Prozessoren

Qualcomm: Sind in Autogeschäft auf Kurs

Ein Auto, angetrieben von einem Qualcomm-Snapdragon-Prozessor.
Ein Auto, angetrieben von einem Qualcomm-Snapdragon-Prozessor. Reuters / Leonhard Simon
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Der Smartphone-Markt ist gesättigt. Zeit, sich auch anderen Branchen zuzuwenden. Großes Potenzial sieht Qualcomm-Chef Christiano Amon in Autos. Auch wenn der Umsatz in diesem Bereich für Halbleiter-Hersteller noch überschaubar ist.

Der Smartphone-Markt ist gesättigt, der Bedarf an leistungsfähigen Prozessoren schwindet - sofern es sich nicht um Grafikkarten handelt, die gerade bei der Entwicklung von KI-Systemen besonders hoch im Kurs stehen. Jenes Unternehmen, das in nahezu allen hochpreisigen Android-Smartphones seine Prozessoren verbaut, will sich nun auf einen neuen Sektor ausrichten: die Auto-Branche. „Autos sind Smartphones auf vier Rädern“, unklar ist, wem dieses Zitat wirklich zuzuschreiben ist. Fest steht aber: die Automobilbranche ist im Umbruch und sie „werden zu Tech-Unternehmen“. Davon ist Qualcomm-Chef Christiano Amon überzeugt und mit dem größeren Bedarf an digitalen Angeboten, sollen die Hersteller auf die bewährten Prozessoren zurückgreifen.

Amon will Qualcomm unabhängiger vom schwankenden Smartphone-Geschäft machen und setzt vermehrt auf Chips für die Autobranche. „Automobilunternehmen werden Tech-Unternehmen“, sagte er bei der Automobilmesse IAA in München. Digitale Angebote würden wichtiger. Schon in den vergangenen Quartalen habe das Geschäft jeweils um einen zweistelligen Prozentsatz zugelegt. Allerdings machte es im vergangenen Jahr gerade einmal 3,6 Prozent des Jahresumsatzes aus.

Bis 2030 ein Umsatz von neun Milliarden Dollar zu erwarten

Doch das dürfte mehr werden. Amon verwies darauf, dass bislang Aufträge von Autobauern über mehr als 30 Milliarden Dollar eingegangen seien, Ende des Jahrzehnts sei mit einem Jahresumsatz von neun Milliarden Dollar zu rechnen, „und wir sind hier auf Kurs“. Unter anderem stattet das Unternehmen nach Angaben vom Dienstag BMW mit Halbleitern für Sprachsteuerungs-Systeme aus.

Die US-Chipfirma ist führend bei Halbleitern für Smartphones. Dieses Geschäft sei aber sehr zyklisch, sagte Amon. Immerhin habe inzwischen jeder ein Smartphone. Wachstum sei mit technischen Innovationen wie künstlicher Intelligenz zu erwarten. Zuletzt hatte der Smartphone-Chipmarkt nach dem Corona-Boom einen Einbruch verzeichnet. Der Anteil des Autogeschäfts steigt, liegt aber immer noch bei einem Bruchteil der Erlöse im Smartphonegeschäft. Auch der Rivale Nvidia versucht, sich mit dem Autogeschäft ein neues Standbein aufzubauen und hofft vor allem auf das Geschäft mit autonomen Fahren.

Qualcomm abhängig von TSMC

Qualcomm verfügt nicht über eigene Halbleiterfabriken, sondern kauft seine Chips bei Auftragsfertigern wie TSMC oder Globalfoundries zu. Neue Chipfabriken kämen Qualcomm dabei zugute. „Wir müssen die Halbleiterproduktion verdoppeln, weil alles verbunden ist und mit intelligenten Funktionen ausgestattet wird“, betonte er. Die milliardenschweren Förderprogramme in den USA und Europa seien ein ermutigendes Signal.

„Es wäre für uns zum Beispiel sehr gut, wenn TSMC Produktionsstätten für modernste Halbleiter an verschiedenen Orten baut.“ Amon sprach dabei von Knotengrößen unter zehn Nanometern, die für Infotainment, autonomes Fahren oder Sprachsteuerung benötigt werden. Der weltweit größte Hersteller von Chips hat zuletzt den Bau eines Werks in Dresden angekündigt. Allerdings sollen dort ältere Halbleitermodelle in einer Größenordnung von 12 bis 28 Nanometer entstehen, wie sie für Fahrfunktionen oder Motorsteuerung benötigt werden. (bagre/Reuters)


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