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„Wolfsgipfel“: Österreich und Schweden wollen Aktionsplan anstoßen

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Archivbild.Clemens Fabry
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Der Schutzstatus soll gesenkt werden, ein Monitoring soll kommen. Landwirtschaftsminister Totschnig und sein schwedischer Amtskollege Kullgren sind gegen ein „Weiter wie bisher“.

Die Landwirtschaftsminister von Österreich und Schweden haben am Donnerstag bei einem „Wolfsgipfel“ am Rande des Europäischen Forum Alpbach Einigkeit demonstriert. Bundesminister Norbert Totschnig (ÖVP) gab dabei bekannt, mit seinem schwedischen Kollegen Peter Kullgren (Christdemokraten) einen Aktionsplan anstoßen zu wollen. Der Schutzstatus des Wolfs solle gesenkt werden, außerdem soll ein Monitoring Daten liefern. „Ein Weiter wie bisher geht nicht“, so Totschnig zur Austria Presse-Agentur.

EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius habe gemeint, dass er das Problem nicht sehe, so Totschnig. „Wir spüren, hören und sehen das Problem“, richtete der Minister aus. Die EU-Kommission habe jedoch eine Analyse angekündigt. „Wir sehen hier eine Dynamik“, so Totschnig. Nun wolle nun man gemeinsam mit anderen EU-Staaten ein Monitoring aufstellen sowie Verbündete finden, um dann „gegenüber der Kommission sehr klar und auch mit konkreten Vorschlägen aufzutreten“.

Wie viel Zeit dieser Prozess beanspruchen werde, sei nicht absehbar, so Totschnig. Arbeit auf EU-Ebene brauche Zeit, pflichtete Kullgren bei. „Wandel braucht Verbündete und in dieser Sache sind unsere Länder Freunde“, sagte der schwedische Minister zur APA. Nun will man auch andere EU-Staaten, in denen die steigende Wolfspopulation ein Problem darstelle, an Bord holen. „Wir werden engagiert sein, konkret sein und sind zuversichtlich“, betonte Totschnig. „Das Ding ist in Bewegung, die Kommission ist in Bewegung“, erklärte der Landwirtschaftsminister im Rahmen des Gipfels.

Archivbild von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig.
Archivbild von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig.APA / Fischler

Treffen am „Tatort“ mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Landwirtschaft

Bei dem „Gipfel“ auf der Steinberger Alm, bei der man sich laut Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) „sozusagen am Tatort“ mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Landwirtschaft zu der Causa Beutegreifer austauschte, war auch Herdenschutz und dessen Umsetzung ein Thema. Experten berichteten dabei einerseits von langjähriger Erfahrung aus der Schweiz, andererseits jüngeren Projekten aus dem Verwalltal bei St. Anton am Arlberg (Bezirk Landeck).

Einig war man sich dabei, dass Herdenschutzprojekte zwar machbar, jedoch mit Kosten verbunden und auch nicht überall anwendbar seien. Die Topografie der Umgebung spiele dabei eine große Rolle, ebenso wie die Anzahl der zu schützenden Tiere, hieß es seitens Experten. In der Schweiz sei Herdenschutz seit 25 Jahren ein Thema und „funktioniert“, so Herdenschutzexperte Daniel Mettler, auch wenn „der Weg steinig ist“.

»Wir werden mit dem Wolf leben müssen«

Norbert Totschnig

Landwirtschaftsminister (ÖVP)

„Wir werden mit dem Wolf leben müssen“, meinte Totschnig. Herdenschutz sei dabei ein Thema, jedoch sei dieser mit enormem Personalaufwand und Kosten verbunden und eben nicht überall umsetzbar. Auf Almen mit wenig Tieren sei dieser „illusorisch“. Dennoch gehe es durchaus auch darum, von erfolgreichen Projekten zu lernen. „Wir müssen die europäische Gesetzgebung an die Lebensrealitäten anpassen“, gab Totschnig weiters zu verstehen und betonte: „Wir müssen weiterarbeiten.“ Der Aktionsplan sei dabei ein gutes erstes Ergebnis. Naturschutz und Landwirtschaft müssten schlussendlich unter einen Hut gebracht werden, sonst „gibt es keine Almwirtschaft mehr, wie wir das gewohnt sind“, mahnte der Landwirtschaftsminister.

„Wir müssen alle Werkzeuge im Werkzeugkasten nützen“, meinte indes Kullgren. Das sei durch die derzeitige Rechtslage in der EU erschwert. Auch nach einer Senkung des Schutzstatus könne der Wolf weiter geschützt werden, ergänzte der schwedische Minister. Dann gäbe es jedoch mehr rechtliche Möglichkeiten zur Handhabe des Beutegreifers.

Auf der Suche nach neuen Maßnahmen

Sowohl Wolfsregulierung als auch Herdenschutz würden benötigt, ließ der ebenfalls anwesende ehemalige EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler (ÖVP) wissen. Kurzfristige Patentlösungen gebe es jedenfalls keine. Der frühere Spitzenpolitiker regte an, auch auf Suche nach Maßnahmen zu gehen, die man bisher vielleicht noch nicht in Betracht gezogen habe - und dabei etwa nach Neuseeland zu schauen.

Unterdessen wurden seitens des Landes Tirol vorläufige Zahlen des heurigen Jahres hinsichtlich Wölfen und sonstiger großer Beutegreifer bekannt - und diese divergieren durchaus mit jenen des vergangenen Jahres. Im heurigen Jahr habe man es bisher mit 23 verschiedenen Wolfsindividuen zu tun gehabt, sagte die Sprecherin des zuständigen Landeshauptmannstellvertreters Josef Geisler (ÖVP), Christa Entstrasser-Müller, zur APA auf Anfrage. 176 getötete Weidetiere - in der Mehrzahl Schafe, aber auch acht Rinder und ein Pferd - würden bisher auf das Konto von Wolf, Bär und Goldschakal gehen. Zudem gebe es 191 „vermisste und versprengte“ Weidetiere sowie 17 Verletzte. Die vermissten Tiere würden jedenfalls „in Zusammenhang mit Rissereignissen stehen“.

19 verschiedene Wölfe in Tirol nachgewiesen

Im gesamten vergangenen Jahr waren im Bundesland 19 verschiedene Wolfsindividuen nachgewiesen worden. Dabei zählte man 413 Risse und 527 vermisste Weidetiere. Letztlich würde die Zahl der den Raubtieren zum Opfer gefallenen Tiere heuer somit wohl deutlich geringer ausfallen. Woran das liege, dafür gebe es „keine abschließende Erklärung“, so die Sprecherin.

Drei Wölfe wurden in Tirol gemäß der neuen, heuer von der Landesregierung aus ÖVP und SPÖ beschlossenen Verordnungs-Regelung bisher geschossen. Einer wurde überfahren. Vorerst waren im Bundesland noch vier Abschussverordnungen für die Raubtiere in Kraft.

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