Champions League: Austria feiert ein Märchen

FUSSBALL - CL Play Off, A.Wien vs Zagreb
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Austria verlor das Playoff-Rückspiel gegen Dinamo Zagreb mit 2:3, stieg aber trotzdem erstmals in die Gruppenphase auf. Eine Abwehrschlacht in zwei Akten, aber mit Happy End.

Wien. Austria hat es geschafft. Österreichs Meister griff im Playoff-Rückspiel zur Champions League nach den Sternen und sollte gegen Dinamo Zagreb auch belohnt werden. Doch die Violetten zitterten eine 2:3-Niederlage über die Zeit und zogen mit dem Gesamtscore von 4:3 erstmals in die Gruppenphase der Millionenliga ein.

Österreich ist erstmals seit der Saison 2005/2006 (Rapid) wieder in der Champions League vertreten. Die Auslosung erfolgt am Donnerstag und so sehr sich Klubvorstand Markus Kraetschmar über 8,6 Millionen Euro Startgeld und weitere Einnahmen in Höhe von ca. fünf Mio. Euro allein aus Ticketverkauf, TV-Geldern und Merchandising freut, Spieler und Fans fiebern Duellen mit den Topstars entgegen. Barcelona, Bayern, Manchester United – am Verteilerkreis darf geträumt werden. Die Heimspiele finden aber ab 17. September im Happel-Stadion statt.

Das täuschende Eigentor

„Wir spielen, um zu gewinnen, da gibt es gar keine Diskussion.“ Wer Austria-Trainer Nenad Bjelica vor dem Anpfiff zuhörte, der wusste, dass sich Österreichs Fußballmeister der großen Chance bewusst war. „Wir wollen und können etwas Historisches schaffen. Wir werden unsere Qualität zeigen.“ Und so spielte seine Mannschaft im Playoff-Rückspiel zur Champions League vor 10.500 Zuschauern gegen Dinamo Zagreb anfangs auch. Organisiert, mit Übersicht und Ruhe . . .

Austria-Trainer Bjelica jubelt nach Spielende.
Austria-Trainer Bjelica jubelt nach Spielende.(c) APA (Georg Hochmuth)

Der Spielverlauf täuschte jedoch über die wahren Schwächen fatal hinweg. Denn schon die erste Torchance bedeutete die Führung: Ein Freistoß von Mader flog durch den Strafraum, Zagreb-Veteran Simunić lenkte den Ball per Kopf zum 1:0 (5.) ins eigene Tor. Das schnelle Tor diente aber keineswegs als Befreiung, im Gegenteil: Austria spielte viel zu passiv, zu abwartend.

Chancen durch Jun (13.) oder Stankovic (26.) wurden vergeben, Hosiner enttäuschte erneut schwer – und die Kroaten kamen durch diese Hektik immer besser ins Spiel. Sie hatten mehr Ballbesitz (70 Prozent!) und die besseren Chancen. Torhüter Lindner parierte noch einen Schuss von Soudani (30.). Gegen den Brozovic war er schließlich machtlos – 1:1 (33.).

Bei Austria stimmte nichts mehr, die Violetten gerieten wie schon im Hinspiel unter Druck. Entlastungsversuche, etwa durch Holland, irritierten nur aufgrund ihrer Harmlosigkeit.  Austria „bettelte“ um ein weiteres Gegentor. Es fehlte das Pressing, die Kroaten hatten zu viel Platz. Zuerst scheiterte Junior Fernandes an Lindner (40.), drei Minuten später aber traf der Brasilianer. Beim 1:2 herrschte heilloses Chaos in Austria Abwehr. Es gab keine Zuordnung mehr.

Und dann kam Kienast

Aggressivität war nach Wiederbeginn gefragt. Austria hatte auch sofort ihre Chance nach guter Vorarbeit durch Hosiner und Suttner, doch Jun (47.) traf aus fünf Metern Entfernung das Tor nicht. „Immer wieder Austria Wien“-Choräle hallten von den Rängen, die Violetten spielten mutiger, überlegter. Dennoch, es schien zu oft der Anschein, als würde man sich auf die Statistik verlassen - noch nie wurde nach einem 2:0 im Hinspiel im Europacup noch der Aufstieg verspielt...

Gravierende Fehlpässe (Koch, Holland!) und schlechtes Stellungsspiel der Abwehr sorgten weiterhin für Unruhe. Die Kroaten hatten leichtes Spiel, sie nützten Freiräume, waren die besseren Fußballer. Sie machten mehr für das Spiel als die verängstigten Austrianer, die in ihrem Strafraum gefangen waren. Dann hatte Beciraj nach einem Gegenstoß zu viel Platz, erneut, und sein Kopfball passte ganz genau - 3:1 (70.).

Als Beciraj das 3:1 erzielte, war Austria ausgeschieden, zu diesem Zeitpunkt sogar verdient. Doch dann bewies Bjelica „Gefühl“. Kienast kam (für Holland), sah und traf 15 Sekunden später zum 2:3. Austrias "Happy End" und der Einzug in die Champions League waren "amtlich".

Kienasts Goldtor.
Kienasts Goldtor.(c) EPA (Georg Hochmuth)

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