Wahlkampf: "Richtig dreckig wird's wohl nicht"

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Themenbild WahlkampfAPA/PHILOMENA WOLFLINGSEDER

Echtes "Dirty Campaigning" würde "zu viel Porzellan zerschlagen", meint Politikberater Hofer. Meinungsforscher Hajek beurteilt den Wahlkampf der ÖVP als "ein bisschen weggeholpert".

Der Wahlkampf geht demnächst in seine Intensivphase. Politikberater Thomas Hofer erwartet für die nächsten Wochen durchaus einiges an "Negative Campaigning", aber:  "Richtig dreckig wird's wohl nicht werden". Es werde zwar weitere Attacken zwischen den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP geben. Dabei handle es sich aber um eine Gratwanderung, sich gegenseitig nicht so wehzutun, dass man nach der Wahl nicht mehr zusammenarbeiten kann. Mit echtem "Dirty Campaigning" rechnet der Experte daher nicht, denn das würde "zu viel Porzellan zerschlagen".

Sowohl Hofer als auch der Meinungsforscher Peter bewerten den Vorwahlkampf der SPÖ als gelungen, bei der ÖVP orten sie noch Schwierigkeiten. Hajek erwartet, dass sich der auf die Kernwähler fokussierte Wahlkampf der SPÖ fortsetzen wird. Mit dem hohen Wiedererkennungspotenzial handle es sich um einen "State of the art"-Wahlkampf, mit dem die Roten allerdings über die Kernwählerschaft hinaus "nicht rasend viele" dazugewinnen dürften. Der reine Basis-Wahlkampf der SPÖ sei professionell gemacht, findet auch Hofer. Ein weiterer Pluspunkt: Die Geschlossenheit in der Partei sei da.

Diese Geschlossenheit lasse die ÖVP hingegen vermissen, so Hofer - etwa wenn sich Finanzministerin und Wirtschaftsminister widersprechen, wie es dem Wirtschaftsstandort geht. Die Volkspartei müsse dahingehend "rasch" etwas ändern. Auch in den Plakaten sieht der Experte eine gewisse Schwierigkeit: Sich als Zukunftspartei zu positionieren, während beim Lehrerdienstrecht (mit der VP-dominierten Gewerkschaft) nichts weitergehe, sei "keine einheitliche Botschaft". Für Hajek ist der ÖVP-Wahlkampf ebenfalls "ein bisschen weggeholpert", "es ist noch nicht klar, in welche Richtung geht's" - aber vielleicht komme die "Auflösung" ja noch.

FPÖ: "Aufmerksamkeitsfaktor beibehalten"

Einen gelungenen Start sieht Hajek bei den Freiheitlichen, die sich aus der "strategischen Enge" wegen des Antretens von Frank Stronach herausbewegt hätten. Die Botschaft ("Nächstenliebe" für die Österreicher) sei gleich wie immer, die Tonalität anders - mit der Kampagne habe man trotzdem "den Provokationsfaktor und damit den Aufmerksamkeitsfaktor beibehalten". Hofer meint, die FPÖ müsse aus kampagnentechnischer Sicht noch nachlegen - zum Beispiel ihr Kernthema Migration stärker mit der Krise am Arbeitsmarkt verknüpfen.

Auf der Erfolgswelle sehen beide Experten die Grünen. Die Kampagne sei "unüblich frech", aber gut, analysiert Hofer. Die große Gefahr sei, dass die Korruptionsbekämpfung nicht bis zum Wahltag als Topthema zu ziehen sein könnte.

Stronachs Kampagne findet Hajek grundsätzlich "in Ordnung". Es kämen aber ähnlich wie bei der ÖVP ständig Dinge "aus dem politischen Unterholz", die am Vertrauen der Partei rüttelten, Stichwort etwa Monika Lindner. Auch Hofer erkennt professionelle Plakate, aber "nicht die beste Strategie". Die große offene Frage sei, wie der streitbare Politneuling in den TV-Debatten abschneidet.

BZÖ: "Nackter Kampf ums Überleben"

"Der nackte Kampf ums Überleben" finde derweil beim BZÖ statt. Was bisher kam, sei "zu wenig", betonte Hofer. Parteichef Josef Bucher müsse nun die TV-Duelle nutzen und offensiv auftreten. Dieser Meinung ist auch Hajek: Das BZÖ habe "kein Profil". Parteichef Josef Bucher müsse nun die TV-Duelle nutzen und offensiv auftreten.

Das Fernsehen könnte für die Neos dagegen zum Problem werden: Zu den Konfrontationen eingeladen werden in der Regel nämlich nur Parlamentsparteien, mangelnde Präsenz bedeutet weniger Aufmerksamkeit. Das Werben selbst wird von den Experten aber gut beurteilt: Die Neos machten einen "sehr sauberen, zielgruppenorientierten und pointierten Wahlkampf", erklärt Hajek. Im Gegensatz zu KPÖ und Piraten: "Die kommen so gut wie nicht vor."