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Schwarzkopf: "Man wird halt fünf Jahre weiterwurschteln"

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Schwarzkopf(c) APA (Gro�ruck Bernhard)
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Plansee-Chef Michael Schwarzkopf ist kein Freund der Großen Koalition. Der Industrielle wünscht sich politische Veränderung, fürchtet aber, dass der Leidensdruck dafür noch nicht groß genug ist. Ein "Prese"-Interview.

Die Presse: In wenigen Wochen sind Wahlen. Was erhoffen Sie sich als Industrieller von einer künftigen Regierung?

Michael Schwarzkopf: Mir ist vor allem wichtig, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Industrieunternehmen gewährleistet bleibt.

 

Sie haben zuletzt die Sozialpartner heftig kritisiert, weil hierzulande keine flexibleren Arbeitszeiten möglich sind. Ihr Unternehmen beschäftigt deshalb Leiharbeiter.

Das ist richtig. Ich kann mit den Rahmenbedingungen arbeiten, weil wir uns arrangiert haben. Ich glaube nur, dass es für einen Standort, für eine Belegschaft, für die soziale Verantwortung vernünftiger wäre, ich hätte eine stabile Stammmannschaft, die ich konsequent weiterentwickeln kann. Die müsste dann aber auch flexibel arbeiten können, je nachdem, wie viel Arbeit anfällt.

 

Flexible Arbeitszeit ist ein Wahlkampfthema. Es schaut aber nicht danach aus, als ob hier zwischen ÖVP und SPÖ ein Konsens möglich ist.

Irgendwann kommt der Wandel. Er kommt meistens, wenn es wehtut.

Sie glauben, Veränderung passiert nur dann, wenn es zu spät ist.

Auf die Politik zu warten wird wahrscheinlich zu wenig sein. Politiker reagieren nur, wenn sie wirklich müssen.

 

Vielleicht nach einer Wahl?

Es ist die Frage, ob die Österreicher schon reif sind. Wir haben es ja in Tirol erlebt. Die Wähler entschieden sich für Sicherheit und Bewahren, nicht für Aufbruch zu etwas Modernerem. Dass Landeshauptmann Platter dann innovativere Wege (schwarz-grüne Koalition, Anm.) gegangen ist, ist zumindest ein interessanter Aspekt.

 

Ist auf Bundesebene der Leidensdruck der Wähler groß genug, um große Veränderungen herbeizuführen?

Ich fürchte, man wird halt neuerlich fünf Jahre weiterwurschteln. Ich persönlich bin kein Freund mehr der Großen Koalition. Wir brauchen Veränderung.

 

Wo sehen Sie die größten politischen Baustellen?

Bildung, Pensionssystem, Gesundheit. Die Dinge gehören einfach einmal angegangen. Wie wäre das, wenn es ein Unternehmen wäre? Mir ist schon klar, dass ein Staat kein Unternehmen sein kann. Aber ein bisschen mehr unternehmerisches Denken täte gut. Dann müsste man erkennen, dass man sich nicht dauernd neu verschulden kann.

Österreich ist eben ein Land des Konsenses, des Ausgleichs.

Man könnte auch sagen, wir scheuen Reformen. Was ist denn schon passiert im Bankensektor in Österreich im Vergleich zu Amerika, wo 400 Banken pleitegegangen sind? Den Mut hat hier niemand.

 

Und diese Mutlosigkeit bei Reformen bremst auch das Wachstum?

Ich glaube, dass die Wachstumsjahre erstmal vorbei sind. Aber ich glaube auch an die selbstheilenden Kräfte von Systemen. Die Probleme sind ja nicht erst 2008 entstanden. Die USA waren vor Lehman genauso pleite wie heute. Österreich war genauso verschuldet.

 

Wie reagiert Plansee auf die konjunkturellen Probleme?

Für Plansee wird mir nicht bange. Alles, was wir neu machen, ist mehr automatisiert, professioneller. Wir steigern die Produktivität und halten damit die Zahl der Beschäftigten konstant. Das hat dem Standort hier gutgetan. Er ist das Herzstück der Planseegruppe. Vom Ertrag, von der Produktivität, von der Nachhaltigkeit. Zum Teil haben wir hier auch Herzstücke unserer Wertschöpfungskette.

Die man nicht so gerne hergibt?

Nein, schließlich sind diese seit 90 Jahren hier gepflegt und weiterentwickelt worden.

 

Aber mitunter wird die Harmonie auch bei Ihnen gestört. Voriges Jahr wurde gestreikt.

Und das hat mich auch sehr geärgert. Weil ich davon überzeugt bin, dass wir uns als Unternehmen anständig verhalten, dass es keinen Grund gibt, uns zu bestreiken. Ich nehme das persönlich. Dass man eine Firma bestreikt, mag ja noch einleuchten. Aber Plansee? Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere Mitarbeiter anständig bezahlen, wir schütten eine Gewinnbeteiligung aus, haben diverse Sozialeinrichtungen, ob es Küche, Werksbus oder was auch immer ist. Da sehe ich nicht ein, dass man uns bestreikt (im Zuge der Kollektivvertragsverhandlungen der Metaller kam es österreichweit zu Warnstreiks, Anm.). Das haben wir nicht verdient. Da merkt man, dass manche Dinge zu selbstverständlich geworden sind.

 

Ist das nicht ein Spiegelbild der Gesellschaft, dass vieles zu selbstverständlich genommen wird?

Ja, uns geht es zu gut.

Zur Person

Michael Schwarzkopf ist Eigentümer und Vorstandschef der Plansee-Group. Der Konzern erzeugt Hochleistungswerkstoffe für den Maschinenbau, die Unterhaltungselektronik und Medizintechnik. Im Stammhaus in Breitenwang im Tiroler Bezirk Reutte arbeiten 2000, weltweit 8900 Mitarbeiter. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2013)