Mein Freitag

Wenn der Wecker läutet, lächelt die Mutter

Nach den Ferien in den Schulrucksack zu schauen gleicht einer Mutprobe.

Schüler gegen Ende der Ferien daran zu erinnern, dass bald die Schule beginnt und sie sich schön langsam auf andere Schlafzeiten, Essgewohnheiten, Umgangsformen und Lebewesen vorbereiten sollten, bewirkt zuverlässig das Gegenteil. Jede Sekunde der schwindenden Freiheit muss mit Aktivität erfüllt werden, aber bevorzugt nachts. Dazwischen lautes Klagen, dass der Sommer zu schnell verging. Und tagsüber der Schlaf der Erschöpften.

Die Bitte, doch die Schulsachen durchzusehen, kann man sich ebenfalls ersparen. Entweder landet alles im Mistkübel oder der ganze Haufen wird den Haufen der vergangenen Jahre in irgendeinem Kasten hinzugefügt. Dann doch bitte wenigstens den Rucksack und das Federpennal suchen? Im besten Fall liegt der noch dort, wo er am letzten Schultag hingeschleudert wurde (es kann aber auch sein, dass er auf der Strecke blieb, das Fundamt geht über damit).

Ihn nach der unbelüfteten Sommerpause auszupacken ist eine Mutprobe. Es findet sich meist mehr von Gleichem: Also vier Ladekabel (hier sind sie also) und gleich drei Geodreiecke, jeweils leicht lädiert. Zwei Dosen Haarwachs, nicht ordentlich zugemacht. Zerknüllte Zetteln und irgendetwas Essbares. Mit viel Glück ist es nur ein halber Kornspitz und nicht ein belegtes Jausenbrot oder eine Banane. Der Inhalt ist so grauslich wie die Aussicht auf frühes Aufstehen und Schularbeiten. Das Elend muss ausführlich mit den Freunden besprochen werden.

In Geschäften hört man Eltern mit Jugendlichen verhandeln. Ohne einen neuen schwarzen Hoodie ist das Betreten der Schule denkunmöglich. „Dafür musst du auch zwei gute Jeans probieren“, sagt die Mutter. Der Blick der Tochter verheißt nichts Gutes. Wer gewinnen wird, ist klar. Beim Läuten des Weckers am ersten Schultag hat die Mutter dann richtig gute Laune.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

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