Atomkraftwerk

„Das Meer ist nicht der Mülleimer Japans“: Fukushima-Wasser wird ins Meer geleitet

Proteste gegen Japan in Busan, Südkorea.
Proteste gegen Japan in Busan, Südkorea.Reuters / Daewoung Kim
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Auswirkungen auf Mensch und Umwelt seien vernachlässigbar, urteilte die Atomenergiebehörde. Für Kritik sorgt der Schritt trotzdem, China ordnet einen Importstopp japanischer Meeresfrüchte an.

Japan hat am Donnerstag mit der Einleitung von aufbereitetem radioaktiven Wasser aus dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer begonnen. Die Einleitung in den Pazifischen Ozean habe um 13.03 Uhr Ortszeit begonnen, teilte der Fukushima-Betreiber Tepco mit. Nach japanischen Angaben ist das unbedenklich, da das gefilterte und stark verdünnte Wasser in puncto Verschmutzung international zulässige Grenzwerte unterschreite. Auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) gab im Juli grünes Licht mit der Begründung, das Wasser entspreche internationalen Standards und die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt seien „vernachlässigbar“.

In Anrainerstaaten stößt das Vorgehen trotzdem auf scharfe Kritik. Sie befürchten, dass das Wasser Lebensmittel verunreinigen könnte. China verurteile das Vorgehen Japans, erklärte das Außenministerium am Donnerstag in Peking. Die Entsorgung des kontaminierten Wassers sei eine wichtige Frage der nuklearen Sicherheit mit grenzüberschreitenden Auswirkungen und keineswegs nur eine Angelegenheit Japans.

China verbietet den Import von Meeresfrüchten aus zehn japanischen Präfekturen, darunter Fukushima und die Hauptstadt Tokio. Die chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau hatten angekündigt, ab Donnerstag ein Importverbot umzusetzen. Japan befürchtet dadurch massive Einbußen, denn China ist größter Importeur japanischer Meeresfrüchte. 2022 wurden Meeresfrüchte im Wert von 600 Millionen Dollar in die Volksrepublik geliefert.

Tumult vor der japanischen Botschaft

In Südkorea nahm die Polizei in der Hauptstadt Seoul 16 Personen fest, die versucht haben sollen, in die japanische Botschaft einzudringen. Rund 50 überwiegend junge Menschen hatten vor dem Gebäude protestiert. „Das Meer ist nicht der Mülleimer Japans“, hieß es auf Transparenten der Demonstranten. „Hört sofort auf, kontaminiertes Wasser ins Meer zu leiten.“ Südkorea hatte mitgeteilt, keine wissenschaftlichen Probleme mit dem Vorgehen Japans zu haben. Japan wurde aber aufgefordert, für Transparenz zu sorgen. Südkorea hat allerdings den Import von Fisch und sonstigen Lebensmitteln aus der Region Fukushima bis auf weiteres untersagt.

Tepco hat das verseuchte Wasser bislang auf dem Gelände des Atomkraftwerks gespeichert, das 2011 durch einen Tsunami zerstört wurde, der Folge eines schweren Erdbebens war. Nach Angaben des Unternehmens dürfte die Einleitung der derzeit mehr als 1,3 Millionen Tonnen Wasser rund 30 Jahre dauern.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums hatte am Mittwoch in Berlin gesagt, die deutschen Behörden verfolgten das Verfahren sehr eng. Es sei wissenschaftlich und transparent erfolgt. Die Verdünnung im Meer sei erheblich. Japan hat China vorgeworfen, wissenschaftlich unbegründete Aussagen zu treffen. Die Regierung in Tokio hatte vor zwei Jahren das Vorhaben beschlossen, das auch die IAEA billigte. China wurde aufgefordert, die Handelsbeschränkungen aufzuheben. (Reuters)

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