Der Wechsel zu sauberer Energie geht viel zu langsam voran. Es mangelt nicht nur an Geld, sondern auch an globaler Koordinierung. Denn manch „gute Idee“ im Westen bringt unerwünschte Nebenwirkungen am anderen Ende der Erde.
Wien. Im Grunde liegen alle Fakten längst auf dem Tisch: Will die Menschheit die Erderwärmung eindämmen, muss sie sich so bald wie möglich von ihren gewohnten Energieträgern verabschieden. Es wäre nicht das erste Mal, und doch ist alles anders: Der Aufstieg der Kohle zur wichtigsten Energiequelle der Welt dauerte 50 Jahre, der Siegeszug des Erdöls immerhin noch 35 Jahre. So lang darf der Wechsel zu klimafreundlichen Technologien wie Sonne, Wasser und Wind nicht dauern, warnen die Autoren einer Studie der Boston Consulting Group (BCG).
Der Sturz der beiden fossilen Könige des Energiesystems müsse dreimal schneller gelingen als im historischen Vergleich. Ansonsten sei die „zunehmend unwahrscheinliche“ Erfüllung der Klimaziele endgültig außer Reichweite, so die Berater. Zusätzlich zu den versprochenen 19 Billionen Dollar (17,7 Billionen Euro) müssten Unternehmen und Staaten bis 2030 weitere 18 Billionen Dollar in den Bau grüner Kraftwerke und Infrastruktur investieren, so die Forderung. Aber Geld allein löst das Dilemma nicht. Auch der unkoordinierte Wettlauf der Nationen in Sachen (grüner) Energiepolitik schadet mitunter mehr, als er nützt. Das anschaulichste Beispiel dafür lieferte Europa.