Konjunktur

Trübe Marktlage in der Eurozone

Auch das Schweizer Finanzzentrum am Paradeplatz in Zürich leidet unter der aktuellen wirtschaftlichen Situation in Europa.
Auch das Schweizer Finanzzentrum am Paradeplatz in Zürich leidet unter der aktuellen wirtschaftlichen Situation in Europa.APA / Michael Buholzer
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Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum bleibt laut Umfragen schlecht. Selbst die Schweiz leidet unter ausbleibendem Wachstum. 

Wien. Anlegerinnen und Anleger erwarten einen durchaus dunklen Herbst. Das Konjunkturbarometer der Beratungsfirma Sintex zeigt, dass Börsianer pessimistisch auf die Wirtschaft der Eurozone blicken. Das Barometer fiel im September um 2,6 auf minus 21,5 Punkte. Dafür hatte Sentix bei ihrer monatlichen Umfrage 1220 Investorinnen und Investoren befragt. Konsultierte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf minus 20 Zähler gerechnet.

Sowohl die Aussichten als auch die Lage wurden negativer beurteilt, die Lage sogar so schlecht wie seit November 2022 nicht mehr. „Die Wirtschaft befindet sich damit weiter in der Rezession“, sagte Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. Wenn es der Eurozone nicht gut geht, liegt das vor allem an der schlechten Situation in Deutschland. In der größten Volkswirtschaft der Währungsunion sank das Konjunkturbarometer um 2,4 auf minus 33,1 Punkte. Mit dem fünften Rückgang in Folge rutschte es auf den schlechtesten Wert seit fast einem Jahr ab. Sowohl Lage als auch Aussichten bewerteten die Anleger schlechter. Deutschland ist damit erneut der schwache Mann Europas.

Großes Minus für die Schweiz

Laut Analysten ziehen die enormen Unsicherheiten, die durch die Energie- und Stromkrise für die Unternehmen bestehen, die deutsche Konjunktur immer tiefer in die Rezession. Die deutsche Wirtschaft ist drei Quartale in Folge nicht mehr gewachsen. Eine Trendwende ist Ökonomen zufolge vorerst nicht zu erwarten.

Darauf deutet auch der Ifo-Geschäftsklimaindex hin, der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung in Deutschland: Er gab zuletzt vier Monate in Folge nach. Neu ist, dass auch die Anleger am Schweizer Kapitalmarkt pessimistisch gestimmt sind. Die Konjunktur steht am Kipp-Punkt, der Gesamtindex sinkt um fast acht Punkte auf minus 5,6 Punkte.

Besonders prekär ist der Absturz der Lagebeurteilung der Anleger von 15,5 auf nur noch 5,8 Punkte. So tief lag der Index zuletzt im März 2021. Da auch die Erwartungswerte kräftig sinken, steht zu befürchten, dass aus dem aktuellen Abschwung auch für die Schweiz eine Rezession erwachsen wird. „Die letzten Wochen und Monate war der Schweizer Franken stark. Es scheint, dass die Schweizer Wirtschaft das nicht mehr ausgleichen kann“, sagt Hübner im Gespräch mit der „Presse“. Zudem ist die Schweiz eng mit dem Handelspartner Deutschland verworren.

Das bestätigen auch die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) veröffentlichten Zahlen: Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft kam im zweiten Quartal 2023 zum Erliegen. Das um die für die Schweiz wichtigen Sportanlässe bereinigte Bruttoinlandprodukt blieb unverändert. Vor allem in der Industrie bzw. dem verarbeitenden Gewerbe war die Wertschöpfung nach einem positiven Jahresbeginn mit einem Minus von 2,9 Prozent klar rückläufig. Zum einen habe die chemisch-pharmazeutische Industrie ein deutliches Minus registriert, schrieb das Seco. Zum anderen laste das herausfordernde internationale Umfeld auf den konjunktursensitiven Industriebranchen wie jener des Maschinen- und Metallbaus.

Österreich verbessert sich

In Österreich ist das Barometer zwar nach wie vor deutlich im Minus, hat sich aber dennoch leicht verbessert. Während der Gesamtindex im August noch bei einem Minus in Höhe von 17,4 Punkten lag, verbesserte er sich im September auf einen Wert von minus 13,3. „Der Markt in Österreich ist klein und deshalb auch durchaus volatil. Aber die politischen Maßnahmen könnten für eine Aufhellung der Stimmung der Anleger gesorgt haben“, sagt Hübner. Im August wurde von heimischen Politikern erneut über eine Zufallsgewinnsteuer diskutiert.

Als Lichtblick wird gemäß dem Report die japanische Konjunktur gewertet, die von der lockeren Zinspolitik und einem schwachen Yen profitiert. (sub)

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