Kunstschwindel

Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen André Heller ein

Andre Heller hatte einen Bilderrahmen aus einer zerschnittenen Basquiat-Zeichnung angefertigt.
Andre Heller hatte einen Bilderrahmen aus einer zerschnittenen Basquiat-Zeichnung angefertigt.(c) Clemens Fabry
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Wegen „tätiger Reue“ muss sich der Künstler nicht weiter vor Gericht verantworten. Er hatte einen Rahmen als Werk Jean-Michel Basquiats ausgegeben.

Es war eines der verstörendsten Ereignisse des Wiener Kulturbetriebs der jüngeren Vergangenheit, ein Prozess, der die vielen Bewunderer und Weggefährten Andre Hellers, einer der charismatischsten Gestalten des Landes, ratlos zurückließ: Der Verdacht, dass Heller einen Rahmen für ein Bild von Jean-Michel Basquiat gefälscht und diesen verkauft hat. Die Staatsanwaltschaft hatte voriges Jahr ein Verfahren eingeleitet, nachdem sich für sie der Anfangsverdachts des schweren Betrugs erhärtet hatte. Ende Dezember dann ordnete sie weitere Ermittlungen an. Danach hörte man nichts mehr. Bis gestern, Montag, verlautbart wurde, dass das Verfahren gegen Heller eingestellt werde.

Ursprung der ganzen „Rahmen-Affäre“ war ein Interview, das Heller selbst dem Wochenmagazin „Falter“ gegeben hat. Darin erzählte er von einem „Streich“, den er einem Basquiat-Experten spielen wollte, indem er selbst aus Besenstielen und Nägeln einen Rahmen gebastelt, darin originale zerschnittene Skizzen Basquiats eingepasst und schließlich als Gemeinschaftswerk mit dem 1988 verstorbenen US-Künstler ausgegeben habe. Mit diesem hatte Heller für sein Luna-Luna-Projekt tatsächlich kooperiert gehabt. Der „Streich“ schien gelungen.

2017 aber wurde dieser Rahmen gemeinsam mit der darin befindlichen tatsächlich originalen Porträt-Zeichnung Basquiats von der Wiener Galerie Wienerroither & Kohlbacher auf der New Yorker Kunstmesse Tefaf angeboten: Zwei Millionen sollte die Zeichnung, drei Millionen Dollar der Rahmen kosten. Ein Käufer fand sich damals nicht. „Ich hätte ihn auch nicht verkauft“, behauptete Heller dann im „Falter“-Interview.

Doch der Rahmen wechselte später über den Wiener Kunsthändler und Künstlermanager Amir Shariat dennoch den Besitzer. Laut „Falter“ soll ein Sammler 2018 800.000 Euro für ihn gezahlt haben. Zeitnah zur Recherche, aber noch vor der später erfolgten Anzeige, kaufte Heller den Rahmen wieder zurück, und Hellers Anwalt stellte jegliche Betrugsabsicht in Abrede. Der Rahmen sei als Rahmen verkauft worden, auf dem sich Basquiat-Zeichnungen befinden.

Dieser Rückkauf wurde jetzt von den Behörden als „tätige Reue“ anerkannt, das Verfahren „aus rechtlichen Gründen“ daher eingestellt. „Tätige Reue“ wird dann schlagend, wenn ein Täter den durch die Tat entstandenen Schaden vollständig wiedergutmacht, bevor die Behörden von seinem Verschulden erfahren. (red.)

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