Schulden

Griechenland hofft endlich auf gute Bonität

Griechenland hat harte Sparmaßnahmen hinter sich und will nun die Früchte daraus ernten.
Griechenland hat harte Sparmaßnahmen hinter sich und will nun die Früchte daraus ernten. Reuters/Cathal Mcnaughton
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Harte Spaßmaßnahmen und hohe Schulden haben dem Staat in den vergangenen zehn Jahren zu schaffen gemacht. Nun will man endlich wieder international reüssieren.

Wenn Griechenlands Ministerpräsident, Kyriakos Mitsotakis, dieser Tage in Thessaloniki mit der Verkündung der wirtschaftspolitischen Schwerpunkte der Regierung die politische Herbstsaison einläutet, dann wird man zu hören bekommen, dass das Land längst zur „Normalität“ zurückgekehrt ist. Nach einem schwierigen Jahrzehnt der Schuldenkrise und der Sparpakete, die in den Jahren 2010 bis 2018 geschnürt wurden, ist der Mittelmeerstaat kein „schwarzes Schaf“ Europas mehr.

Doch fehlt noch ein kleiner, letzter Schritt zur vollständigen Rehabilitierung: die Bescheinigung der Kreditwürdigkeit auf den internationalen Finanzmärkten durch die größten Ratingagenturen Moody’s, S&P und Fitch. Nach 13 harten Jahren will man wieder eine Rolle spielen und auch institutionellen Anlegern die Möglichkeit eines Investments bieten.

Zunächst war Anfang August die japanische Agentur Rating und Investment Information (R&I) als weltweit erste mit einer Einstufung Griechenlands vorgeprescht, kurz darauf folgte die kleinere, deutsche Ratingagentur Scope. Für sie ist Griechenland schon wieder reif für ein Investment. Sie stufte das Land Anfang August von BB+ („Ramsch“) auf BBB– hoch. Der Ausblick sei stabil, teilte die Agentur mit. Die Staatsverschuldung und die Reformen im Bankensektor hätten sich günstig entwickelt, lautete die Begründung. Positiv hervorgehoben wurden zudem die niedrigen durchschnittlichen Zinskosten sowie ein überdurchschnittlich hohes Wirtschaftswachstum.

Außerdem wird das Land im laufenden Jahr wieder einen Primärüberschuss, also ein Budgetplus ohne Schuldendienst, über ein Prozent produzieren. Weiters konnten die vier griechischen Systembanken die faulen Kredite in ihren Bilanzen deutlich senken. Ähnliche Schlüsse ziehen auch die anderen, größeren Ratingagenturen, die 2010 durch ihre Herabstufungen Griechenlands auf „Ramschstatus“ erst die Intervention von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) sowie die milliardenschweren Hilfsprogramme provoziert haben.

Öffentliche Verschuldung sinkt

Um das Schuldenprofil des Landes zu verbessern, hat sich die Regierung dazu entschlossen, unter anderem alte Schulden vorzeitig zurückzuzahlen. So ist es dem Land etwa gelungen, Darlehen des Internationalen Währungsfonds im vergangenen Jahr vollständig zu tilgen. Dabei handelte es sich immerhin um 32 Milliarden Euro. Der nächste Schritt ist eine vorzeitige Abbezahlung der bilateralen Kredite von EU-Staaten aus der Zeit des ersten Sparprogramms (2010/2011). Rund 2,7 Milliarden Euro davon hat man 2022 bereits bezahlt, 2023 sollen weitere 5,3 Milliarden Euro folgen.

Bei einem derzeitigen Schuldenstand von 355 Milliarden Euro angesichts der ohnehin niedrig verzinsten Kredite ist der wirtschaftliche Wert der Transaktion von Kritikern jedoch in Zweifel gezogen worden. Schönwetter macht es jedoch allemal in Verbindung mit dem rasanten Schuldenabbau durch das momentane Wirtschaftswachstum und die Inflation.

Und tatsächlich hat sich die Staatsschuldenquote in Relation zum Bruttoinlandsprodukt erheblich verbessert. Betrug der Schuldenberg im Jahr 2020 noch rund 206 Prozent der Wirtschaftsleistung, fiel er im Vorjahr bereits auf 171 Prozent. Für das laufende Jahr wird ein Wert von 160 Prozent des BIPs vorhergesagt, im kommenden Jahr soll die öffentliche Verschuldung dann bereits auf 154 Prozent zurückgegangen sein.

Doch wie geht es mit Griechenland weiter? Die mittelfristigen Aussichten, also bis zum Jahr 2033, sind laut EU-Kommission weniger gut. Das Wachstum wird sich, so die Prognose, in den nächsten Jahren stark einbremsen, wie es in einem Bericht aus dem Frühjahr heißt. Denn die straffe Finanzpolitik dürfte das Wirtschaftswachstum abwürgen, um das Land zahlungsfähig zu halten, weshalb es weniger Spielraum für staatliche Konjunkturprogramme oder Investitionen gibt.

Kein tragfähiges Modell

Die EU-Kommission, aber auch die griechische Zentralbank und viele andere weisen jedoch auch auf ein anderes Problem des Mittelmeerlandes hin, das in den Jahren der Sparmemoranden nicht beseitigt werden konnte: das in Zeiten des Wachstums stets rasant wachsende Leistungsbilanzdefizit, das zeigt, dass die griechische Wirtschaft international trotz der großen „Bereinigungen“ bei den Lohnkosten insgesamt immer noch nicht ausreichend konkurrenzfähig ist.

Es wurde viel Tinte verspritzt, um ein neues griechisches „Wirtschaftsmodell“ zu beschwören. Tatsache bleibt allerdings, dass das Land innerhalb seiner eigenen Grenzen immer noch zu wenig produziert und zu viel aus dem Ausland zukauft.

Auf einen Blick

Griechenland stand im Zentrum der Eurokrise, doch konnte der Staat seinen Schuldenberg im Lauf der Jahre abtra­gen. Betrug die Staatsschuldenquote 2020 noch rund 206 Prozent der Wirtschaftsleistung, waren es zuletzt „nur“ noch noch 160 Prozent. Nun hofft man wieder auf eine Bescheinigung der Kreditwürdigkeit durch Ratingagenturen.

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