momenten, Augenblicken und Zigarettenzügen sagt er dann: „Da müssen wir Ellis fragen.“ Byambas Navi hat wirklich keine Peilung. Fortsetzung folgt

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Teil 39 von 52

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