Arzneimittel

Medikamente: Warum erneute Engpässe programmiert sind

Pharmafirmen wird für ihre Medikamente künftig noch weniger bezahlt als bisher. Österreich verliert auf dem internationalen Markt an Bedeutung und könnte bei der Belieferung nachrangig behandelt werden.
Pharmafirmen wird für ihre Medikamente künftig noch weniger bezahlt als bisher. Österreich verliert auf dem internationalen Markt an Bedeutung und könnte bei der Belieferung nachrangig behandelt werden.Imago / Florian Gaertner/photothek.de
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Die ab Oktober geltenden Preissenkungen bei gängigen Arzneimitteln machen Österreich zu einem zunehmend unattraktiven Markt für globale Hersteller. An dieser Vorgehensweise hagelt es scharfe Kritik.

Es klingt kompliziert, ist aber keine Raketenwissenschaft: das Preisband, das in Österreich die Preise der Medikamente regelt, die von den Krankenkassen übernommen werden. Bei denen Patienten also nur die Rezeptgebühr von 6,85 Euro bezahlen. Im Oktober tritt das neue Preisband in Kraft und sieht vor, dass der Höchstpreis eines von den Kassen übernommenen Arzneimittels maximal 20 Prozent über dem des günstigsten Arzneimittels mit dem gleichen Wirkstoff liegen darf. Bisher waren es 30 Prozent.

Wenn also ein Hersteller ein Medikament um zehn Euro anbietet, darf das wirkstoffgleiche Medikament eines anderen Herstellers nicht mehr als zwölf Euro kosten, damit es beispielsweise die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) übernimmt. Dieses Preisband umfasst 284 Wirkstoffe und somit rund 1300 Medikamente – betroffen sind auch häufig verschriebene Antibiotika, die im vergangenen Winter Mangelware waren, Schmerzmittel, Herz-Kreislauf-Medikamente sowie Antidepressiva.

Wirkstoffverschreibung

Der Dachverband der Sozialversicherungsträger will sich zum neuen Preisband nicht äußern und verweist auf das Gesundheitsministerium. Dieses argumentiert die Reduktion von 30 auf 20 Prozent damit, dass Österreich europaweit eines der wenigen Länder sei, „in dem für wirkstoffgleiche Medikamente teilweise stark unterschiedliche Preise vorzufinden sind“. Gemeint ist damit der Umstand, dass Ärzte in Österreich nicht Wirkstoffe, sondern Medikamente verschreiben dürfen, also den Markennamen. Daran müssen sich Apotheker halten. Wenn also ein Hausarzt ein bestimmtes Schmerzmittel verschreibt, das deutlich teurer als ein anderes mit dem gleichen Wirkstoff ist, müssen Apotheker dem Patienten dieses Schmerzmittel abgeben und muss die Sozialversicherung die Kosten dafür übernehmen. Außer natürlich, die Patienten sind mit einem wirkstoffgleichen anderen Medikament einverstanden – mit dem Einverständnis der Patienten ist fast alles erlaubt. 

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