Leitartikel

Medikamentenpolitik: Österreich wieder einmal auf dem Holzweg

Die sogenannte Wirkstoffverschreibung wird als Allheilmittel gegen Engpässe dargestellt. Zu viel sollte von dieser Regelung aber nicht erwartet werden.
Die sogenannte Wirkstoffverschreibung wird als Allheilmittel gegen Engpässe dargestellt. Zu viel sollte von dieser Regelung aber nicht erwartet werden.Imago Stock&people; Via Www.imago-images.de
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Mit der Etablierung der sogenannten Wirkstoffverschreibung sollen Arzneimittel günstiger und Lieferengpässe seltener werden – beides ist ein Trugschluss. Zudem wären die Kollateralschäden enorm.

Die Katze ist aus dem Sack. Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) will das Auslaufen des Preisbands Ende 2023 zum Anlass nehmen, um die Einführung der Wirkstoffverschreibung zu forcieren – die sogenannte Aut-idem-Regelung. „Aut idem“ steht für „oder das Gleiche“. Ärzte würden dann also entweder (wie bisher) bestimmte Medikamente (Markennamen) oder nur den Hauptwirkstoff des Medikaments verschreiben, sodass Apotheker auf andere Präparate mit dem gleichen Hauptwirkstoff ausweichen dürften – also auf Generika. Etwa dann, wenn die verschriebene Marke nicht erhältlich ist.

Die Vorteile einer solchen Regelung bestünden darin, dass Apotheker flexibler arbeiten könnten, weil sie auf andere Medikamente mit dem gleichen Hauptwirkstoff zurückgreifen dürften, ohne Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt zu halten. Das wäre der zentrale Unterschied zur jetzigen Situation. Wobei: Die Abgabe eines wirkstoffgleichen Medikaments ohne Rücksprache mit dem Arzt ist bereits gang und gäbe. Aber nur, wenn die Patienten einverstanden sind. Bei der Aut-idem-Regel hingegen brauchten Apotheker die Zustimmung der Patienten nicht, sie müssten nehmen, was sie bekommen.

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