Der Spectrum-Roman in Serie

Lieferdienst Wien Fragen über Fragen

Teil 32 von 52

… was bisher geschah: Der Lieferdienst Wien hat keine Antworten auf Lager. Dabei würde Bedarf bestehen! Der Folge­roman zeichnet sich jedenfalls bereits ab: Kummernummer Wien. Wohin mit unseren Bedürfnissen?

Anis verlässt, beladen mit zitronengelber Arbeitskleidung, das Nachtlokal. Er ist die Sorte von Chef, die auch mal mit anpackt. „Dass diese verdammten Geizhälse auch da noch sparen!“, flucht er, eingehüllt von Duftwolken aus verschwitztem Polyester, über die Materialqualität. Bis ihm wieder einfällt, dass er ja der Boss ist und die Arbeitskleidung für seine Rider selbst bestellt hat. Dass Mädchen so müffeln! Anis stiefelt noch einmal die Zentagasse hinunter in die Zentrale des Lieferdienst Wien.

Hanna und Byamba schauen ihm nach und müssen plötzlich lachen. „Der hat einen Gang!“, ruft Hanna. Anis, drahtige Statur, Skinny-Jeans, die irgendwo unterhalb der Hüfte kleben, sodass es bloß die gemusterten Boxershorts sind, die seinen Hintern bedecken. Wendigen Schritts eilt er davon und sieht aus der Ferne aus wie einer der verbrecherischen Dalton-Brüder, die es, stets erfolglos, mit dem einsamen Cowboy Lucky Byamba aufzunehmen versuchen. Aber Hanna wird den Gaul schon noch satteln.

Nun tritt auch Ellis in die dunkle Nacht hinaus, gefolgt von Moritz. „Und?“, fragt Ellis. „Byamba will dich was fragen“, reicht Hanna den Ball weiter. „Ob wir zusammen sind“, platzt es aus Byamba heraus. Es klingt nur mittelfeierlich, eher stark unentschieden. „Weiß nicht“, murmelt Ellis, weil Hanna doch dabeisteht und zuhört, „mehr so casual. Freundschaft plus?“ Die junge Generation hat für jede Form und jede Unförmigkeit von Beziehung einen schicken Begriff. Meistens ist es ein englisches Wort, das den Inhalt besser verkauft als die komplizierte deutschsprachige Erklärung und Zerredung. Byamba steht aber jetzt, aus Gründen von psychischem Druck, auf der Leitung und erwidert: „Plus was?“ Da fängt Moritz, der in Angelegenheiten von Liebe, Humangeografie und Raumordnung sehr genau ist, laut zu lachen an. Konrad und Jan verlassen das Lokal und rufen: „Tschühüs!“ Taxler Manfred ist der nächste: „Wenn’s in Wien tschüs sagen, wird’s Zeit zu geh’n. Ciao, pfiat euch, Baba!“ – „Manfred, nimmst uns mit?“, ruft die Kellnerin noch, und trippelt ihm hinterher in Richtung des geparkten Tesla. Auch Ali verabschiedet sich liebevoll. Er schenkt Hanna und Ellis eine herzliche Umarmung. Er drückt Byamba und schlägt ihm dabei auf den Rücken. „Meine Frau wartet.“

„Ich geh zu Fuß!“, brummt Herr Stefanov und zieht allein davon. Lieben heißt loslassen, denkt Herr Stefanov im Gehen. Wiederhole diesen Satz mantraartig! Lieben heißt loslassen, das muss ich Hanna noch sagen. Vielleicht auch Anis. Im Vorbeigehen sieht Herr Stefanov den Boss des Lieferdienst im hellerleuchteten Büro umherstreifen, von der Waschmaschine zu den Computern, von den Fahrradhelmen zu den WC-Anlagen. Anis sieht geduckt aus, müde. Als er Herrn Stefanov als dunklen Schatten am Schaufenster entlangschleichen sieht, richtet er sich kurz auf, fällt aber gleich wieder in sich zusammen. Herr Stefanov geht weiter, er möchte nicht noch mehr gesehen haben. Lieben heißt loslassen.

Die Wirtin öffnet die Tür zur Straße, baut sich auf und sagt zu den noch vier verbliebenen Gästen: „Und wer übernimmt jetzt eigentlich die Rechnung?“ Hanna, entsetzt: „Von allen?“ Die Wirtin nickt. Offenbar haben sich alle irgendwie eingeladen gefühlt: Lieferdienst Wien, heute bestellen wir! Fortsetzung folgt

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Teil 39 von 52

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