Treffen

Kampfansage an den US-Dollar

Bei dem Treffen in Johannesburg wird nach Alternativen zum US-Dollar gesucht.
Bei dem Treffen in Johannesburg wird nach Alternativen zum US-Dollar gesucht.APA/AFP/Gianluigi Guercia
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Die Staats- und Regierungschefs der Brics-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) diskutieren bei einem Treffen, wie sie die Vorherrschaft des Westens brechen können.

Chinas Staatspräsident, Xi Jinping, Indiens Premierminister, Narendra Modi, Brasiliens Präsident, Lula da Silva, und rund 40 weitere Staats- und Regierungschefs werden diese Woche zum Brics-Treffen reisen, das vom 22. bis 24. August in Johannesburg stattfinden wird, und dort mit dem Präsidenten Südafrikas, Cyril Ramaphosa, zuammentreffen. Russlands Präsident, Wladimir Putin, wird sich von Außenminister Sergej Lawrow vertreten lassen, wird aber zumindest virtuell teilnehmen.

Bei dem Treffen geht es um die Frage, was die Länder des Südens der wirtschaftlichen Vorherrschaft des Westens und der Dominanz des US-Dollar als Leitwährung entgegenzusetzen haben.

„Wenn es um globale Machtverhältnisse geht, sind Afrika und der Globale Süden immer noch Außenseiter“, sagte Südafrikas Brics-Botschafter Anil Sooklal. „Die sogenannte westliche liberale Ordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist, will keinen Platz für neue Akteure schaffen.“

Bei dem Treffen geht es auch um die Ausweitung der Gruppe. 23  weitere Staaten sollen dem Bündnis beitreten, darunter Indonesien, Saudiarabien und Ägypten. Die Abkürzung Brics stand ursprünglich für attraktive Investmentregionen. 2010 fanden sich die fünf Länder zu einem Bündnis zusammen. Davon abgesehen haben sie nicht viel gemeinsam.

Indien traut China nicht ganz

Chinas Streben nach schneller Expansion stößt auf Widerstand aus Indien, das befürchtet, dass die Gruppe zum Sprachrohr des mächtigen Nachbarn werden könnte. Auch Brasilien hütet sich vor einer Verärgerung des Westens. Doch der Widerstand hat zuletzt nachgelassen, sagen mit den Diskussionen vertraute Beamte.

Der Block wird die bei früheren Gipfeltreffen diskutierte Idee einer Reduzierung der Dominanz des Dollar im Zahlungsverkehr wiederbeleben. Die Debatte ist wieder aufgetaucht, seit US-Zinserhöhungen und der Einmarsch Russlands in die Ukraine die US-Währung und damit auch die Kosten für in Dollar bewertete Rohstoffe in die Höhe getrieben haben.

Vorerst geht es um die verstärkte Nutzung der Landeswährungen der Mitglieder für den Handel und die Einrichtung eines gemeinsamen Zahlungssystems. Das Ziel, eine gemeinsame Währung zu schaffen, wird als längerfristiges Projekt angesehen. 59 Prozent aller weltweiten Reserven von Staaten und Notenbanken werden derzeit in Dollar gehalten, 20 Prozent in Euro, sechs Prozent in Yen und fünf Prozent in britischen Pfund. Lediglich 2,6 Prozent entfallen auf den chinesischen Renminbi, wie Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen.

Handel in lokalen Währungen

Mehrere Brics-Mitglieder haben bereits damit begonnen, bilaterale Handelsabkommen in lokalen Währungen abzuwickeln. Indien hat mit Malaysia eine Vereinbarung getroffen, um die Verwendung der Rupie im grenzüberschreitenden Geschäft zu steigern. Brasilien und China haben Anfang des Jahres eine Vereinbarung getroffen, um den Handel in ihren Landeswährungen abzuwickeln, und Indien sowie Russland sind an Südafrika herangetreten, um die Zahlungsabwicklung in ihren eigenen Währungen zu vollziehen.

Der Handel zwischen Brics-Mitgliedern stieg in den letzten fünf Jahren um 56 Prozent auf 422 Mrd. Dollar, und ihr gemeinsames nominales Bruttoinlandsprodukt von 25,9 Billionen Dollar entspricht 25,7 Prozent der globalen Produk­tion, wie Daten der Higher School of Economics in Moskau zeigen.

Die als Alternative zu IWF und Weltbank gegründete New Development Bank (NDB) mit Sitz in Shanghai soll die Transaktionen in lokalen Währungen abwickeln. Die NDB war nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine von westlichen Sanktionen betroffen. Nun sollen mehr Geldgeber der Bank hinzukommen, mehrere Länder im Nahen Osten und anderswo könnten Kapital in die NDB einbringen.

Uneinigkeit in Ukraine-Krieg

Auf der Tagesordnung stehen auch die Ernährungssicherheit und der Ukraine-Krieg. Während Brasilien für eine UNO-Resolution gestimmt hat, die ein Ende des Konflikts und einen Rückzug Russlands fordert, haben sich China, Indien und Südafrika enthalten. (Bloomberg/red.)

»Die sogenannte westliche liberale Ordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist, will keinen Platz für neue Akteure schaffen.«

Anil Sooklal

Brics-Botschafter von Südafrika

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